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Afrika

G20-Abschlusserklärung: Was bleibt für Afrika?

Angela Merkel verbucht den G20-Gipfel als politischen Erfolg. Auch mit den Beschlüssen zur Armutsbekämpfung in Afrika zeigt sie sich zufrieden. Doch was halten die Afrikaner selbst von den Ergebnissen?

G20 Angela Merkel Jacob Zuma (Getty Images/AFP/O.Andersen)

Jacob Zuma und Angela Merkel in Hamburg

Afrika sollte das große Thema des G20-Treffens in Hamburg werden. Doch in der Abschlusserklärung geht es vor allem um Klimaschutz und freien Welthandel. Erst kurz vor dem offiziellen Ende des Treffens landete Afrika auf der Agenda. Donald Trump gab den Krisenhelfer und versprach 639 Millionen US-Dollar für den Kampf gegen den Hunger in Nigeria, Somalia, Jemen und Südsudan. Angela Merkel schloss das Treffen mit einer klaren Absage an die "klassische Entwicklungshilfe".

Mit dem "Compact with Africa" sollen die Volkswirtschaften afrikanischer Staaten stattdessen durch mehr private Investitionen gestärkt werden. Der Fokus soll dabei auf Bildung, Forschung, Gesundheit und Infrastrukturprojekten liegen. Vor allem soll in die wirtschaftliche Selbständigkeit junger Frauen investiert werden.

Wer darf mitreden?

Doch diese Angebote gelten nicht für alle. Vorerst sind nur Äthiopien, die Elfenbeinküste, Ghana, Marokko, Ruanda, Senegal und Tunesien als Partner vorgesehen. "Grundsätzlich ist die Idee von Partnerschaften mit Afrika eine gute Idee", sagt die Grünenpolitikerin Pierrette Herzberger-Fofana, die selbst aus dem Senegal stammt: "Aber nach welchen Kriterien wollen sie denn auswählen, welche Länder sogenannte Reformmeister sind?" 

Deutschland, G20, Afrika (picture-alliance/M.Sohn)

Steht Afrika am Ende alleine da? Der AU-Vorsitzende Alpha Conde in Hamburg

Südafrika ist als einziger afrikanischer Staat in der Gruppe der 20 führenden Industrienationen und Schwellenländern vertreten. Zu Gast in Hamburg waren außerdem der senegalesische Präsident Macky Sall als Vertreter der "Neuen Partnerschaft für die Entwicklung Afrikas" (NEPAD), der Nigerianer Akinwumi Adesina, Chef der Afrikanischen Entwicklungsbank, sowie der neue Vorsitzende der Weltgesundheitsorganisation, der Äthiopier Tedros Adhanom.

Guineas Präsident Alpha Condé war als amtierender Präsident der Afrikanischen Union vertreten. Er zeigt sich zufrieden: "Ein Ergebnis der G20 ist der Konsens, dass man Afrikanern zuhören muss, dass man nicht an ihrer Stelle Entscheidungen trifft, sondern gemeinsam besprechen muss, was sie wirklich brauchen", so Condé gegenüber der ARD. Afrika brauche dringend Investitionen in den Energiesektor und die Infrastruktur: "Wir müssen den Aufschwung finanzieren und wenn die Privatwirtschaft uns helfen kann - warum nicht? Jetzt liegt es an uns, darauf zu pochen, dass diese Versprechen auch eingehalten werden. Aber wenn ich den französischen Präsidenten oder die deutsche Kanzlerin höre, dann bin ich sehr optimistisch."

"Kein ernsthaftes Interesse an Afrika"

Ugandas stellvertretender Außenminister Henry Okello Oryem ist weniger zuversichtlich: "Der G20-Gipfel in Hamburg hat bei den Teilnehmern nicht viel Interesse an Afrika geweckt." Die Staaten seien viel mehr an ihren eigenen Problemen und Konflikten wie dem in Syrien interessiert, als an den Nöten auf dem afrikanischen Kontinent.

Deutschland G20 Afrika Treffen (picture-alliance/dpa/M. Kappeler)

Im Juni richtete Deutschland eine G20-Afrika-Konferenz in Berlin aus

Afrikas Entwicklung hänge nicht alleine von Investitionen ab, sondern auch von der gemeinschaftlichen Bekämpfung von Entwicklungshindernissen, schreibt Nigerias Vizepräsident Yemi Osinbajo in einem Kommentar für die französische Zeitung "Le Monde": "Wenn die europäischen Länder wirklich daran interessiert sind, Afrika dabei zu helfen, sich zu entwickeln, dann müssen sie die afrikanischen Regierungen dabei unterstützen, Korruption zu bekämpfen." Zurzeit würden alle Bemühungen von afrikanischer Seite, nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung zu erzielen, durch legale und illegale Geldabflüsse vor allem in die Länder der G20 im Keim erstickt, so Osinbajo.

"Afrikas Probleme können nicht in Hamburg, Washington oder Shanghai gelöst werden sondern nur von afrikanischen Führern selbst", sagt hingegen der tansanische Politikjournalist Jenerali Ulimwengu.

Geteilte Meinungen auf Facebook

Auf der Facebook-Seiten des Kisuaheli-Programms der DW gehen die Meinungen auseinander: "Für afrikanische Staaten ist es eine große Chance, dass europäische Länder in Afrika investieren wollen, um unsere Wirtschaft voranzutreiben. Aber diese Investitionen sollten individuell auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten werden und uns nicht ärmer machen, als wir jetzt schon sind", kommentiert Padri Moshi. Pius Dankala schreibt: "Herzlichen Glückwunsch und großen Dank an Angela Merkel für ihr Interesse an Afrika und ihren Kampf gegen die Probleme auf dem Kontinent. Ich hoffe wirklich, dass die versprochenen Investitionen unsere Produktion und das Einkommen in den afrikanischen Ländern steigern werden."

Lucas Mnubi hingegen glaubt: "Das Ganze ist doch nur eine Plattform für reiche Länder, um zu tratschen und sich über die Armen lustig zu machen, die mit ihren leeren Reisschalen kommen und um Hilfe betteln."

Mitarbeit: Mohammed Abdul-Rahman

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