1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fußball

Fußballverrückt und sozial engagiert

Wynton Rufer ist Ozeaniens Fußballer des Jahrhunderts. Als Profi erlebt er die Glanzzeiten von Werder Bremen. Heute leitet der Neuseeländer eine eigene Fußballakademie. Sein Motto: "Immer im Ballbesitz sein."

Umringt von jungen Talenten seiner Fußballschule "Wyners" steht der 51-Jährige auf dem Trainingsplatz in Auckland. Wynton Rufer spricht schnell und mit einem unverwechselbaren Akzent, wenn es um seine "Soccer School of Excellence" geht. Stets zuvorkommend und freundlich, im schwarzen Trainingsanzug, Designerbrille und schütterem, grau meliertem Haar. Großgewachsen ist er, mit wachem Blick und einem sportlich durchtrainierten Körper, so als habe er seine Karriere als aktiver Spieler noch längst nicht beendet.

Rufer will Vorbild sein für die Kinder und Jugendlichen, die zwischen fünf und siebzehn Jahren sind. Und das mit Erfolg. Mit Marco Rojas (22) hat Rufer seinen ersten Spieler in die Bundesliga zum VfB Stuttgart exportiert. Aus seiner Talentschmiede ging auch Chris Wood (22) hervor, der heute in der zweiten englischen Liga bei Leicester City spielt. Andere "Wyners" gehören zu den Stammkräften in den Jugend- und Junioren-Auswahlmannschaften Neuseelands - auch im Frauenbereich.

Spitzname "Kiwi"

Vor 20 Jahren gehörte er zu den populärsten Fußballern der Bundesliga. Ein Exot wegen seines Heimatlandes Neuseeland, das – anders als die Fußballer - mit den "All Blacks" das beste Rugby Team der Welt stellt. Als Profi beim SV Werder Bremen wurde Rufer Deutscher Meister (1993), gewann den Europapokal der Pokalsieger (1992) und zweimal den DFB-Pokal (1991, 1994). Als Weltenbummler kam Rufer über England und die Schweiz 1989 zum SV Werder Bremen. Dort spielte er unter

Trainer Otto Rehhagel,

anschließend in Australien, Japan und Neuseeland. 2001 beendete Rufer seine aktive Karriere.

Bremens neuseeländischer Torjäger Wynton Rufer in Aktion am 14.05.1994 im Berliner Olympiastadion (Foto: picture-alliance/dpa)

Werder-Torjäger Rufer: 1994 im Berliner Olympiastadion

Während seiner Werder-Zeit galt Rufer als Spaßvogel, sein Spitzname war mit "Kiwi" schnell gefunden. Er erzielte in 174 Bundesligaspielen 59 Tore und war ein dribbelstarker, technisch versierter Spieler. Seit 2007 ist er Mitglied der "Maori Sports Hall of Fame" in Neuseeland. Der Hintergrund: Seine Mutter ist Maori, sein Vater Schweizer. 2005 wurde Rufer zum FIFA-Botschafter ernannt, von 1998 bis 2007 war er neben Pelé und Franz Beckenbauer Mitglied der "FIFA-Fußballkommission". 1997 kehrte er nach Neuseeland zurück und gründete in Auckland eine eigene Fußballakademie "Wyners".

Disziplin als Tugend

Wo immer ihm einer seiner "Jungs", Trainer, Mitarbeiter und Sponsoren auf dem Trainingsplatz über den Weg läuft, scherzt und lacht Rufer. Und dabei versucht er, seine Fußball-Philosophie zu vermitteln: "Immer im Ballbesitz sein und nach vorne spielen." Zwar hat Rufer noch in Deutschland die A-Trainerlizenz erworben, doch die fußballerische Ausbildung überlässt er den angestellten Trainern seiner Akademie. Derzeit sind das 2.000 "Wyners" in ganz Neuseeland. Die Eltern müssen für das Training und die Ausbildung ihrer Kinder bezahlen, umgerechnet etwa 800 bis 1000 Euro. Aber es gibt auch Stipendien für talentierte Spieler aus mittellosen Familien.

Dabei will "Kiwi Rufer" seinen "Wyners" mehr als nur die Kunst des Kurzpasses vermitteln. Seine Fußballschule, die mittlerweile vier Ableger in anderen Städten Neuseelands hat, ist nicht nur Kaderschmiede. Der bekennende Christ (Pfingstler) bietet Kindern und Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten die Möglichkeit, kostenlos zu trainieren. Da bewege er sich "zwischen Lebensberatung und Sozialarbeit", sagt Rufer. Sein Antrieb ist die eigene Karriere: "Als Profi hatte ich ein super Leben. Jetzt kann ich den jungen Leuten etwas zurückgeben." Es gehe ihm um Respekt und Teamfähigkeit, vor allem aber um Disziplin. "Das lernen sie bei mir", erklärt Rufer mit einer Leidenschaft, die keinen Zweifel entstehen lässt. Sogar Neuseelands Premierminister John Key hat sich bei Rufer für dessen Verdienste um den nationalen Fußball persönlich bedankt.

Wynton Rufer steht hinter einer Jugendmannschaft seiner Fußballschule in Auckland (Foto: Michael Marek)

Fußballlehrer Rufer: In seiner Fußballakademie "Soccer School of Excellence" kann er seine Leidenschaft weitergeben

Familienmensch und Angler

Neuseeland und Fußball, das ist alles andere als eine Liebesbeziehung. Denn hier, auf der Nord- und Südinsel, regiert der Rugby-Gott. Obwohl die "All Whites", das Fußball-Auswahlteam Neuseelands, bei der WM 2010 in Südafrika vertreten waren und in der Qualifikation für Brasilien 2014 erst in den Playoffs gegen Mexiko gescheitert sind, habe Fußball noch immer nicht die Popularität, die ihm gebühre, sagt Rufer. Er sei ein Missionar im Land des Rugbys, ein Fußballverrückter. "Meine australische Frau schimpft immer: 'Wynton, was willst du bei den Blinden in Neuseeland?' Sie meint, wir hätten lieber nach Australien oder Europa gehen sollen", erzählt der passionierte Angler, der mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Auckland lebt.

Vielleicht hat Rufer jetzt auch deswegen einen weiteren Job übernommen. Seit Mai trainiert er die Nationalmannschaft von Papua-Neuguinea. Sein neues Team rangiert derzeit auf Platz 195 der FIFA-Weltrangliste. Den Kontakt nach Deutschland hat er nie abreißen lassen, mit seinen Mannschaften ist er regelmäßig auf Jugendturnieren in aller Welt unterwegs, auch beim One-Nations-Cup 2015 in Bremen werden "Wyners" antreten.

Die Redaktion empfiehlt