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Asien

Fukushima-Betreiber plant Entschädigungen

Sie sind mit ihrer Geduld am Ende: Anwohner des Havarie-Reaktors Fukushima fordern vom Betreiber Tepco Entschädigung. Für das Unternehmen könnte das den Ruin bedeuten.

Tepco-Präsident Masataka Shimizu verbeugt sich (Foto: AP)

Entschuldigungsgeste des Tepco-Präsidenten

Anwohner des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima haben am Mittwoch (13.04.2011) am Firmensitz der Betreibergesellschaft Tokyo Electric Power (Tepco) in Tokio rasche Entschädigung verlangt. Rund 20 Kleinunternehmer aus der Umgebung des Atommeilers forderten dringend einen Ausgleich für ihren Verdienstausfall. Sie dürfen seit Wochen ihre Wohnungen und Arbeitsplätze nicht mehr betreten.

Tepco-Präsident Masataka Shimizu versprach, mehr für die Evakuierten zu tun. Barzahlungen an die Betroffenen würden "so bald wie möglich bereitgestellt", sagte er. Derzeit werde an einem umfassenden Plan für die Zahlung von Schadenersatz gearbeitet. Konkrete Entscheidungen seien aber noch nicht gefallen.

Müssen auch andere Firmen büßen?

Analysten schätzen die gesamten Schadenersatzansprüche nach der Fukushima-Havarie auf mehr als 130 Milliarden Dollar. Um Japans größten Versorger Tepco vor dem Ruin zu retten, könnte die Regierung auch andere heimische Energieunternehmen heranziehen, um die Ausgleichszahlungen zu stemmen, berichten japanische Medien. Danach könnten die Belastungen für Tepco auf 24 bis 45 Milliarden Dollar begrenzt werden. Das Programm solle die Investoren beruhigen.

Tepco ist der größte Emittent von Unternehmensanleihen in Japan. Viele Banken halten Aktien des Konzerns. Tepco-Papiere zogen nach Bekanntwerden der Meldung an der Börse über elf Prozent an. Andere Versorgeraktien wie etwa von "Kansai Electric" gaben dagegen nach.

Ewiger Kampf gegen den Super-GAU

Tepco-Mitarbeiter setzten zudem ihren Kampf gegen einen Super-GAU im zerstörten Kernkraftwerk Fukushima fort. Mit Hilfe von Behelfspumpen leiten sie hochgradig verseuchtes Wasser aus einem Tunnelschacht des Reaktors 2 in einen Auffangbehälter des Turbinengebäudes. Die strahlende Brühe behindert die Bemühungen zur Kühlung der Reaktoren. Am Dienstag hatten die Behörden die Gefahrenkategorie der Havarie von Stufe 5 auf die höchste Stufe 7 - und damit auf das selbe Niveau wie Tschernobyl im Jahr 1985 - heraufgesetzt.

In der Stadt Sendai wurde unterdessen der Flughafen teilweise wieder in Betrieb genommen. Eine erste Maschine landete in der seit dem Erdbeben und Tsunami am 11. März verwüsteten Region. Die wiederaufgenommene Flugverbindung dürfte vor allem die Katastrophenhilfe für die umliegenden Gemeinden erleichtern.

Landende Maschine (Foto: AP)

Die erste Maschine landete wieder auf dem Flughafen von Sendai

Wirtschaftliche Erholung noch in diesem Jahr?

Ungeachtet der riesigen Schäden zeigte sich die japanische Regierung zuversichtlich, dass die wirtschaftlichen Folgen der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in relativ kurzer Zeit überwunden werden können. Wirtschaftsminister Kaoru Yosano sagte, er rechne mit einer Wirtschaftserholung gegen Jahresende.

Inzwischen legte auch das erste Containerschiff, das nach dem Tsunami den Hafen von Tokio verlassen hatte, in Hamburg an. Die "MOL Majesty" wird am Containerterminal Altenwerder entladen. Die Wasserschutzpolizei habe auf dem Schiff vorsorglich die Radioaktivität gemessen, sagte der Deutschland-Chef der Reederei MOL, Jan Holst. Es sei jedoch keine erhöhte Strahlung festgestellt worden.

Autor: Martin Muno (dpa, dapd, rtr)
Redaktion: Marion Linnenbrink

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