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Europa

Gaddafi lobt britische Regierung

Der libysche Staatschef Gaddafi hat die britische Regierung mit seinen Dankesworten für die Freilassung des Lockerbie-Attentäters in Verlegenheit gebracht. Die Opposition fordert eine Untersuchung des Falls.

Muammar al-Gaddafi (Foto: dpa)

Muammar al-Gaddafi (Archivbild)

Die überschwänglich lobenden Worte von Muammar al-Gaddafi haben die Spekulationen über die Hintergründe der Freilassung des Lockerbie-Attentäters Abdel Basset al-Megrahi weiter angeheizt. Der libysche Staatschef dankte am Samstag (22.08.2009) Premierminister Gordon Brown, Königin Elizabeth II. und deren Sohn Andrew dafür, die schottische Regierung dazu ermutigt zu haben, "trotz aller Hindernisse diese historische und mutige Entscheidung zu treffen".

Gaddafi empfing den aus schottischer Haft entlassenen Al-Megrahi am Freitag an seinem Wohnsitz. Gaddafi stellte Großbritannien dabei engere Beziehungen in Aussicht: Die Freilassung Al-Megrahis sei im Interesse der Verbindungen zwischen beiden Ländern, sagte er der libyschen Nachrichtenagentur JANA zufolge.

Britische Regierung unter Druck

Abdel Baset al-Megrahi (l.) und Saif al Islam Gaddafi mit hochgereckten Armen vor einem Flugzeug (Foto: AP)

Saif al Islam Gaddafi empfängt Abdel Baset al-Megrahis am Donnerstag (20.08.2009) am Flughafen

Auch der Sohn des libyschen Staatschefs, Saif al Islam Gaddafi, wies auf die Kontakte zu Großbritannien hin. Bei dem vom libyschen Fernsehen übertragenen Empfang für Al-Megrahi sagte er: "Tatsächlich war das bei allen von mir beaufsichtigten Handels-, Öl- und Gasabkommen ein Thema". Schon zur Amtszeit von Browns Vorgänger Tony Blair habe der Einsatz für Al-Megrahis Freilassung begonnen: "Die libysch-britischen Handels- und Politikinteressen waren darauf ausgerichtet, Sie freizulassen."

Der Buckingham-Palast wies eine britische Beteiligung im Falle Al-Megrahis von sich. Wirtschaftsminister Peter Mandelsohn erklärte am Samstag, die Begnadigung sei "vollständig eine Angelegenheit der schottischen Regierung" gewesen. Es habe keine "Deals" oder Vereinbarungen zwischen der britischen und der libyschen Regierung gegeben.

Spekulationen über Hintergründe

Schottland hatte Al-Megrahi, der Prostatakrebs hat, am Donnerstag begnadigt. Er hatte erst acht Jahre seiner lebenslangen Haftstrafe abgesessen, zu der er wegen des Bombenanschlages auf ein Flugzeug über der schottischen Stadt Lockerbie verurteilt worden war. Bei dem Anschlag waren im Dezember 1988 insgesamt 270 Menschen ums Leben gekommen.

Für die Freilassung des Lockerbie-Attentäters hatte der schottische Justizminister Kenny MacAskill humanitäre Gründe genannt: Der 57-Jährige habe Prostatakrebs und nach Diagnose der Ärzte nur noch wenige Monate zu leben, so die Begründung des Richters.

Britische Öl-Interessen

Peter Mandelson (Foto: AP)

Der britische Wirtschaftsminister Peter Mandelson streitet eine britische Beteiligung im Falle al-Megrahi ab (Archivbild)

Während der Verhandlungen war in den letzten Tagen diskutiert worden, welche Gründe hinter der Entscheidung der schottischen Regierung gestanden hatte. Schließlich bemühen sich nach jahrelangen Sanktionen viele Regierungen Europas - darunter auch die britische – um Geschäfte mit Libyen. Die Ölkonzerne BP und Shell gehören zu mehreren Unternehmen in Großbritannien, die auf Gewinne aus Geschäften mit dem Wüstenstaat hoffen.

US-Regierung und Angehörige der Anschlagsopfer hatten die Entscheidung heftig kritisiert. Das Außenministerium in Washington warnte die libysche Regierung vor einer "Heldenfeier" für Al-Megrahi. Dies wäre "inakzeptabel" und würde Folgen für die Beziehungen beider Länder haben, sagte Außenamtssprecher Philip Crowley.

Es geht um das Ansehen der britischen Justiz

Die britische Opposition fordert unterdessen eine Untersuchung der Vorgänge. Der außenpolitische Sprecher der britischen Konservativen, David Lidington, sagte, es müsse zweifelsfrei geklärt werden, dass Al-Megrahis Freilassung nicht doch ein politischer Kuhhandel gewesen sei. Es gehe um das Ansehen der britischen Justiz.

Al-Megrahi kündigte unterdessen in einem am Samstag veröffentlichten Interview der "Times" an, dass er noch seine Unschuld beweisen wolle. Er sprach von einem Justizirrtum. (sas/det/dpa/rtrd/ap)

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