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Sport

Fußballkultur für Intellektuelle

Volker Bartsch steht an der Spitze der DFB-Kulturstiftung, die das Kulturprogramm zur WM 2006 organisiert. Im Interview mit DW-WORLD verrät Bartsch die kommenden Highlights und seinen WM-Finaltipp.

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Volker Bartsch, der Geschäftsführer der DFB-Kulturstiftung

Die WM 2006 in Deutschland soll nicht nur Fußballkunst auf den Rasen zaubern, sondern den Fans auch die kulturelle Vielfalt Deutschlands und deren Verknüpfung mit dem Fußballsport näher bringen. Dies ist Aufgabe der DFB-Kulturstiftung, die ein nationales Kunst- und Kulturprogramm mit rund 40 Projekten auf die Beine gestellt hat.

Volker Bartsch ist der Geschäftsführer der Kulturstiftung. Anfang 2005 hat der Berliner Kultur- und Medienmanager, Jahrgang 1948, den bisherigen Geschäftsführer Raju Sharma abgelöst.

DW-WORLD: Herr Dr. Bartsch, was verbirgt sich hinter der DFB-Kulturstiftung? Wer sind die Macher, was sind die Ziele?

Globus in Berlin

Teil des WM-Kulturprogramms: der Fußball-Globus von André Heller

Volker Bartsch: Dahinter steht von Franz Beckenbauer, über den Bundeskanzler, dem DFB und Herrn Blatter von der FIFA alles, was Rang und Namen hat. Und man ist irgendwann zu der Entscheidung gekommen: Wir lassen Fußball nicht alleine für sich stehen, sondern präsentieren drum herum Kultur, Vielfalt, Kreativität. Wir umrahmen das also, weil es so auch noch nie jemand versucht hat und das der erste Versuch sein würde, ein Kunst- und Kulturprogramm, bezogen auf ein solches Weltereignis, zu machen. Dann hat schließlich der Bundesfinanzminister aus dem Silbermünz-Programm zur WM bis zu 30 Millionen Euro zugesagt - und damit ging es dann vor anderthalb Jahren los. Zunächst mal mit der Andre-Heller-Idee, der ja auch der Kurator des gesamten Programms ist, einen Fußball-Globus in die WM-Städte zu bringen. Alles in allem sind das um die 40 verschiedene Projekte, darunter solche, die sehr viel Geld kosten, aber auch kleinere, die sehr wenig kosten. Wie ist die Resonanz der Menschen auf die Tour des Fußball-Globus bislang?

Wir haben bei fünf oder sechs von insgesamt zwölf Stationen gut 400.000 Besucher, also gehen wir davon aus, es wird eine knappe Million, die dann in den zweieinhalb Jahren diesen Globus besucht haben werden, und das ist schon ganz beachtlich.

Anlässlich eines der Projekte, "Straßenfußball-Kulturen: Die kulturelle Dimension des Spiels" in Kooperation mit streetfootballworld, findet in der ersten Aprilwoche in London ein globales Netzwerktreffen statt, bei dem Sie dabei sein werden. Was genau passiert dort?

Streetfootballworld: c by Mario Miranda, Sao Paulo

Jugendliche beim Straßenkick im brasilianischen Sao Paulo

Diese Bewegung als Gegenentwurf zu dem kommerzialisierten Fußball hat mittlerweile eine große Kraft gewonnen und ist weltweit vernetzt. Und verbindet natürlich mit Straßenfußball und der Förderung desselben durchaus auch eine, beispielsweise in Südamerika, massive soziale Komponente. Ziel ist es, ein Turnier aufzubauen, bei dem man aus verschiedensten Ländern 16 Straßenfußballmannschaften hierher zur WM bekommt, und in der letzten WM-Woche auf dem Berliner Mariannenplatz ein entsprechendes Turnier durchführt. Dabei wird mit kulturellen Beiträgen aus den jeweiligen Ländern eine Menge drum herum geboten. Bei dem Treffen in London geht es darum, bestimmte Dinge im Vorfeld fest zu legen. Und das ist dann die gerne wahr genommene Gelegenheit für die Kulturstiftung, im Mutterland des Fußballs mal zu sagen: Hallo, hört mal zu, wir haben auch mal 'ne Idee. Wir machen was, was noch keiner gemacht hat. Wir umrahmen nämlich dieses ernsthafte Fußballturnier mit sehr viel spielerischer Kunst und Kultur.

Wie können Sie das WM-Motto "Die Welt zu Gast bei Freunden" praktisch umsetzen?

Dass Deutschland von der Loreley bis zu Dresden sehr viel zu bieten hat, das wissen sehr viele. Nicht unbedingt die Fußballfans, aber wir wollen im Vorfeld auch innerhalb des Landes Impulse geben, locker, kreativ, entspannt und freudig mit den Dingen umzugehen. Wir sind nun mal von der Mentalität her weder Brasilianer noch Italiener, aber wenn wir dazu beitragen können, dass ein Teil der Menschen während der WM, wenn die vielen ausländischen Gäste hier sind, ein bisschen südliche, lockere Mentalität an den Tag legt, dann wäre das schön.

Wie kann man Ausschreitungen wie denen am Ostersamstag beim Länderspiel in Slowenien begegnen? Erreicht man diese Leute überhaupt mit Kulturprogrammen?

Das ist eine schwierige Frage. Auf der einen Seite wollen wir durch unsere Programme verstärkt Fußballinteressierte auf Kultur neugierig machen, auch in den Bundesligastadien in der nächsten Saison. Andererseits wollen wir Intellektuelle und Theaterbesucher erreichen und deren Blick für den Fußball schärfen, der eben nicht nur Proletensport ist, sondern mit einem Shakespeare-Drama mithalten kann. Wir wollen beide Zielgruppen ansprechen. Dass wir mit Hooligans und ähnlichen Phänomenen zu tun haben, ist sehr bedauerlich. Dafür mag es die verschiedensten Gründe geben, aber das wird man durch ein Kunst - und Kulturprogramm ganz sicher nicht in den Griff bekommen können.

Lesen Sie im zweiten Teil, was Volker Bartsch über die kommenden Highlights im Kulturprogramm des DFB verrät und erfahren Sie seinen WM-Finaltipp.

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