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Kultur

Göttertreffen in Dresden

Eine spektakuläre Ausstellung antiker Skulpturen wird derzeit in Dresden gezeigt: Stücke aus zwei der bedeutendsten Sammlungen außerhalb Italiens von der Klassik bis zur spätantiken römischen Kunst.

Statue der sog. Athena Lemnia Foto: Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Verwandelter Gott? Athena Lemnia

Für eine erste Station waren die Dresdner Skulpturen zu Beginn des Jahres 2009 nach Madrid gereist. 270.000 Besucher zog die Schau im Museo del Prado an. Jetzt sind die Götter-Skulpturen der spanischen Sammlung zum Gegenbesuch in Dresden. Unter dem Titel "Verwandelte Götter" werden bis zum 27. September etwa 60 Skulpturen der römischen Kaiserzeit im Japanischen Palais an der Elbe ausgestellt. Der Schwerpunkt liegt darauf, die Zeugnisse der römischen Kultur als Imitationen verlorener griechischer Vorbilder zu zeigen.

Antike Festlichkeit

Das Japanische Palais in Dresden Foto: Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Hier treffen sich die Götter

Gleich im Eingangsraum feiert die Ausstellung ein Fest der Sinne: Eine Statue mit einem beschwingten, leicht trunkenen Dionysos. Gleich daneben ein Reliefbild, auf dem der Waldgott Satyr mit der Doppelflöte aufspielt, während das weibliche Gefolge des Dionysos mit zurückgeworfenem Haar das Tambourin schlägt. Ein kostbarer Rundaltar aus Madrid zeigt eine rauschende Festszene, auf der sich die Mischwesen des dionysischen Kosmos tummeln. Hier trifft die dionysische Welt aus Dresden und Madrid zusammen.

Einer der schönsten Räume in der Dresdner Schau zeigt Jünglingsbildnisse nach dem Vorbild der griechischen Klassik: Skulpturen, die den menschlichen Körper in Bewegung zeigen und seine Vollkommenheit feiern. Ein weiterer Höhepunkt sind die Porträtbüsten von König Konstantin aus dem Prado und von Maxentius aus der Dresdner Skulpturensammlung.

Foto: Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Statue eines jugendlichen Athleten, sogenannt Alexander

Vorbilder für die Kunsttheorie des Klassizismus

Ein Raum ist den drei berühmten Dresdner Herkulanerinnen gewidmet, anmutige Frauenfiguren, umhüllt von fließenden Gewändern. Von ihnen war schon der Begründer der modernen Archäologie Johann Joachim Winkelmann begeistert. Die Figuren haben für die moderne Archäologie und ihre Auffassung der Antike ein außerordentliche Bedeutung, betont Sammlungsdirektor Moritz Woelk: "Weil Johann Joachim Winkelmann an ihnen 1755 hier in Dresden seine Kunsttheorie des Klassizismus entwickelt hat, nach der die Nachahmung der Antike allein als Quelle der Schönheit für die neuere Kunst dienen sollen."

Barocke Interpretationen und spätere Veränderungen

Andere Räume der Ausstellung beleuchten, wie die antiken Skulpturen nach ihrer Auffindung im 17. Jahrhundert verändert wurden. Durch Restaurierung und barocke Ergänzungen erhielten sie eine neue Vollkommenheit: Abgeschlagene Arme und Beine wurden wieder anmodelliert oder Accessoires wie ein Weinglas in der Hand des Dionysos hinzugefügt.

Später – im 19. Jahrhundert - entfernte man diese Ergänzungen, um das vermeintliche Original zurückzugewinnen. Das gelang jedoch nicht immer. Wie die neueste Forschung zeigt, hat man im Streben nach Echtheit manches getrennt, was eigentlich zusammen gehörte. Irren ist halt menschlich, auch bei Wissenschaftlern.

Autor: Sigrid Hoff

Redaktion: Günther Birkenstock