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Kultur

Günter Grass feiert seine Blechtrommel

Nach ihrer Veröffentlichung sorgte die „Blechtrommel“ direkt für Gesprächsstoff auf der Frankfurter Buchmesse – fünfzig Jahre später, meldete sich ihr Verfasser am selben Ort geräuschvoll zurück. Eine Grass-Performance.

Lesungs-Performance des Schriftsteller Günter Grass (Foto: dpa)

Ziemlich missmutig war ich zum großen Kino-Saal auf dem Buchmessengelände getrottet. Was war von dieser Ankündigung schon zu erwarten? Ein achtzig Jahre alter, zugegeben weltberühmter, Bestseller-Autor war angekündigt. Freilich nicht mit einem neuen fulminanten Werk. Günter Grass wollte seinen eigenen Erstling, "Die Blechtrommel", und damit sich selbst noch einmal hoch leben lassen. Eine Lesung also, sicher vom Pult aus. Und bestimmt eingerahmt von festlichen Begrüßungsreden. Das Übliche eben.

Und Tusch!

Lesungs-Performance des Schriftsteller Günter Grass (Foto: dpa)

Da geht's ab bei den Günters!

Beim Anblick des riesigen Schlagwerks mit Gongs und Trommeln aller Größen links auf der Bühne keimte indes Hoffnung auf. Vielleicht doch nicht das übliche? Auftritt Günter Grass. Im Gefolge noch ein Günter, der international bekannte Jazzmusiker und Perkussionist Günter "Baby" Sommer. Niemand flocht dem Nobelpreisträger rhetorische Kränze. Keine Vorreden. Tusch und Trommelwirbel! Grass liest. Sommer begleitet. Eine literarisch-musikalische Performance!

Im Rausch

Eine ganze Stunde lang zeigt der 82-jährige Schriftsteller ein erstaunliches Durchhaltevermögen, liest - etwas verschnupft, aber ausdrucksstark und makellos - Passagen aus seinem Buch, fügt noch einen herrlich komischen Text aus "Mein Jahrhundert" an, in dem er an das Jahr 1959 erinnert: Damals war die "Blechtrommel" die Sensation auf der Frankfurter Buchmesse, ein Rausch geradezu, begleitet von Gerede, Geraune und entfesselten Tänzen des Ehepaares Grass.

Lesungs-Performance des Schriftsteller Günter Grass (Foto: dpa)

Kräftig trommeln zum Buch-Geburtstag

Die beiden Günter auf der Bühne sind alte Freunde. Sie sind schon oft gemeinsam aufgetreten. Sie harmonieren perfekt. Das Schlagzeug liefert musikalische Illustrationen zu den Texten. Wenn Günter "Baby" mal die Führung übernimmt, wippt Grass mit dem Fuß, schwenkt sein Manuskript, schaut freundlich und etwas eulenhaft über seinen Brillenrand auf den Perkussionisten.

Große Kunst! Phantastische Präsenz! Und ein Highlight der Buchmesse, das ich, glücklicherweise, nicht verpasst habe. Einmal unten klicken und Sie hören es selbst!

Autorin: Cornelia Rabitz
Redaktion: Marlies Schaum

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