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Kultur

Gülle in Hülle und Fülle

Erneuerbare Energie - das ist nicht immer Wasser, Wind oder Sonne. Auch aus Gülle kann man Strom machen. Eine Interessante Stromquelle für Landwirte wie Karl-Otto Dickhoven.

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Nur ein Prozent aller Bauernhöfe nutzt die Energie aus Gülle

Eine ländliche Idylle mitten im Bergischen Land. Eigentlich ist das hier kein Ost für ein energiepolitisches Pilotprojekt. Die 150 Kühe und Rinder auf dem Hof von Landwirt Karl-Otto Dickhoven sind schon unruhig - gleich werden sie auf die Weide getrieben. Es riecht nach Heu und Dieselöl und natürlich nach Kuhmist. Bis zu vier Tonnen Mist am Tag fallen hier an. Dazu kommen 10.000 Liter Gülle.

Früher hat Karl-Otto Dickhoven Mist und Gülle, wie alle Landwirte, einfach aufs Feld gekippt. Für die Pflanzen ist das keine optimale Düngung. Sie können reinen Dung nur schlecht aufnehmen. Dementsprechend streng hat es auf dem Hof gerochen. Bis sich der 50-Jährige vor zwei Jahren entschied, eine Biogasanlage zu bauen - in Nordrhein-Westfalen ein Pilotprojekt. Gülle und Mist werden hier vergoren. Das habe gleich mehrere Vorteile: "Eine Biogasanlage schließt Kreisläufe. Die vergorene Gülle ist danach wieder ein hervorragender Dünger", erklärt Dickhoven. Und dadurch, dass sie flüssiger sei, lasse sie sich besser von den Pflanzen aufnehmen. "Ich als Landwirt sehe die Vorteile an der Anlage. Wir heizen unser Wohnhaus damit, und wir heizen unsere Maschinenhalle damit. Wir heizen den Melkstand damit, wir haben jetzt hier drei, vier Nachbarhäuser - die werden jetzt angeschlossen. Wir wären aber in der Lage, noch mehr Wärme abzugeben."

Gülle und anderer Abfall

Kühe mit Kirche in Bayern

Sie bringen Energie - wenn auch nur indirekt

Die Biogasanlage, auch Fermenter genannt, sieht aus wie ein kleines Silo. Eine Außentreppe führt nach oben zu zwei Bullaugen. Im Innern brodelt eine braune Masse. Unter Luftabschluss wird die Gülle zusammen mit anderen organischen Stoffen durch Bakterien vergoren. Dabei entsteht Methangas. Das wiederum setzt Energie für die Strom- und Wärmeerzeugung frei. "Grundstoff ist Rindergülle", erklärt Dickhoven. "Außerdem Mais, Festmist von unseren Tieren und so genannte Co-Fermente." Das sind abgelaufene Lebensmittel, Speiseabfälle aus Großküchen und Ähnliches.

Die Bakterien leisten bei der Vergärung ganze Arbeit. Sie versuchen, soviel Gas auszuscheiden, wie nur möglich. Das Gas wird dann mit Hilfe von Motoren verbrannt. Mit der gewonnenen Energie kann ein Stromaggregat bedient werden. Wichtig für die Gasproduktion ist eine konstante Temperatur von 38,5 Grad in der Anlage, ein regelmäßiges Umrühren und die richtige Dosierung der Inhaltsstoffe.

Karl-Otto Dickhoven muss die Anlage drei Mal am Tag kontrollieren. "Wir beobachten den Prozess und füttern dann die Stoffe dazu." Mann könne die Anlage sogar überfüttern, erzählt der Landwirt. "Dann schäumen die Bakterien auf und übergeben sich - genau wie wir Menschen. Sie sterben zwar nicht, aber sie werden krank und die Gasproduktion geht zurück."

Eine Millioneninvestition

Insgesamt vier solcher Biogasanlagen stehen in dem Familienbetrieb. Jede ist für einen Gärschritt zuständig. Bis die Masse einmal durch alle vier Anlagen geflossen und vollständig vergärt ist, vergehen gut vier Monate. Zwei Mal am Tag werden über eine Zeitschaltuhr automatisch Mist und Gülle in die Anlage gegeben, so dass der Gärprozess ständig läuft.

Karl-Otto Dickhoven bereut die Investition von einer Million Euro nicht. Zumal die Betreiber von Biogasanlagen bundesweit eine Investitionsförderung von bis zu bis zu 30 Prozent bekommen. Natürlich habe er bei der Summe erst einmal nachdenken müssen. "Aber ich bin zufrieden", sagt er. Alles sei gut durchgerechnet und die Einsparungen enorm. Dickhoven hofft, dass sich noch mehr Landwirte für diese Art der Gülleverwertung entscheiden. Bisher betreiben von den 450.000 landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland gerade mal 4.500 eine Biogasanlage.

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