1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Gabun setzt auf Manganabbau - aber auch auf die Umwelt?

Rohöl, Tropenholz - Gabun ist einer der rohstoffreichsten und damit wohlhabendsten Staaten Afrikas. Vor allem dank des Mangans. Ein Viertel des begehrten Erzes kommt aus dem kleinen zentralafrikanischen Staat.

Manganabbau in Gabun

Gabun ist zweitgrößter Manganproduzent der Welt

Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von über 4000 Euro ist Gabun eines der reichsten Länder Afrikas. Trotzdem leben drei Viertel seiner Menschen in Armut, ein Drittel von weniger als einem Dollar am Tag. Intakte Straßen, sauberes Trinkwasser oder eine funktionierende Stromversorgung - nichts von alldem ist vorhanden. Der Ressourcenreichtum hat der Mehrheit der Bevölkerung kein besseres Leben beschert. Korruption verstärkt die überaus ungerechte Verteilung des Einkommens unter den 1,3 Millionen Einwohnern des Landes. Der Staat hat es verpasst, in Infrastruktur, das Gesundheitssystem oder das Bildungswesen zu investieren.

Ein begehrtes Schwermetall

Seit 1962 hält das Unternehmen Comilog das Monopol am Manganabbau. Der Konzern gehört zu einem Viertel dem Staat Gabun, der Rest der französischen Gruppe Eramet. Moanda, die lukrativste der drei Mangan-Minen Gabuns, liegt 650 Kilometer von der Hauptstadt Libreville entfernt im Südosten des Landes. Die Produktion läuft gut - mit drei Millionen Tonnen pro Jahr. Und Marcel Abeke, Generaldirektor der Comilog, hofft, dass die steigende Nachfrage den Preis für Mangan auch weiterhin hoch halten wird. "Unsere Reserven reichen noch für 60 bis 70 Jahre."

Manganabbau in Gabun

Manganabbau am Rande des Regenwaldes

Die Comilog nutzt die Gunst der Stunde, hat alte Anlagen modernisiert und zusätzlich neue angeschafft. Manganerz braucht man zur Eisenherstellung. Der Bedarf an Stahl wächst weltweit, die Metallindustrie boomt. Nordamerika und China sind die Hauptabnehmer. Derzeit beschäftigt das Unternehmen 1500 Mitarbeiter in Moanda und Libreville - und sorgt sich dabei auch um das Gemeinwohl. Comilog baute Markthallen in Moanda und in der Provinz-Hauptstadt Franceville und sorgte für Sozialwohnungen für die Minenarbeiter. Ein Krankenhauskomplex, Schulen und Kindergärten sind entstanden.

Ausbeutung auf Kosten der Umwelt

Das Nachsehen hatte bisher die Umwelt. Das Waschen des Erzes hat den Moulili-Fluss so verseucht, dass das Trinkwasser ungenießbar wurde. Mit Geldern der EU wird der Moulili nun gesäubert. Zukünftig müssen sich Minenunternehmen zur Einhaltung bestimmter Umweltstandards verpflichten. Dies ist einer der Gründe, weshalb die Chinesen, die ein viel versprechendes Mangan-Vorkommen in Ndjolé, etwa 200 km südöstlich der Hauptstadt, erschließen wollten, nun mit dem Beginn des Abbaus zögern. Ruan Chaoyin, stellvertretender Generaldirektor des chinesischen Unternehmens "Compagnie Industrielle et commerciale des Mines de Hua Zhou" hält die Bedingungen in den Bergbau-Zonen, die sich meistens in Tropenwäldern befänden, für problematisch: Transport, mangelnder Strom - und dann noch Auflagen für den Umweltschutz lassen ihn zu dem Schluss kommen: "Es wird mindestens noch zwei Jahre dauern."

Manganabbau in Gabun

Industrie frisst Natur

Die Manganvorkommen Ndjolés berühren den Nationalpark Monts de Cristal, einen der 13 Nationalparks des Landes, der größtenteils aus unberührtem tropischen Regenwald besteht. Eine Vielzahl an Tieren und Pflanzen, wie sie nur noch in der benachbarten Demokratischen Republik Kongo vorkommen, leben hier. Christine Carr von der Umweltschutzorganisation World Wild Fund in Libreville sieht in den Begleiterscheinungen der Mangan-Ausbeutung direkte und indirekte Gefahren für diesen Lebensraum: "Gewässer werden verschmutzt. Straßen werden gebaut, die dann verstärkt zu Wilderei führen." Gabun verfüge aber über einen umfangreichen Umwelt-Kodex. Ihre Organisation arbeitet deshalb beratend mit Unternehmen zusammen. "So konnten wir manche technischen Entscheidungen bei Ausgleichsmaßnahmen beeinflussen."

Skepsis und Hoffnung

Doch Marc Ona, Vorsitzender der Umwelt- und Nichtregierungsorganisation "Brainforest" warnt, dass dieselbe Regierung, die die Gesetze mache, auch diejenige sei, die den Rohstoffabbau verantworte. So besage das Gesetz über die Nationalparks, dass man eine neu entdeckte Ressource in einem Park ausbeuten dürfe. "Damit kann jeder Park, in dem ein Rohstoff gefunden wird, sofort deklassiert werden."

Bedrohter Lebensraum Regenwald

70 Prozent des Landes sind großenteils unberührter Regenwald

In einem Land, in dem ein Viertel der Menschen arbeitslos ist, muss die entstehende Zivilgesellschaft erst lernen, wie sie Änderungen und Umwandlungen mitsteuern kann, glaubt Olivier Fremont von der Weltbank. Und dass Umweltstandards auch dann noch etwas gelten sollten, wenn sich eine Möglichkeit zur Beschäftigung bietet. "Manche Nicht-Regierungs-Organisationen fangen an, sich zu profilieren und gute Arbeit als Gegenmacht zu leisten."

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links