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Fußball

Fußballparty trotz Niederlage

Das Spiel zwischen Deutschland und Nordirland wird in ein großes Fanfest umgewandelt. Anhänger beider Lager machen Werbung für den Fußball - das geht auch an den Spielern nicht unbemerkt vorbei.

Er trabte, passte und dirigierte das Spiel. Der eingewechselte und als "Fußballgott" stimmgewaltig begrüßte Bastian Schweinsteiger machte eben genau das, was Bundestrainer Joachim Löw ihm mit auf den Weg gegeben hatte. Er beruhigte und kontrollierte die Partie. Auf einen Jubel-Sprint, wie nach seinem Tor gegen die Ukraine warteten die Zuschauer allerdings vergeblich. Schweinsteiger musste aber auch nicht rennen, denn die DFB-Elf hatte die Partie gegen Nordirland fest im Griff und siegte dementsprechend auch verdient mit 1:0. Nach dem Schlusspfiff beklatschten alle Nationalspieler die gut gelaunten deutschen Fans auf der Tribüne des Prinzenpark-Stadions, auch Schweinsteiger war dabei, machte aber noch einen Schlenker zu den fußballverrückten Nordiren.

Anerkennend hob der Kapitän der Nationalmannschaft seinen Daumen und gab den grün gekleideten Fans zu Verstehen, wie großartig er die Unterstützung findet. Unermüdlich hatten sie den EM-Neuling angefeuert. Die Nordiren lieferten ein beeindruckendes Repertoire an Gesängen ab. "Das ist einfach toll, was die Fans einer so kleinen Nation für eine Stimmung machen", lobte DFB-Fan Julian die Grün-Weißen. Sein Sitznachbar Patrick stimmte ihm zu und ergänzte: "Wenn das hier nur zehn Prozent der Einwohner Nordirlands sind, dann möchte ich gerne bei einem Heimspiel dabei sein." Insgesamt freuten sich die beiden über eine friedliche und stimmungsvolle Fußball-Party, die schon am Mittag in der Pariser Innenstadt begonnen hatte.

Eine echte EM-Party

Frankreich EM Euro 2016 Deutschland-Fan mit Trikot

Viele deutsche Fans zeigen Symphatien für Will Grigg

Wenige Stunden zuvor schallten "Will Grigg's on fire" und andere adaptierte und auf die nordirische Nationalmannschaft umgedichtete Hits durch die Gassen rund um den Eiffelturm. Auf der Avenue de Suffren standen deutsche und nordirische Fans dicht gedrängt zusammen. Sie tranken, tanzten und sangen - eine echte EM-Party eben. "Das war einfach genial. Eine super Stimmung. Das hat richtig viel Spaß gemacht", erzählte Tina, die zusammen mit ihrem Freund den Nachmittag in der feiernden Menge verbracht hatte. Auch Andreas, der mit seinem Sohn Markus der deutschen Mannschaft hinterher reist, war hocherfreut: "Die polnischen Fans waren schon klasse, mit denen hatten wir richtig viel Spaß", sagte Vater Andreas, "doch die Iren toppen das alles nochmal."

Gemeinsam machten sich die Fangruppen auf den Weg zum Stadion. Entlang der Seine spazierten hunderte Anhänger gemütlich und laut singend zum Prinzenpark-Stadion. Begleitet wurde der Marsch von 150 französischen Polizisten, die aber nicht eingreifen mussten, was bisher nicht immer der Fall war. Die Ausschreitungen in Marseille, Lille und Lens liegen wie ein Schatten über dieser Europameisterschaft. "Wir vermissen ein bisschen EM-Stimmung hier", sagte Johann. "Man sieht wenige Fahnen, fast keine geschmückten Häuser oder Autos." Man merke, dass die Franzosen momentan andere Probleme haben, bestätigten auch andere Fans Johanns Eindruck. "In den kleineren Städten wie Lille sieht man schon mehr Menschen im Trikot", berichtete Andreas, der aus der Nähe von Frankfurt kommt.

Auch Deutsche können feiern

Frankreich EM Euro 2016 Fan-Marsch in Paris (Foto: Thomas Klein)

Es geht auch friedlich: Deutsche und nordirische Fans ziehen gemeinsam zum Stadion

An diesem Tag war das jedoch anders. Auch im Stadion ging die Fan-Party weiter. Obwohl die deutsche Mannschaft Nordirland keine ernstzunehmende Torchance gestattete, ließen sich die Anhänger nicht die Stimmung verderben. Sobald es die Nordiren über die Mittellinie geschafft hatten, wurden die Anfeuerungsrufe einige Dezibel lauter. Doch auch die deutschen Fans - oft als langweilig beschrieben - zeigten, dass sie feiern können. Am Ende waren alle zufrieden: Joachim Löw, seine Spieler, die Fans und die zehn Prozent der Nordiren, die den Weg in die französische Hauptstadt gefunden hatten. "Jetzt geht es zurück nach Lille", freute sich Andreas auf das Achtelfinal-Spiel der DFB-Elf. Gemeinsam mit seinem Sohn hofft er dort auf ein weiteres Fußballfest - in der Stadt, auf den Rängen und auf dem Rasen.