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Wissen & Umwelt

Gütesiegel für den Wald

Wälder sind die Lunge der Welt. Sie produzieren Sauerstoff und speichern CO2. Sie bieten unzähligen Arten Lebensraum und ernähren den Menschen. Zum Schutz vor Raubbau und für nachhaltige Nutzung gibt es ein Zertifikat.

Billig und nachhaltig zugleich. Kann das funktionieren? Ikea zum Beispiel führt das FSC-Siegel für nachhaltige Waldwirtschaft. Und doch steht das schwedische Möbelhaus in der Kritik - wegen des Kahlschlags in russischen Wäldern. Darunter sollen auch Urwaldflächen gewesen sein. Die Kritik trifft auch Hans-Joachim Droste, beim Forest Stewardship Council (FSC) zuständig für die Entwicklung der FSC-Richtlinien. "Wir wissen um unsere Schwächen, arbeiten aber an Methoden, die Kontrollen zu verbessern", verspricht der Forstwirtschaftler.

Produkte mit Gütesiegel für nachhaltige Holzwirtschaft (Foto: FSC).

Produkte mit Gütesiegel für nachhaltige Forstwirtschaft

Mithilfe von hochauflösenden Satellitenbildern, die das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zur Verfügung stellt, werden in einer Testphase schon solche Winkel der Wälder ausgeleuchtet, zu denen die Waldbesitzer den FSC-Kontrolleuren nur ungern Zugang gewähren.

Der weltweite Handel mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz ist ein Riesengeschäft. Um so mehr wird illegal gerodet: Ein Kriterium, um in den Besitz des Siegels zu kommen, ist, dass mindestens zehn Prozent der Fläche ungenutzt bleiben müssen. "Oft bekommen unsere Kontrolleure in Russland oder in den Tropen aber zu hören, das sei zu weit weg, um dorthin zu gelangen." Mit der neuesten Technik sollen mögliche Straßen in entlegene Gebiete oder illegale Abholzungen dokumentiert werden.

Forensik bei der Holzart-Identifikation

Die Organisation FSC International, mit Sitz in Bonn, betreibt das weltweit gültige FSC- Label, mit dem Firmen für die Umweltfreundlichkeit ihrer Holzprodukte bürgen. Schwarze Schafe, die den Kunden suggerieren wollen, dass deren zertifizierten Produkte aus "verantwortungsvoller Waldbewirtschaftung" stammen - die stattdessen aber Papier und Holzwaren aus Regenwald-Rodungen herstellen - sollen es künftig schwer haben.

Deutschland Hans-Joachim Droste, Forstwissenschaftler beim FSC (Foto: Karin Jäger).

Hans-Joachim Droste: "Wir müssen Kritik ernst nehmen"

"Bei Papier, in Büchern, wo die Holzart nicht mehr sichtbar ist, gibt es Verfahren, um die Holzfasern mikroskopisch oder sogar über eine Isotopenanalyse zu ermitteln.", sagt Droste. So greifen die FSC-Kontrolleure auch schon mal in Bücherregale, um die mögliche Verwertung von Tropenhölzern nachzuweisen.

Trotz internationaler Wald-Konventionen und der UN-Walddeklaration, die 1992 in Rio verabschiedet wurde und Grundsätze zur Erhaltung und nachhaltigen Entwicklung der Wälder postulierte, geht der Raubbau unvermindert weiter. Daran hat auch die Gründung der Waldschutzorganisation Forest Stewardship Council (FSC) 1993 nichts ändern können. Das Holz wird zu Möbeln, Papier, Zellstoff verarbeitet oder verheizt. Die Agrarwirtschaft beansprucht den Platz zur Beweidung und um schnellwachsende Rohstoffe, wie Palmöl und Mais, dort anzubauen. Oder Städte und Industrieflächen entstehen auf dem Areal.

Ein Drittel der ursprünglichen Waldfläche Asiens wurde dem Erdboden gleich gemacht. Die Folge sind Erosionen, weil die Wurzeln der Bäume als Anker im Boden nicht mehr wirken, oder Überschwemmungen. Allein in Brasilien wurde in den letzten 40 Jahren die Fläche der doppelten Größe Frankreichs abgeholzt, ohne dass Wälder an anderen Stellen aufgeforstet wurden.

Alexander Bonde installiert ein FSC-Waldschild am Waldeingang. Gund: seit Mai 2014 ist der Staatswald des Landes FSC-zertifiziert (Foto: FSC).

Werbung für zertifizierten Wald

Schutz und Nutzen im Blick

Seit der Gründung des FSC wurden 179 Millionen Hektar weltweit in 80 Ländern nach den FSC-Regeln zertifiziert. Das entspricht allerdings nur einem Bruchteil des gesamten Holzvorkommens von vier Milliarden Hektar Wald. Und jedes Jahr werden13 Millionen Hektar vernichtet - umgerechnet 35 Fußballfelder pro Minute. Gleichzeitig nimmt auch die ökologische Qualität der Wälder ab. Tatsachen, die auch Hans-Joachim Droste beschäftigen: "Natürlich ist das Ergebnis unbefriedigend, weil der Holzhandel in der Welt von Holz dominiert wird, dass illegal geschlagen und gehandelt wird." Das Holz aus illegalem Einschlag drückt die Preise - ein weiteres Problem, so der FSC-Forstwirt. Auch seien Waldbauern, die nachhaltige Waldwirtschaft betreiben, oft der Ansicht, es sei nicht notwendig, dies anhand eines unabhängigen Zertifikates zu kommunizieren.

Unterschiedliche Interessensvertreter eingebunden

Das FSC-Netzwerk besteht aus führenden Umweltverbänden, Unternehmern aus der Holz- und Forstwirtschaft, Gewerkschaften, Vertretern der Zivilgesellschaft, indigene Völker - alle Gruppen haben das gleiche Stimmrecht. "Es ist uns wichtig, aufzuzeigen, dass der Wald mehr ist als die Holzprodukte, die man ernten kann", argumentiert Droste.

Und so kann man - außer an dem FSC-Siegel - kaum erkennen, woher der Rohstoff kommt. Holz mit FSC-Zertifikat muss aus Anbaugebieten stammen, in denen die Rechte der Indigenen Völker als mögliche Bewohner, geschützt werden. Auch muss gewährleistet sein, dass mindestens zehn Prozent der Flächen zum Erhalt der Biodiversität unberührt sind.

Natürliche Regeneration des Waldes angestrebt

Im Idealfall verjüngt sich der Wald vor allem von selbst. Absterbende und morsche Stämme sollten nicht gefällt werden, Äste und Kronen der geschlagenen Bäume müssen im Wald verbleiben, um Pflanzen- und Tierarten und Pilze zu beherbergen. Waldarbeiter müssen geschult und geschützt werden - und faire Löhne bekommen. Gleichzeitig muss sich der Wald für den Besitzer rentieren. Und nur so viele Bäume werden entnommen, wie auch wieder nachwachsen, so die FSC-Regeln.

Der FSC hat zehn Prinzipien und 56 Kriterien aufgestellt, die für alle Wälder weltweit gelten. Auch Baumärkte vertreiben Holz aus nachhaltigem Anbau. Der Heimwerker kann es am FSC-Siegel erkennen.

Audio und Video zum Thema