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Diplomatie

Gabriel warnt vor neuem Golfkrieg

Deutschlands Außenminister Gabriel sieht die Gefahr, dass die Isolation des Emirats Katar durch Saudi-Arabien und seine Verbündeten zu einem Krieg führen könnte. Katars Gegner sehen sich derweil durch Trump gestärkt.

Die Krise am Golf könnte nach Einschätzung von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (Artikelbild) eskalieren. "Es besteht die Gefahr, dass aus dieser Auseinandersetzung ein Krieg werden könnte", sagte der SPD-Politiker der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Härte des Umgangs zwischen Brudernationen und Nachbarstaaten sei "dramatisch".

Er habe in den vergangenen Tagen viel mit Amtskollegen aus Saudi-Arabien, Katar, der Türkei, des Iran und Kuwaits direkt gesprochen oder telefoniert. "Nach meinen Gesprächen in dieser Woche weiß ich, wie ernst die Lage ist. Aber ich glaube, dass es auch gute Chancen gibt voranzukommen", sagte Gabriel. Gespräche zwischen den Widersachern seien dafür unverzichtbar.  

Seit Anfang der Woche schwelt am Golf die schwerste diplomatische Krise seit Jahren. Saudi-Arabien und mehrere arabische Staaten haben alle Beziehungen zu Katar abgebrochen, den Luftverkehr mit dem Land gestoppt und die Grenzen geschlossen. Die Länder werfen dem Emirat die Unterstützung von Terrororganisationen wie dem "Islamischen Staat" (IS) vor sowie Nähe zum schiitischen Iran.

US-Präsident Trump (r.) im Mai mit dem saudischen König Salman (M.) in Riad

US-Präsident Trump (r.) im Mai mit dem saudischen König Salman (M.) in Riad

Am Freitag hatte US-Präsident Donald Trump Katar als langjährigen finanziellen Unterstützer von Extremismus gebrandmarkt. "Katar ist leider seit Jahren ein Finanzier von Terrorismus und das auf sehr hohem Niveau", so Trump.

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain begrüßten die Trumps Äußerungen. Saudi-Arabien unterstütze die Aussage, zitierte die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA einen saudischen Offiziellen. "Terrorismus und Extremismus zu bekämpfen, ist keine Option, sondern eine Verpflichtung." Bahrain lobte die "Standfestigkeit" des US-Präsidenten.

Dabei kamen aus den USA widersprüchliche Signale zur Krise um Katar. Die Regierung in Washington vertrat erneut keine einheitliche Position. US-Außenminister Rex Tillerson trat deutlich gemäßigter auf als Präsident Trump. Tillerson appellierte an Saudi-Arabien und die anderen Staaten, die Isolation Katars zu beenden. Zugleich forderte er die Regierung in Doha auf, die Anliegen der anderen Länder ernst zu nehmen und noch mehr im Kampf gegen den Terrorismus zu tun. Ein ranghoher Mitarbeiter des Weißen Hauses spielte die Differenzen herunter. Trump und Tillerson seien sich einig, erklärte der Vertreter, der nicht namentlich zitiert werden wollte. Man spreche weiter mit allen Partnern.

Der katarische Botschafter in Washington, Meshal Hamad al-Thani, forderte die US-Regierung auf, sich nicht von anderen Ländern beeinflussen zu lassen. "Das Problem der Terrorfinanzierung ist ein globales, kein einziges Land hat das lösen können und Katar ist nicht immun", schrieb er auf Twitter. Sein Land kämpfe seit Jahren gemeinsam mit den USA gegen Extremismus. Vertreter aus Washington hätten Katar diesbezüglich Fortschritte bescheinigt.

 Russland bot unterdessen Hilfe bei der Vermittlung zwischen den Konfliktparteien an. Die größte Herausforderung sei der Kampf gegen den Terrorismus - deshalb bräuchten die arabischen Staaten Einigkeit, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Samstag in Moskau. Er beriet dort mit dem katarischen Außenminister Scheich Mohammed bin Abdulrahman bin Jassim al-Thani über die Lage. Moskau unterhalte Kontakte zu allen Seiten, sagte Lawrow nach Agenturberichten. Der Minister aus Katar betonte, sein Land setze auf eine diplomatische Lösung des Konflikts.

stu/haz (afp, dpa, rtr)