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Filme

Gérard Depardieu: Fassbinder war ein Freund!

Der Schauspieler stellte in Berlin seinen neuen Film "Small World" vor. Dépardieu, zur Zeit in vielen Filmen präsent, erinnert sich im Gespräch mit DW-World auch an seine Freundschaft mit Rainer Werner Fassbinder.

Gerard Depardieu (Foto: picture alliance)

Seit über 30 Jahren ist Gérard Depardieu der wohl populärste und bekannteste französische Schauspieler. Mit phasenweise bis zu fünf Auftritten vor den Kameras pro Jahr hat er weit über 150 Kinofilme gedreht. Zu Depardieus Klassikern gehören "Die letzte Metro" oder "Cyrano de Bergerac". Populär wurde er auch als "Obelix" oder durch den Fernsehmehrteiler "Der Graf von Monte Christo".

In diesem Jahr feierte er Erfolge mit so unterschiedlichen Filmen wie "Mammuth" oder "Potiche" an der Seite von Catherine Deneuve, der im kommenden Jahr in Deutschland zu sehen sein wird, ebenso wie der Film "Das Labyrinth der Worte". Derzeit kann man Depardieu als einen an Alzheimer erkrankten Mann in der deutsch-französischen Koproduktion "Small World" nach der Vorlage des Erfolgsautors Martin Suter bewundern. Depardieu stellte den Film vor kurzem in Berlin anlässlich der Französischen Filmtage vor.

Gérard Depardieu als Konrad in 'Small World' (Foto: Majestetic Filmverleih/Magali Bragard)

Gérard Depardieu als Konrad in "Small World"

DW-WORLD: Wie nah ist Ihnen dieser Konrad in "Small World", der sich auch etwas Kindliches bewahrt hat?

Gérard Depardieu: Es stimmt, dass mir Konrad sehr viel näher ist, als Menschen die sich an alles erinnern. Ich mag ältere Menschen, die so zwischen 97 und 100 Jahre alt sind und einfach nur erzählen. Aber es interessiert mich nur dann, wenn sie von ihrer Kindheit und Jugend erzählen. Die Erinnerungen, die nur zehn oder zwanzig Jahre lang zurück liegen, sind doch meist nur Erlebnisse und Situationen, die mehr oder weniger peinlich waren, mit Reaktionen, auf die man mehr oder weniger stolz ist.

In dem Film "Das Labyrinth der Wörter" spielen sie einen einfachen Mann, der sich durch die Begegnung mit einer alten Dame neu entdeckt. Dort geht es auch um die Themen Altern und Erinnerung.

Gérard Depardieu: Ich drehe gerne und seit etwa 30 Jahren in Krankenhäusern oder Altersheimen, wo man Menschen in ihrer Einsamkeit sieht. All diese Alten sind alleine. Sie sind wie Konrad. Sie sind nicht mehr daran gewöhnt zu sprechen und zu kommunizieren. Sie sind ein wenig isoliert wie Tiere, die einen gewissen Sinn des Lebens verloren haben. Sie wissen, dass sie immer mit der Gefahr leben vom Leben abgeschnitten zu werden. Ich mag Figuren, die dieser Schwere eine gewisse Leichtigkeit entgegensetzen.

Rainer Werner Fassbinder (Foto: dpa)

Rainer Werner Fassbinder

Sie haben Rainer Werner Fassbinder gekannt. Hätten Sie gern einen Film mit ihm gemacht? Fassbinder hat ja jede Szene nur ein- oder zweimal gedreht. Diese Arbeitsweise kommt Ihnen ja entgegen.

Gérard Depardieu: Rainer und ich hätten eigentlich fünf Filme miteinander drehen sollen. Der letzte wäre dann "Querelle" gewesen. Aber ich hatte niemals Zeit und so nahm er dann immer andere Schauspieler. Aber Rainer, das war ein großer Freund!

Kannten Sie damals auch andere deutsche Regisseure?

Gérard Depardieu: Für mich war Rainer Werner Fassbinder derjenige aus dieser Zeit mit dem größten Talent. Er ragte heraus. Mehr als Leute wie Werner Schroeter oder Daniel Schmid, obwohl auch Daniel Schmid über Talent verfügte. Wir wollten auch "Berlin Alexanderplatz" miteinander machen. Hanna Schygulla war auch mit dabei. Rainer war im Leben ein echter Freund.

Auch Barbet Schroeder und Werner Schroeter gehörten zu dieser Gruppe. Aber diese Zeit ist vorbei. Rainer Werner Fassbinder war ein Poet, ein richtiger Künstler. Er war der Blitz mitten im Gewitter. Mit den Anderen war es eher mühsam.

Das Gespräch führte Jörg Taszman

Redaktion: Jochen Kürten

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