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Kultur

Gabriel mahnt Erfolge beim Artenschutz an

In Bonn hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel die 9. UN-Naturschutzkonferenz eröffnet. Dass sich die 191 Staaten wirklich auf konkrete Schritte einigen, gilt jedoch als unwahrscheinlich.

Sigmar Gabriel (Quelle: AP)

Nicht nur "riesige Mengen Papier" produzieren: Bundesumweltminister Sigmar Gabriel bei der UN-Konferenz zur Biologischen Vielfalt

Es war zwar nur eine Handvoll Demonstranten, die die vielen Tausend Delegierten vor dem Tagungshotel empfingen – ihre Forderungen aber waren zahlreich: Schützt den Urwald! Erhaltet die Vielfalt! Erst sterben die Arten, dann stirbt der Mensch!

Gabriel: Verantwortung wahrnehmen

Forderungen, die der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) allesamt unterschreiben würde – denn schließlich soll die zweiwöchige Konferenz ein Erfolg werden. Gabriel hatte zu Beginn den Tagungsvorsitz von Brasilien übernommen. In seiner auf Englisch gehaltenen Eröffnungsrede verwies der Minister am Montag (19.5.2008) auf die rasante Geschwindigkeit, mit der die Menschheit ihre natürlichen Reserven verbrauche. Den dramatischen Verlust der Vielfalt zu bremsen, das sei das vorrangige Ziel des Übereinkommens, dass 191 Staaten unterschrieben hätten. "Wir müssen auf unbequeme Fragen antworten", sagte Gabriel. "Sollen wir weiter riesige Mengen Papier produzieren mit bescheidenem Inhalt oder sollten wir damit beginnen, unsere Verantwortung ernst zu nehmen?"

Das könnte schwierig werden angesichts Dutzender Beschlussvorlagen mit vielen strittigen Passagen. Zwar geht es in Bonn um Naturschutz – aber vor allem um knallharte ökonomische Interessen. Papua-Neuguinea zum Beispiel nimmt mit dem Holzeinschlag mehrere Hundert Millionen Dollar pro Jahr ein. Wird das gestoppt, muss ein finanzieller Ausgleich her.

Greenpeace will konkrete Verpflichtungen

Konferenzbeobachter mit Laptop (Quelle: AP)

Mitglieder von Nicht-Regierungsorganisationen beobachten das Konferenzgeschehen

Angesichts der komplizierten Ausgangslage hofft Gabriel daher, dass am Ende der zwei Wochen zumindest ein klares Verhandlungsmandat für die kommenden zwei Jahre steht. Martin Kaiser von Greenpeace reicht das nicht. "Greenpeace hat im Vorfeld der Konferenz sehr deutlich gemacht, dass ohne rechtsverbindliche Beschlüsse, die dann tatsächlich auch die Industrie verantwortlich machen für das, was sie weltweit tut, die Konferenz gescheitert sein wird."

Greenpeace hofft, dass die Bundesregierung zwei Milliarden Euro für den weltweiten Schutz des Waldes bereitstellt – und damit anderen Industrieländern ein Beispiel gibt. Vorgestellt wird auf der Konferenz auch eine Studie über die wirtschaftlichen Folgen des Artensterbens. Demnach kostet der Verlust der Artenvielfalt rund zwei Billionen Euro jährlich – wobei die armen Länder am härtesten betroffen sind. Bei ihnen gehen Naturwerte verloren, die die Hälfte ihrer sowieso bescheidenen Wirtschaftskraft ausmachen. Die Menschheit verspielt ihre Zukunft – so warnte der deutsche Umweltminister zu Beginn der Konferenz.

Großer Applaus für Greenpeace-Kinder

Und weil es um die Zukunft der Kinder geht, durften zwei von über 500 "Greenpeace Kids of the Earth" vor den Delegierten sprechen. "Ergreifen sie jetzt konkrete Maßnahmen, um ihre eigenen Beschlüsse auch endlich umzusetzen. Schließlich haben wir mit dem zu leben, was sie auf dieser Konferenz entscheiden", sagte der 13-jährige Paul Lüdemann aus Deutschland. Die Konferenz war begeistert und applaudierte.

Ob das hilft, wenn es in die konkreten Verhandlungen geht, muss sich erst noch zeigen. Konferenz-Präsident Sigmar Gabriel jedenfalls hat versprochen, sein Bestes zu geben, damit Bonn ein Erfolg wird. Und dafür muss man vielleicht auch einmal über seinen Schatten springen. "Manchmal hilft es, sich in die Lage ihres Amtskollegen hinein zu versetzen", appellierte Gabriel an die Teilnehmer. "Lassen Sie uns versuchen, die Sicht des Anderen zu verstehen. Lassen Sie uns hart arbeiten, damit wir uns in der Mitte treffen können."

Spannend wird es in der kommenden Woche. Ab Mittwoch greifen dann die Fachminister in die Verhandlungen ein, eröffnet wird der entscheidende Konferenzteil von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Auch dann werden die Demonstranten wieder trommeln.

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