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Kultur

Gütesiegel für Au-Pair-Agenturen geplant

Mehr als 100 deutsche Au-Pair-Agenturen haben sich erstmals darauf geeinigt, ihre Dienstleistungen einheitlichen Qualitätsstandards zu unterwerfen. Damit soll dem Missbrauch der Kampf angesagt werden.

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Au-Pairs sind mehr als billige Arbeitskräfte

Zwei Entwicklungen der vergangenen Jahre waren ausschlaggebend, sagt Ilona Schlegel vom Verein "Gütegemeinschaft Au-Pairs", jetzt einheitliche Standards für die Arbeit von Au-Pair-Agenturen zu entwickeln.

Zum einen seien die Ansprüche an einen Au-Pair-Aufenthalt in Deutschland insgesamt gestiegen. Mehr als 30.000 Au-Pair-Mädchen kommen jedes Jahr hierher - die meisten von ihnen aus Russland, der Ukraine, aus Usbekistan, Kasachstan - sogar aus der Mongolei. Nicht selten müssen sich Familien verschulden, um ihrer Tochter ein Au-Pair-Jahr in Deutschland zu ermöglichen.

Zum anderen besteht seit zwei Jahren nicht mehr die Pflicht, bei der Anwerbung von Personal aus so genannten visa-pflichtigen Ländern Agenturen einzuschalten. Jeder bekam damit die Möglichkeit, auf eigene Faust Arbeitskräfte von überall her anzuwerben.

Die Folge war ein unüberschaubarer Markt und leichtes Spiel für unseriöse Agenturen, sagt Ilona Schlegel: "Internetgalerien, die gleichzeitig Heiratsvermittlung und auf der anderen Seite Au-Pair machen - da blüht ein mindestens grauer Markt. Der konkrete Auslöser war der Selbstmord eines Au-Pair Ende 2002. Sie wurde von ihrer so genannten Gastfamilie auch körperlich misshandelt. Da sie hier keine Agentur und keinen Ansprechpartner in Deutschland hatte, hat sie sich im Heizungskeller erhängt."

Hotline geplant

Kein Anschluß unter dieser Nummer

Für Au-Pair-Mädchen in Not wollen die Au-Pair-Agenturen in Zukunft eine Telefon-Hotline einrichten, in der Au-Pairs nicht nur rund um die Uhr Ansprechpartner finden, sondern über die auch sofort konkrete Hilfe vermittelt werden kann. "Damit ist ein entscheidender Prozess in Gang gesetzt worden, um junge Au-Pairs in Zukunft wirksam vor Ausbeutung und Missbrauch zu schützen. Wesentlich ist, dass mit den neuen Standards die Rechte und Pflichten der Gasteltern und der Au-Pairs erstmals klar und auch detailliert geregelt werden," erklärt Christel Riemann-Hanewinckel vom Bundesfamilienministerium.

Mindest-Standards

Wer sich als AuPair von einer zertifizierten Agentur vermitteln lässt, soll zum Beispiel sicher gehen können, dass die Gasteltern ein mindestens acht Quadratmeter großes Zimmer bereithalten. Dass die Arbeitszeit 30 Wochenstunden nicht überschreitet und dass es monatlich 260 Euro Taschengeld gibt - auch bei Krankheit. Die Krankenversicherung zahlen auch die Gasteltern, ebenso Unfall- und Haftpflichtversicherung. Im Gegenzug sollen die Au-Pairs nachweisen, dass sie bereits praktische Erfahrung im Umgang mit Kindern haben und ausreichend deutsch sprechen.

Agenturen, die das Gütesiegel tragen wollen, verpflichten sich außerdem, Au-Pairs und Gastfamilien intensiv auf das gemeinsame Jahr vorzubereiten. Sofort nach der Einreise nach Deutschland, so Christoph Hambloch von der "Gütegemeinschaft Au-Pairs", soll dann ein unabhängiges Institut überprüfen, "ob das Zimmer den Ankündigungen entspricht, ob das Taschengeld rechtzeitig und in richtiger Höhe gezahlt wird, die Anmeldung zur Sprachschule erfolgt, die Fahrten dorthin finanziert werden, die Arbeitszeiten eingehalten werden, die Kranken-, Haftpflicht- und
Unfallversicherung abgeschlossen wurde".

Vorbildwirkung erhofft

Au Pair Mädchen mit Kind auf dem Kettenkarussell Rummelplatz

Wenn's doch immer so amüsant wäre

Bis zum Sommer 2005 sollen die ersten Kontrollen abgeschlossen sein - und das Gütesiegel "AuPair" an die ersten Agenturen verliehen werden. Sollten sich weitere Vermittler anschließen, wolle man das Verfahren auch auf Vermittlungen aus Deutschland ins Ausland ausweiten, hofft der Verein.

Andere europäische Länder, darunter Polen und Österreich, haben bereits angekündigt, ähnliche Zertifizierungsverfahren für eine qualifizierte Au-Pair-Vermittlung zu entwickeln.

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