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Politik

G8 können China nicht mehr ignorieren

Beim Treffen der G8 in Schottland sitzt erstmals Chinas Staatspräsident Hu Jintao von Anfang an mit am Tisch. Die Teilnahme zeigt, wie sehr China die Weltwirtschaft inzwischen prägt.

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Höher, schneller, weiter - das scheint das Motto des modernen Chinas zu sein. Und mit der Einladung zur Teilnahme am G8-Gipfel an Staats- und Parteichef Hu Jintao ist China sehr weit und sehr hoch gekommen. Die Mitglieder des exklusiven Clubs erkennen an, dass sich die Probleme des 21. Jahrhunderts ohne China nicht lösen lassen.

Von seinen Wirtschaftsleistungen her steht China ohnehin ein Platz unter den ganz Großen zu. Dass die chinesische Wirtschaft auf der Weltbühne angekommen ist, zeigt nicht nur die Übernahme der Computersparte von IBM durch das chinesische Unternehmen Lenovo oder die derzeitige Übernahmeschlacht um den kalifornischen Ölkonzern Unocal, bei der China mit 18,5 Milliarden Dollar mitbietet. Auch die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Schon 2003 verfügte China über die sechsgrößte Volkswirtschaft der Welt - und sie ist seither weiter um rund 8,5 Prozent gewachsen. Als Handelsnation steht China sogar an Platz 4. Und in den letzten beiden Jahren flossen mehr ausländische Direktinvestitionen nach China als in jedes andere Land.

Durst nach Öl

Zugleich stieg China nach den USA zum zweitgrößten Rohölverbraucher der Erde auf. Der wachsende Energiehunger Chinas und die gestiegenen Ölpreise werden eines der zentralen Themen des G8-Gipfels sein - auch weil sich dieses Thema mit zwei anderen Themenbereichen des Gipfels überlappt: Hilfe für Afrika und Klimaschutz. Chinas Afrika-Politik ist deutlich stärker an der Sicherung von Erdöllieferungen orientiert als an regionaler Stabilität oder dem Schutz von Menschenrechten.

Das zeigt sich nirgends klarer als am Beispiel Sudan. Und China hat das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz ebenso wenig ratifiziert wie die USA. Kritik am wachsenden Ölverbrauch aber wird Hu Jintao gewiss zurückweisen. Mit Recht kann er fragen, warum die Chinesen beim Fahrrad bleiben sollen, während Amerikaner schwere Geländewagen fahren. Hier ist es an den entwickelten Staaten, mit gutem Beispiel voranzugehen. Sie müssen in sichere und saubere Energiequellen investieren. Und sie müssen den anderen Ressourcen-schonendes Wirtschaften vormachen.

Druck auf China

Unter Druck wird Hu Jintao in der Währungsfrage kommen. Speziell die USA fordern schon lange, den aus ihrer Sicht unterbewerteten Yuan aufzuwerten, damit Chinas Exporte teurer werden und das gigantische US-Handelsbilanzdefizit sinkt. Mehr als Floskeln, dass China ein marktorientiertes Wechselkursregime anstrebt, dies aber Zeit brauche, werden die G8 vermutlich nicht zu hören bekommen.

Bis vor wenigen Jahren hat China die G8 noch als "Verein der Reichen" beschimpft. Erst 2003 im französischen Evian beteiligte sich Peking an einem G8-Gipfel - allerdings nur an einer Randveranstaltung mit anderen Entwicklungsländern. Inzwischen versteht sich China offensichtlich nicht mehr als Sprecher der Entwicklungsländer. Und China setzt nicht mehr allein auf die Vereinten Nationen als internationales Forum - sie haben sich als zu schwach erwiesen, wohingegen die G8 Macht ausstrahlen.

China will mitspielen

China will dabei sein, wenn die Mächtigen der Welt entscheiden. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die G8 China offiziell die Aufnahme vorschlagen werden. Zwar ist Demokratie eine Voraussetzung für die G8-Mitgliedschaft. Die Demokratiedefizite des G8-Landes Russland aber zeigen, dass die Mitgliedsländer sich durchaus über eigene Regeln hinwegsetzen, wenn es ihren Interessen dient.