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Amerika

G20 und die Flucht vor Armut und Gewalt

Der weltweite Migrationsdruck ist enorm. Auch das war ein Thema beim Gipfel in Hamburg. In Lateinamerika dürfte die von US-Präsident Trump geplante Grenzmauer die humanitäre Krise auf dem Kontinent verschärfen.

Etwa 30 Millionen Lateinamerikaner leben nicht in dem Land, in dem sie geboren wurden. Diese Zahl stammt aus einer Studie der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL), einer Organisation der UNO, die sich mit wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen in der Region befasst. Prinzipiell gibt es, laut CEPAL, drei Hauptmigrationsströme in Lateinamerika: Die Hälfte aller Auswanderer gehen in die Vereinigten Staaten, ein Viertel entfällt auf den Rest der Welt, und das andere Viertel bleibt in der Region.

Während die lateinamerikanische Auswanderung innerhalb der Region und in den Rest der Welt im Großen und Ganzen in geordneten und legalen Bahnen verläuft, hat die illegale Einwanderung in die USA aus Mexiko und Mittelamerika in den letzten Jahrzehnten dramatische Ausmaße angenommen. 

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Tragödien an der Grenze zu Mexiko

"Die Situation der illegalen Einwanderung aus Mexiko und Zentralamerika in die USA ist schon seit Jahren kritisch. Mit der Mauer die Donald Trump bauen will, wird alles nur noch schlimmer", sagt Professor Bert Hoffmann, Leiter des GIGA-Instituts für Lateinamerika-Studien in Berlin gegenüber der DW. 

Für den Experten verbirgt sich hinter der Diskussion um die Mauer eine latente humanitäre Krise, die zumeist unbeachtet bleibt: "Die Bedingungen unter denen die Migranten aus den zentralamerikanischen Ländern durch Mexiko geschleust werden sind dramatisch. Hier werden grundlegende Menschrechte tagtäglich verletzt", so Hoffman

Katastrophale Fluchtbedingungen

Der wichtigste Auslöser für die Auswanderung aus Mittelamerika ist die Flucht vor Armut und Gewalt. "In fast allen Ländern Mittelamerikas leiden die Menschen unter der alltäglichen Gewalt. Sie geht von kriminellen Banden aus, aber auch von staatlichen Institutionen", sagt Hoffmann. Im nördlichen Länderdreieck Guatemala, Honduras und El Salvador sei die Situation am schlimmsten.

Bert Hoffmann (GIGA/Susanne Dupont)

Bert Hoffmann, GIGA-Institut für Lateinamerika-Studien

Auf dem langen Weg in die Vereinigten Staaten sind vor allem Frauen und Kinder sexuellen Übergriffen ausgesetzt. "Sie sind den Schleusern und auch gegenüber staatlicher Willkür vollkommen ausgeliefert", so Hoffmann. Die katastrophalen Bedingungen auf dem Weg in die Vereinigten Staaten halten die Menschen aber nicht davon ab, ihre Heimat zu verlassen.

Trotz unzähliger Wirtschaftsreformen bieten viele zentralamerikanische Regierungen ihren Bürgern keine Zukunftsperspektive. "Deswegen ist die Auswanderung nicht das Hauptproblem, sondern die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen in den Herkunftsländern", betont Bert Hoffmann.

Alternative Ziele

Die anderen beiden Migrationsströme sind weitaus weniger problematisch. Ein Viertel der lateinamerikanischen Auswanderer zieht es vor allem nach Europa und hier besonders nach Spanien, Italien und Portugal. Aufgrund der großen Entfernung, der hohen Kosten und geregelter Einreisebedingungen zwischen der EU und den lateinamerikanischen Ländern verläuft dieser Migrationsfluss in weitaus ruhigeren Bahnen.

Grenzzaun USA Mexiko (picture-alliance/dpa/A. Zepeda)

Grenzzaun zwischen den USA und Mexiko in Tijuana

Der dritte Migrationsstrom verläuft innerhalb der lateinamerikanischen Staaten. Er wird begünstigt durch die regionale Integration und den immer engeren Austausch zwischen den Ländern. In Argentinien mit seinen rund 44 Millionen Einwohnern leben 2 Millionen Einwanderer, zumeist aus Bolivien und Paraguay. In Ecuador wiederum (16 Millionen Einwohner) leben 20.000 Kolumbianer und 16.000 Peruaner. 

Kollateralschäden der Mauer

Die von US-Präsident Trump geplante Mauer an der Grenze zu Mexiko wird das eigentliche Problem nicht lösen, das der illegalen Einwanderung zugrunde liegt. Die Mauer wird, da ist sich der Experte Bert Hoffmann sicher, zu einem erhöhten Druck auf Mexiko und andere Länder in Zentralamerika führen.    

"Die verhärtete Einwanderungspolitik Donald Trumps wird natürlich zuerst Mexiko treffen aber auch die Länder Zentralamerikas. Wenn der Weg in die USA einmal versperrt ist, wird der Migrationsdruck auf Mexiko steigen", sagt Hoffmann und ergänzt: "Die Migranten werden zuerst versuchen, in Mexiko zu bleiben und dann auf andere Länder der Region ausweichen".

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