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Welt

Fukushima wird noch Monate strahlen

Aus der Atomruine Fukushima könnte nach Einschätzung der japanischen Regierung noch monatelang radioaktive Strahlung entweichen. Den Technikern gelingt es weiterhin nicht, einen Riss in einem Reaktorschacht abzudichten.

Reaktorruine in Fukushima (Foto: AP)

Der Kampf gegen den GAU ist noch lange nicht zu Ende

Japans Regierung rechnet mit einer "langen Schlacht" in dem schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima 1. Es werde wahrscheinlich noch "mehrere Monate" dauern, bevor der Austritt von Strahlung aus den beschädigten Reaktoren gestoppt sei, sagte der Berater von Regierungschef Naoto Kan, Goshi Hosono, am Sonntag (03.04.2011) dem Fernsehsender Fuji TV. Besonders die rund 10.000 in Abklingbecken gelagerten gebrauchten Brennstäbe stellten weiterhin eine Gefahr dar.

Unterdessen versuchten Arbeiter weiterhin, einen Riss an einem Tunnel unter dem Reaktorgebäude 2 zu reparieren, wie die Betreiberfirma Tepco mitteilte. Nachdem am Samstag ein Versuch gescheitert war, den rund 20 Zentimeter langen Riss mit Beton abzudichten, brachte ein neuer Anlauf am Sonntag mit Kunstharz zunächst keine Erfolge. Dabei wurde Polymer in eine Rohrleitung gepumpt, die den Schacht mit dem Rest des Systems verbindet. Kunstharz kann große Mengen Wasser absorbieren und sich auf das 50-fache seiner ursprünglichen Größe ausdehnen.

Radioaktiv verseuchtes Wasser direkt in den Pazifik

Blick auf Fukushima von oben (Foto: AP)

Der Pazifik vor Fukushima ist radioaktiv verseucht

Durch die Kühlarbeiten an den Reaktordruckbehältern sind enorme Mengen Wasser in das Untergeschoss und mehrere Tunnel des angrenzenden Turbinengebäudes gelaufen. Durch den Riss an einem dieser Tunnel war radioaktiv verseuchtes Wasser direkt in den Pazifik ausgetreten. Seit Tagen versuchen die Arbeiter, das Wasser aus dem Untergeschoss und den Tunneln abzupumpen.

Bis Sonntag wurden keine weiteren Lecks und Risse in den Reaktorblöcken entdeckt, die radioaktives Wasser in den Ozean gelangen lassen. "Wir glauben, das ist der einzige Riss", sagte Tepco-Sprecher Naoki Tsunoda. In den kommenden Tagen soll eine 136 mal 46 Meter große schwimmende Plattform vor dem Atomkraftwerk eintreffen, deren Wassertanks rund 10.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser aufnehmen können.

Erstmals Radioaktivität in Sperrzone gemessen

Geigerzähler Nahaufnahme (Foto: EPA)

Sperrbezirk um Fukushima ist extrem radioaktiv belastet

Erstmals haben die Regierung und der Energiekonzern Tepco Radioaktivität in der Luft innerhalb der 20-Kilometer-Zone um das Kraftwerk Fukushima Eins gemessen. Dabei wurden nach ersten Informationen Werte von bis zu 50 Mikrosievert pro Stunde ermittelt, wie der japanische Fernsehsender NHK berichtete. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die natürliche Hintergrundstrahlung etwa aufgrund radioaktiver Elemente im Boden bei rund 2,4 Millisievert oder 2400 Mikrosievert im Jahr. Bislang hatten die Regierung und der AKW-Betreiber außerhalb der Sperrzone radioaktive Strahlung gemessen. Innerhalb des Gebiets habe es keine detaillierte Analyse gegeben - mit den Hinweisen, dass die meisten Menschen die Region bereits verlassen hätten und das Strahlenrisiko für die Tester zu groß sei.

Notlage der Erdbebenopfer verschlimmert

Frau mit Kind in Trümmern (Foto: AP)

Noch immer suchen die Menschen in den Trümmern nach Angehörigen

Die Atomkrise hat die Notlage hunderttausender Menschen in der Erdbebenregion verschlimmert und oft auch in den Hintergrund treten lassen. Es wird inzwischen befürchtet, dass insgesamt 25.000 Menschen in der Katastrophe umkamen. Bis Sonntag wurden rund 12.000 Leichen geborgen, 15.400 Menschen wurden vermisst. Zehntausende haben ihre Häuser verloren, 200.000 Haushalte haben kein Trinkwasser und 170.000 keinen Strom.

Pharmakonzern Boehringer schließt ein Werk

Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim muss wegen der Atomkatastrophe in Japan wohl ein Werk dauerhaft schließen. Ein Betrieb mit 40 Mitarbeitern wurde evakuiert, weil er in der Umgebung des durch die Katastrophe schwer beschädigten Atommeilers in Fukushima liegt. "Ich gehe davon aus, dass wir dort nicht mehr produzieren können", sagte Boehringer-Chef Andreas Barner der "WirtschaftsWoche" laut Vorabbericht. Trotzdem wolle der Familienkonzern in der drittgrößten Volkswirtschaft präsent bleiben. Bislang hatte Boehringer in Japan drei Werke, darunter den kleineren Betrieb nahe Fukushima.

Autorin: Annamaria Sigrist (dpa, rtr, afp)
Redaktion: Hans-Andreas Ziegler

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