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Wirtschaft

Fusionspläne in Frankreich

Nummer zwei des französischen Telekommunkationsmarktes will durch Fusion zur Nummer eins werden. Dahinter steht der Medienmogul und Milliardär Patrick Drahi. Von Regierungsseiten kommen Bedenken.

Der zweitgrößte französische Telekom-Konzern Numericable-SFR will den Mobilfunk-Rivalen Bouygues übernehmen und so einen neuen Branchenprimus schmieden. Bouygues bestätigte am Montag den Eingang einer entsprechenden Offerte, die an der Börse für ein Kursfeuerwerk sorgte. Insidern zufolge beläuft sich das Angebot auf zehn Milliarden Euro. Gelingt das Vorhaben, würde Orange gemessen an der Kundenzahl als Marktführer in Frankreich abgelöst.

Bouygues erklärte, der Verwaltungsrat werde am Dienstag zusammenkommen, um über das "unerbetene Angebot" zu beraten. Es liefen bisher keine Verhandlungen mit Numericable-SFR.

Emmanuel Macron

Macron findet den Zeitpunkt der Fusionspläne falsch

Die französische Regierung hat bereits Bedenken signalisiert. Am Sonntag sagte der Wirtschaftsminister Emmanuel Macron: "Es ist nicht der Zeitpunkt für opportunistische Fusionen, die im Interesse einiger Menschen, aber nicht im Interesse der Öffentlichkeit sind". Er äußerte die Sorge, dass die Fusion negative Folgen für Arbeitsplätze, Investitionen und die Qualität der Dienstleistungen für die Kunden haben werde. Auch Finanzminister Michel Sapin äußerte am Montag im Sender RFI Vorbehalte.

Dahinter steht Milliardär Drahi

Vorgelegt wurde das Angebot vom Kabelnetz-Konzern Altice, zu dem Numericable-SFR gehört und hinter dem der Milliardär Patrick Drahi steht. Dieser hatte erst im vergangenen Jahr mit seiner Kabelsparte Numericable den Mobilfunker SFR übernommen. Durch den Zukauf ist Drahi schwer verschuldet. Auch die neue Übernahme würde wohl durch Kredite finanziert. Dem französisch-israelischen Medienmogul Drahi gehört in Frankreich schon die Mehrheit der Zeitung "Libération" und des Wochenmagazins "L'Express".

Falls der nun angedachte Zusammenschluss durchgehe, werde Numericable Geschäftsteile von Bouygues an den Rivalen Iliad verkaufen, teilten die Unternehmen weiter mit. Um Bedenken der Wettbewerbshüter auszuräumen, sollen Insidern zufolge auch Sendemasten und Frequenzen abgegeben werden.

Altice-Aktien schossen zum Wochenbeginn um mehr als 20 Prozent in die Höhe. Die Anteilsscheine von Bouygues und Numericable verteuerten sich um mehr als 14 Prozent. Iliad-Papiere lagen zwölf Prozent im Plus und auch die Aktie von Branchenprimus Orange legte rund acht Prozent zu.

Auf dem Weg zu Kabel- und Mobilfunk-Imperium

Bildergalerie Lebenslauf im internationalen Vergleich

Hoffnung auf Abebben des Preiskampfes in Mobilfunkbranche

Der Zusammenschluss könnte nach Ansicht der Analysten der Berenberg Bank zu jährlichen Einsparungen von 850 Millionen Euro führen. Zugleich rechneten Investoren mit einer Beruhigung des Preiskampfes, der seit dem Start des Billig-Anbieters Iliad vor drei Jahren in der französischen Mobilfunkbranche tobt.

Analysten bewerten Bouygues Telecom mit fünf bis 6,5 Milliarden Euro. Damit würde Drahi mit zehn Milliarden einen deutlichen Aufschlag für die seit Iliads Vorstoß Verluste schreibende Sparte des französischen Mischkonzerns zahlen. Um den Mobilfunk-Bereich von Bouygues ranken sich seit Monaten Übernahmespekulationen. Das Unternehmen hat sich aber mehrfach gegen einen Verkauf ausgesprochen. Altice-Mehrheitsaktionär Drahi wurde in Medienberichten zuletzt auch ein Interesse an dem US-Kabelriesen Time Warner Cable nachgesagt. Experten zufolge will er ein Imperium aus Kabel- und Mobilfunk-Firmen schmieden.

iw/zdh (rtrs, afp)