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Kultur

Günter Grass lässt die SPD nicht im Stich

Unter bestimmten Voraussetzungen wolle er wieder in die Partei eintreten. Das sagte der 81-jährige Literaturnobelpreisträger bei einer Ausstellungseröffnung in Berlin. Neu ist Günter Grass' politisches Engagement nicht.

Günter Grass bei der Ausstellungseröffnung in Berlin (Foto: AP)

Erst reden, dann Bücher signieren - Günter Grass bei der Ausstellungseröffnung in Berlin

Literaturnobelpreisträger Günter Grass ist ein streitbarer Geist und ein kritischer Bürger: Wie kaum ein anderer deutscher Schriftsteller hat sich Günter Grass in den vergangenen rund 50 Jahren für die Rechte von Minderheiten, für soziale Gerechtigkeit und Demokratie engagiert. Erstmals im Jahr 1965 unterstützte der Literat den von ihm bewunderten SPD-Politiker Willy Brandt im Wahlkampf.

Der Hahn mit rotem Kamm

Legendär wurde sein Engagement für die Bundestagswahl 1969, bei der er rund 150 Wählerinitiativen gründete und mehr als 100 Reden auf Wahlveranstaltungen für Willy Brandt hielt. Unter Bezugnahme auf das Wahlkampfmotto "Bürger für Brandt", das Günter Grass 1972 konzipiert hatte, zeigt jetzt eine Ausstellung in der Parteizentrale des Willy-Brandt-Hauses in Berlin Fotos, Filme mit Zeitzeugenberichten und Dokumente von Reden und Pamphleten sowie von Grass gestaltete Plakate - berühmt ist der Hahn mit rotem Kamm, der S-P-D kräht.

Günter Grass während der Ausstellungseröffnung in Berlin (Foto: AP)

Mit seinem Engagement half Günter Grass, die Bundesrepublik aus dem Muff der Adenauer- und Ehrhard-Zeit zu befreien. Seine Wahlkampfreden, mit denen er bereits 1965 überall in Deutschland für die SPD und ihren Kandidaten Willy Brandt warb, waren geprägt durch ein bis dahin unbekanntes, aufreizend-intellektuelles Selbstverständnis. "Ich schraubte das Tintenfass zu, verließ mein Stehpult und ergriff Partei" beschreibt Grass selbst seine Entwicklung zum homo politicus. Er nennt sich selbst "Querulant, Intellektueller und Pinscher", er sei kein Fachmann sondern einer, der "demokratische Geschichten" erzähle und - in Anlehnung an den amerikanischen Dichter Walt Whitman - das Lied der Demokratie singe. Damit eckt er jedoch durchaus auch an.

So wucherte, was langsam wachsen sollte

Erst 1982 tritt Grass selber in die SPD ein, die er jedoch gut 10 Jahre später aus Protest gegen die sozialdemokratische Asylpolitik wieder verlässt. Den Jubel über die untergehende DDR 1989 teilt er durchaus, doch mit Texten wie "Kurze Rede eines vaterlandslosen Gesellen" vom Februar 1990 oder "Ein Schnäppchen namens DDR. Letzte Reden vor dem Glockengeläut" übt er auch Kritik am Ablauf der deutschen Wiedervereinigung.

Bei der Eröffnung der Ausstellung am 6. April im Willy-Brandt-Haus wollte Günter Grass sein politisches Engagement allerdings nicht museal entsorgen. Er stellte klar, dass er - wie schon vor 40 Jahren - erneut die SPD und vor allem Frank-Walter Steinmeier im Wahlkampf 2009 unterstützen wolle.

Wahlkämpfer für Frank-Walter Steinmeier

"Damals habe ich auf 100 Veranstaltungen gesprochen und war wesentlich jünger, diesmal werde ich auf fünf bis sieben Veranstaltungen sprechen und ich werde in erster Linie in Ostdeutschland dabei sein", betonte der 81-jährige Nobelpreisträger. Er werde eigene Reden schreiben und aus seinem Werk lesen. Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier begrüßte die Unterstützung des Schriftstellers. In diesen Krisenzeiten dürften Politiker nicht sich selbst überlassen bleiben, sondern müssten sich des Rückhalts bei Künstlern und Schriftstellern versichern, sagte er und betonte: "Grass hören und SPD wählen ist eine gute Verbindung - ich hätte nichts dagegen, wenn sich Geschichte wiederholt." Mit der Ausstellungseröffnung im Willy-Brandt-Haus hat für die SPD der Wahlkampf 2009 offiziell begonnen. Vielleicht ja auch bald mit einem Neu- und Wieder-Parteimitglied Günter Grass. Wenn die Asylpolitik der SPD wieder in Ordnung gebracht werde, dann trete er wieder ein, so Grass.

Autorin: Sigrid Hoff

Redaktion: Marcus Bösch

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