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Fußball

Fußballfans fordern mehr Dialog

Die jüngsten Fan-Ausschreitungen beim Pokalspiel zwischen Hannover und Dresden verdeutlichen: Der deutsche Fußball hat ein ungelöstes Gewaltproblem. Die Fans fordern nun einen Dialog auf Augenhöhe.

Kurz vor dem 10. Spieltag war ein schmuckloses Zelt in Berlin der gefühlte Nabel der Fußball-Bundesliga. Für einige Stunden war nicht der Trainingsbetrieb auf den Vereinsgeländen das Wichtigste und auch nicht die rituellen Pressekonferenzen mit ihren stets optimistischen Ausblicken auf die kommende Partie. Nein, das Geschehen in einem VIP-Zelt auf dem Gelände des Zweitligisten Union Berlin stand im Fokus der medialen Aufmerksamkeit. Mit seinen rot-weißen Streifen erinnerte das Zelt ein wenig an einen Zirkus, was etwas irritiert, denn der Anlass war durchaus ernst.

Dynamo Dresden droht Ausschluss aus DFB-Pokal

Rund 250 Fußballanhänger aus 49 Vereinen waren zum "Fan-Gipfel" in die Hauptstadt gereist um vor allem eine Frage zu besprechen: Wie können die Fans in die aktuelle Gewalt-Debatte im deutschen Fußball miteinbezogen werden. Sie einigten sich schließlich auf eine zentrale Botschaft an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL): Zurück zum Dialog und zwar auf Augenhöhe. "Wir wollen einen Dialog. Wir wollen eine sachliche Diskussion führen", sagte Joachim Ranau, der leitende Fanbeauftragte des Bundesligisten Hamburger SV. Vor allem lehnen die Fans das neue Strategiepapier "Sicheres Stadionerlebnis", das DFB und DFL schnell zur Abstimmung stellen wollen, ab. Es klafft weiter eine Lücke zwischen Fans auf der einen und Liga sowie Verband auf der anderen Seite.

Beim Pokal-Spiel Hannover 96 - Dynamo Dresden zünden Hannoveraner Fans bengalische Feuer (Foto: Joern Pollex/Bongarts/Getty Images)

Pokal-Spiel Hannover-Dresden: Provokationen durch 96-Anhänger (Foto) und Krawalle von Dynamo-Fans.

Während also noch um die richtige Strategie gerungen wird, ist der Handlungsbedarf unübersehbar. Am Tag vor dem Gipfeltreffen von Berlin zeigten gewaltbereite Anhänger von Dynamo Dresden die hässliche Fratze des Fußballs. Mit den erneuten Ausschreitungen von Dynamo-Randalierern vor dem DFB-Pokalspiel bei Hannover 96 (3:4 i.E.) festigten die Sachsen ihren Ruf als Wiederholungstäter und Problemklub. Neun Verletzte, 18 vorrübergehende Festnahmen waren die Bilanz des sportlich ohnehin unglücklichen Abends aus Dresdener Sicht. "Beschämend" sei der Vorfall teilte der Verein mit. Dem sächsischen Traditionsklub droht nun womöglich sogar der Pokalausschluss für die kommende Saison. Eine solche Strafe hatte Dynamo vor einem Jahr erst in der Berufungsverhandlung vor dem DFB-Bundesgericht verhindern können. Damals hatte der DFB das abgemilderte Urteil "als letzte Warnung an den Verein" bezeichnet – die offenbar nicht half.

Druck vom Innenminister

So steht der deutsche Fußball trotz moderner Stadien, großem Polizeiaufgebot und komplexer Sicherheitskonzepte vor einem wachsenden Problem: Schwer kontrollierbarer und manchmal sogar organisierter Fan-Gewalt, wie die Krawalle beim Bundesligaderby zwischen Dortmund und Schalke 04. Solche Vorfälle setzen Liga und Vereine weiter unter Druck, endlich wirkungsvolle Maßnahmen zu ergreifen. Auf die hatte Innenminister Hans-Peter Friedrich gedrängt und klargemacht, dass andernfalls ein Stehplatzverbot denkbar sei – ein rotes Tuch für die Fans in Deutschland, wie die Anwesenden im VIP-Zelt von Union Berlin klar machten.

Das Konzept von DFB und DFL beinhaltet ebensolche scharfen Sanktionen wie die mögliche Einbehaltung von Fernsehgeldern, längere Stadionverbote und den Ausschluss von Auswärtsspielen. "Dieses Papier sollte in die Tonne gekloppt werden. Man sollte bei Null anfangen", erklärte Sven Brux, der Sicherheitsbeauftragte des FC St. Pauli. Stattdessen schlug er vor, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die paritätisch besetzt ist. Dafür gab es viel Applaus im Zelt.

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