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Afrika

Gaddafi hält bei der EU die Hand auf

Der libysche Staatschef Muammar Gaddafi fordert von der EU Geld, damit er gegen illegale Migration von Afrika nach Europa vorgeht. Nicht nur mit dieser Forderung sorgte Gaddafi bei einem Besuch in Rom für Aufsehen.

Verhaftete afrikanische Migrnaten auf einem Boot (Archivfoto: ap)

Gegen illegale Migranten wie diese will Libyen nur etwas unternehmen, wenn die EU dafür zahlt

Muammar Gaddafi entwickelt immer wieder neue Ideen auf der Suche nach Geldquellen für sein Land. Nachdem er 2008 in Rom fünf Milliarden Dollar Entschädigung für die frühere Kolonialherrschaft Italiens eingetrieben hat, wendet Gaddafi sich nun an die Europäische Union. Diese solle Libyen "jährlich mindestens fünf Milliarden Euro" für den Kampf gegen illegale Einwanderer aus Afrika zahlen. Das forderte der libysche Staatschef am Montagabend (30.08.2010) bei einem Besuch in Rom.

Drohgebärden

Gaddafi neben Berlusconi (Foto: ap)

Gaddafi (l.) und Berlusconi pflegen gute staatsmännische Beziehungen

Libyen sei das Eingangstor der "unerwünschten Immigration", sagte Gaddafi. Diese könne nur an den Grenzen seines Landes gestoppt werden. Es liege deshalb im Interesse Europas, auf seine Forderungen einzugehen. Drohend fügte er hinzu: "Sonst kann es [Europa] schon morgen zu einem zweiten Afrika werden."

Gaddafi behauptete, seine Forderung werde von Italien unterstützt. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi ging auf die Äußerungen seines Gastes allerdings nicht weiter ein. Auch aus Brüssel gab es keine unmittelbare Reaktion auf die Forderung Libyens.

Gaddafi als Missionar

Anlass für Gaddafis Rom-Besuch war der zweite Jahrestag der Unterzeichnung des Freundschaftsabkommens zwischen beiden Ländern. Bei seinem Besuch löste Gaddafi heftige Kritik aus, weil er vor hunderten Frauen für die Verbreitung des Islam in Europa warb. "Der Islam ist die jüngste Religion, und wenn man nur einen Glauben haben darf, dann muss dies der Glaube an Mohammed sein", sagte er.

Die Frauen hatten von einer Agentur 80 Euro für ihre Teilnahme an dem Treffen mit dem libyschen Revolutionsführer erhalten. Die Vorsitzende des Italienischen Feministischen Zentrums, Maria Pia Campanile, kritisierte diese Aktion scharf. Die Frauen seien "unter der Bedingung rekrutiert worden, dass sie jung und schön sind und den Mund halten", sagte Campanile.

Kritik

"Wenn ich in Tripolis die libysche Bevölkerung dazu aufrufen würde, zum Christentum überzutreten, würde ich wahrscheinlich nicht heil nach Hause kommen", kritisierte Rocco Buttiglione von der christdemokratischen Partei UDC die Äußerungen Gaddafis. Berlusconi selbst hielt sich hingegen mit öffentlichen Stellungnahmen zurück.

Italien ist der größte Handelspartner für den nordafrikanischen Staat und bezieht vor allem Öl und Gas. Libyen hält Anteile am italienischen Finanzdienstleister Unicredit und dem Ölkonzern Eni.

Autor: Martin Schrader (afp, dpa, rtr)
Redaktion: Eleonore Uhlich

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