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Deutschland

Günstige Wohnung verzweifelt gesucht

Gerade für Berufseinsteiger und Studenten sind die Mieten in deutschen Großstädten kaum bezahlbar. Sie müssen sich oft entscheiden, ob sie entweder zentral wohnen wollen oder mehr Geld im Portemonnaie haben möchten.

Anne Harms erinnert sich noch genau an diesen Sommerabend vor zwei Jahren: Das erste Mal seit Langem konnte sie sich wieder einen Cocktail gönnen - ganz ohne schlechtes Gewissen. Das fühlte sich gut an. Und da wusste sie, dass sie und ihr Mann Hendrik die richtige Entscheidung getroffen hatten. Das junge Paar hatte nämlich gerade die Wahlheimat Hamburg schweren Herzens verlassen und war nach Lüneburg gezogen, in eine 70.000-Einwohner-Stadt, gut 50 Kilometer südöstlich der Millionenmetropole. Weg wollten sie beide nicht, aber sie hatten kaum eine Alternative: Die Mieten in Hamburg waren einfach zu hoch.

Anne Harms - Foto: privat

Neu-Lüneburgerin Harms: Glücklich mit dem Wohnortwechsel

Rund 1000 Euro mussten sie für ihre 70 Quadratmeter große Zweizimmerwohnung im Hamburger Westen bezahlen. Als sie den Vertrag für die teure Bleibe unterschrieben hatten, war Anne Harms gerade in den letzten Zügen ihres Studiums und ihr Mann hatte seinen ersten Job nach der Uni angenommen. Sie hätten gerne etwas Günstigeres gehabt. "Wir haben geguckt, aber es gab einfach nichts. Nichts, das annähernd gut gewesen wäre", erzählt Harms.

Die Wohnung im Hamburger Stadtteil Altona war teuer, dafür aber modern und schick. Entsprechende Appartements in beliebter Wohnlage sind in der Regel schwer zu finden. Doch schon kurz nach dem Einzug bekam das Paar die Folgen der hohen Miete zu spüren. "Restaurantbesuche waren nicht mehr drin. Bei Partys oder großen Geschenken, wenn man mal zu Hochzeiten eingeladen war, musste vorher schon geplant werden, wie wir das finanziell machen," erinnert sich Anne Harms.

Die sozialen Kontakte leiden

Dann konnte Hendrik Harms eine neue Stelle in Lüneburg antreten und Anne - mittlerweile fertig mit dem Studium - bekam ein Jobangebot an der dortigen Universität. Sollten sie aus Hamburg wegziehen oder lieber täglich pendeln? Erst einmal schauten sie sich Lüneburg an. Und waren schnell begeistert: "Die Wohn- und Lebensqualität ist hier auch sehr gut", sagt Anne Harms.

Lüneburgs altes Hafenviertel - Foto: Philipp Schulze (dpa)

Historisches Zentrum von Lüneburg: Preiswerter Wohnraum, gute Lebensqualität

Das junge Paar kündigte die Stadtwohnung in Hamburg und zog 2011 zur Miete in ein Reihenhaus mit Garten und vier Zimmern in Lüneburg. Obwohl sie seitdem mehr Platz und ein bisschen Grün vor dem Haus haben, zahlen sie weniger Miete als für ihre kleinere Wohnung in Hamburg-Altona. Vor etwa einem Jahr sind die Eltern geworden und auch deshalb glücklich mit ihrer Entscheidung. Auch wenn der Umzug nicht nur Vorteile brachte: Der alte Freundeskreis war auf einmal weit weg, jenseits der Elbe. "Die sozialen Kontakte leiden auch ein bisschen, seitdem wir in Lüneburg sind. Aber das nehmen wir in Kauf", sagt Harms und fügt hinzu: "Immer wenn wir in Hamburg sind und Freunde besuchen, fehlt uns das schon. Unsere erste Wahl wäre nach wie vor Hamburg. Aber wir sehen einfach, dass das als junge Familie nicht geht."

Die Familie Harms hat Hamburg den Rücken gekehrt, weil die Miete zu hoch war. Ihre Geschichte ist keine Seltenheit in deutschen Metropolregionen. Fabiola Arellano wohnt in München, einer der teuersten Städte Deutschlands. Die Peruanerin hatte als Studentin kaum Geld zur Verfügung, aber doch immer wieder ungewöhnliche Wege gefunden, um nicht aus der Stadt ziehen zu müssen.

Auch in München kann man Glück haben

Wenn Fabiola Arellano von ihrer ersten Bleibe in München erzählt, muss sie lachen: "Also damals habe ich 400 Euro bezahlt, aber man musste sich dafür ein Zimmer zu zweit teilen." Das war 2006 in einem Studentenwohnheim. Für Arellano war das eine Zumutung. Aber da sie sich nicht die Provision für einen Makler leisten konnte, blieb ihr erst einmal nichts anderes übrig, als zu bleiben.

Blick auf München - Foto Diether Endlicher (AP)

Bayerische Metropole München: Eine der teuersten Städte Deutschlands

Ein Jahr später dann wurde sie auf eine Aktion namens "Studienraum für Hilfe" aufmerksam. Die Idee: Wer Platz zu viel hat, gibt einem Studenten für kleines Geld ein Dach über dem Kopf. Dieser hilft dann im Gegenzug dafür im Haushalt. Fabiola Arellano fand die Idee gut und machte mit. Sie wurde einer älteren Frau zugeteilt. "In meinem Fall war es ganz cool - eigentlich! Das war in Bogenhausen, was ein sehr reiches und schönes Viertel ist. Und da hatte ich fast eine eigene Wohnung", erzählt sie. Doch die neue Bleibe hatte einen Haken: "Das Problem war, dass diese Wohnung über einen Flur direkt verbunden war mit der Wohnung der älteren Frau, der die Wohnung gehörte. Und die Frau fand mich wohl so toll, dass sie dauernd zu mir gekommen ist. Sie hat dauernd gefragt, ob wir spazieren gehen können. Aber das war so eigentlich nicht abgemacht." Auch wenn sie die Frau gut leiden konnte, schaute sie sich bald nach einer neuen Bleibe um.

Heute ist Fabiola Arellano mit dem Studium fertig und promoviert. Jetzt hat sie endlich auch eine eigene Wohnung, mit der sie für Münchener Verhältnisse Glück gehabt hat: 500 Euro Kaltmiete mit 40 Quadratmetern. Freunde von ihr hatten bei der Wohnungssuche weniger Erfolg. Ein befreundetes Pärchen, beide promoviert, mussten - ähnlich wie Anne Harms und ihr Mann - an den Stadtrand ziehen: "Sie wollten natürlich in der Stadt wohnen, aber dann haben sie gemerkt, sie bekommen nichts."

Günstige Bleibe dank Wohngenossenschaft

Denis Newiak - Foto: privat

Genossenschaftsmieter Newiak: "Glück gehabt"

Noch mehr Glück als Arellano hatte der 24-jährige Denis Newiak in der Universitätsstadt Potsdam bei Berlin: "Das war ein Mittelding zwischen schwer und Zufall", beschreibt der Filmwissenschaftsstudent seine Wohnungssuche. Für sein Appartement von 30 Quadratmeter zahlt er 270 Euro warm, deutlich weniger als der Regelfall, sagt er. Seine Wohnung gehört einer Wohnungsgenossenschaft. Interessenten müssen dort zunächst Mitglied werden, bevor sie einziehen dürfen. Dafür sind die Mieten dann vergleichsweise niedrig.

Newiak hofft, dass der Staat zukünftig mehr in Sachen Wohnraumförderung unternimmt, indem er genossenschaftliche Projekte fördert. Auch Anne Harms ist der Meinung, dass der Staat mehr machen müsse, um das Wohnen in Großstädten wieder bezahlbarer zu machen. Doch auch wenn der Wunsch auf Rückkehr nach Hamburg groß ist: Ihre neue Heimat Lüneburg gefällt ihr gut. Vielleicht bleibt sie hier doch länger wohnen, als gedacht.

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