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Wirtschaft

Fusionsfieber - deutsche Bankenlandschaft im Umbruch

Nicht einmal zwei Wochen nach der Einigung über den Verkauf der Dresdner Bank gibt es den nächsten Milliardendeal in der deutschen Finanzbranche: Die Deutsche Bank beteiligt sich mit 29,75 Prozent an der Postbank.

Schild der Deutschen Bank in Frankfurt (Quelle: Bilderbox)

Die deutsche Bank wird bald Teilhaber der größten Privatkundenbank Deutschlands - der Postbank - sein

Der Erlös aus dem Teilverkauf der Postbank wird voraussichtlich bei mehr als 2,5 Milliarden Euro liegen, wie die Deutsche Presseagentur aus informierten Kreisen wusste. Geplant ist ein Geschäft in zwei Stufen, sodass nach dem ersten Teilverkauf Deutsche Bank und Postbank innerhalb von zwei Jahren weitere Anteile kaufen, beziehungsweise verkaufen können.

Doch damit sind der Konsolidierungsdruck und das Fusionsfieber in der Deutschen Bankenlandschaft noch längst nicht ad acta gelegt. Denn auch nach den Übernahmen der letzten Wochen spielen die deutschen Banken international immer noch eine untergeordnete Rolle.

Josef Ackermann (Quelle: AP)

Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann

Deutsche Bank Chef Josef Ackermann hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass die Postbank sehr gut zu seinem Institut passen würde. Sowohl im Privatkundenmarkt als auch als Distributionsnetz wird die Deutsche Bank damit erheblich gestärkt. Schließlich ist die Postbank mit 14,4 Millionen Kunden die größte Privatkundenbank in Deutschland.

Konsolidierung - oft diskutiert, aber selten umgesetzt

Martin Blessing, Chef der Commerzbank, die erst vor zwei Wochen angekündigt hatte, die angeschlagene Dresdner Bank in zwei Schritten zu übernehmen, zollt denn auch seinem Kollegen von der Deutschen Bank neidlosen Respekt: "Ich begrüße jeden Schritt der Konsolidierung in Deutschland. Ich glaube wir haben zehn, fünfzehn Jahre in Deutschland immer über Konsolidierung geredet und nur relativ wenig bewegt."

Mit dem Deal baut die Deutsche Bank ihre Spitzenposition in der deutschen Bankenlandschaft weiter aus. Gemessen an der Bilanzsumme war sie ohnehin schon doppelt so groß wie die Commerzbank – woran auch die Übernahme der angeschlagenen Dresdner Bank nichts ändert. Doch international spielen die deutschen Banken auch nach dieser Konsolidierungsphase immer noch die zweite oder dritte Geige. Gerechnet nach dem Börsenwert findet sich die Deutsche Bank auf Platz 32 der Weltrangliste, die Commerzbank rangiert gerade mal auf Platz 80.

Fast 40 Prozent des Banksektors ist staatlich

Commerzbankzentrale in Frankfurt (Quelle: DPA / Bildfunk)

Commerzbankzentrale in Frankfurt

Dass die deutschen Privatbanken international nur in der zweiten Liga spielen, hat aus ihrer Sicht einen ganz einfachen Grund: Sie fühlen sich durch das speziell deutsche Bankensystem eingeengt. Das kennt nämlich nicht nur die privaten Geschäftsbanken, sondern daneben auch noch öffentlich-rechtliche Sparkassen und genossenschaftlich organisierte Banken. "Wir haben also ein ganz großes staatliches Segment im Bankenbereich, das macht fast 40 Prozent. Egal woran man das misst, ob das bei den Einlagen ist, bei den Sparern oder bei den Krediten, die sie vergeben, oder auch bei der Gesamtbilanzsumme - ungefähr 40 Prozent des deutschen Bankensektors sind staatlich", so Manfred Jäger, Finanzexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln.

Dieses System hat Vorteile und Nachteile. Zu den Vorteilen gehört, dass gleich zwei große Bankengruppen, die öffentlich-rechtlichen Sparkassen und die genossenschaftlichen Institute, in der Fläche vertreten sind und speziell den Mittelstand mit Krediten versorgen. Als problematisch empfinden die Geschäftsbanken jedoch die Undurchlässigkeit zwischen den drei Säulen Privatbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Dadurch werden Fusionen und Übernahmen verhindert – und damit auch das Wachstum, um international in der ersten Liga mitzuspielen.

"Versorgungsanstalt für abgehalfterte Landespolitiker"

Skyline von Frankfurt (Quelle: AP)

In Frankfurt am Main haben auch die Deutsche Bank, Commerzbank und Dresdner Bank ihren Sitz

Als problematisch werden mittlerweile auch die staatlichen Landesbanken empfunden. Das sind die Dachinstitute der Sparkassen. Sie dienen als Girozentrale zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs und als Hausbank der Länder – und, so sagen Spötter, als Versorgungsanstalt für abgehalfterte Landespolitiker. "Und das ist nicht ganz falsch, um es mal so zu formulieren. Wir bräuchten definitiv weniger, damit die, die dann noch übrig bleiben, schlagkräftiger sind. Es ist in der Tat nicht einzusehen, warum wir so viele Landesbanken haben, weil die für sich genommen alle relativ klein sind. Und für ihre Aufgaben - nämlich für ihre Sparkassen Funktionen zu übernehmen, die besser von einer Zentrale geleistet werden - für diese Aufgaben braucht man nicht verschiedene Häuser", meint Jäger.

Auch Sparkassenpräsident Heinrich Haasis fordert größere Landesbanken. Eine Konsolidierung würde eine Verbesserung der Geschäftsmodelle ermöglichen und damit auch Anreize zum Engagement in hoch volatilen Geschäften verringern, sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Eine deutliche Anspielung auf die riskanten Geschäfte mit amerikanischen Schrotthypotheken, mit denen die Landesbanken Milliardenverluste eingefahren haben.

Gewerkschaften fürchten Arbeitsplatzverlust

Doch selbst wenn es innerhalb der Landesbanken zu Fusionen kommen sollte, würde das allein immer noch nichts an der Undurchlässigkeit zwischen den drei Säulen im deutschen Bankensystem ändern. Dazu müssten zum Beispiel die Sparkassengesetze geändert werden. Doch dagegen laufen die Gewerkschaften Sturm, weil sie mit einer Privatisierung der Sparkassen einen massiven Verlust an Arbeitsplätzen befürchten. Die Fusion Commerzbank/Dresdner Bank gibt ihnen da recht: Allein am Finanzplatz Frankfurt will die Commerzbank nach der Übernahme der Dresdner Bank rund 4700 Arbeitsplätze streichen.

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