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Kultur

Günter Grass kann seinen Literaturnobelpreis behalten

Die Debatte um das israelkritische Gedicht von Günter Grass reißt nicht ab. Das Nobel-Komitee sieht keinen Anlass, dem 84-Jährigen den Literaturnobelpreis abzuerkennen.

Der Sekretär der Schwedischen Akademie, die die Nobelpreise vergibt, Peter Englund, erklärte in Stockholm, Grass habe den Nobelpreis für Literatur 1999 aufgrund literarischer Verdienste, und ausschließlich aufgrund literarischer Verdienste, erhalten - was, nebenbei gesagt, für alle Preisträger gelte. Die Schwedische Akademie sehe heute wie zukünftig keinen Anlass für eine Diskussion, Grass diesen Preis in irgendeiner Weise streitig zu machen.

Aufruf israelischer Schriftsteller

Die Akademie reagierte damit auf einen Appell des Verbandes hebräischsprachiger Schriftsteller in Israel an die internationale Schriftstellervereinigung PEN sowie an das Nobelpreiskomitee, zu Grass und dessen Gedicht Stellung zu nehmen. Zugleich rief der Verband Autoren in aller Welt dazu auf, sich klar von Günter Grass zu distanzieren.

In dem Text mit dem Titel "Was gesagt werden muss" hatte Grass geschrieben, die Atommacht Israel bedrohe den Weltfrieden und könne das iranische Volk mit einem Erstschlag auslöschen. Der Autor hatte damit in Deutschland und international eine Welle der Kritik ausgelöst. Die Regierung in Israel belegte den 84-Jährigen mit einem Einreiseverbot.

Verständnis für Einreiseverbot

Verständnis für diesen Schritt äußerte Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel. Der "Leipziger Volkszeitung" sagte der FDP-Politiker mit Blick auf die Mitgliedschaft des Schriftstellers in der Waffen-SS in seiner Jugend: "Israel hat jedes Recht der Welt, ehemalige SS-Leute nicht ins eigene Land zu lassen."

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse warnte davor, Grass zum Antisemiten zu erklären. Im Deutschlandfunk sagte der SPD-Politiker, anderenfalls werde "ein gefährliches falsches Vorurteil" bestätigt, "nämlich dass Kritik an Israel und seiner Politik ganz schnell des Antisemitismus verdächtig ist".

Grass selbst will sich derzeit zu der Diskussion nicht äußern, wie sein Sekretariat der Deutschen Presseagentur mitteilte.

wl/gri (dpa,afp)