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Europa

Fußball verbindet Türkei und Armenien

Fußball-Diplomatie in Eriwan: Zum ersten Mal überhaupt reist ein türkisches Staatsoberhaupt nach Armenien. Präsident Gül schaut sich dort mit seinem Amtskollegen ein Fußballspiel an.

Der türkische Präsident Abdullah Gül (2.v.r.) an der armenischen Grenze (23.7.2008, Quelle: AP)

Bisher hat sich Gül (dritter von rechts) nur bis zur armenischen Grenze vorgewagt, hier beim Besuch einer armenischen Ruinenstadt

Über die völkerverbindende Wirkung des Fußballs ist viel geschrieben worden – die Türkei und Armenien liefern nun einen Beleg: Die Länder, die seit Jahrzehnten keine diplomatischen Beziehungen unterhalten, nutzen nun ein Spiel ihrer Fußball-Nationalmannschaften für ein Signal der politischen Entspannung.

Der armenische Präsident Sersch Sarkissjan (Archiv, Quelle: AP)

Gül trifft zum ersten Mal seinen armenischen Kollegen Sersch Sarkissjan (im Bild)

Mit seinem armenischen Kollegen Sersch Sarkissjan sei am Samstag (06.09.2008) in Eriwan ein gemeinsamer Besuch des Fußballspiels Türkei gegen Armenien in der Qualifikation zur WM 2010 geplant, teilte das türkische Präsidentenbüro am Mittwoch auf seiner Internetseite mit. Die Reise Güls rund um das Fußballspiel könne ein neues Klima der Freundschaft schaffen, hieß es in der Erklärung. Es ist der erste Besuch eines türkischen Staatsoberhaupts in Eriwan.

Das Verhältnis beider Länder ist angesichts unterschiedlicher Deutungen von Ereignissen während des Ersten Weltkriegs stark belastet. Während Armenien das Osmanische Reich als Vorläufer der Türkei beschuldigt, 1,5 Millionen Armenier bei Vertreibungen getötet zu haben, spricht die Türkei von 300.000 Todesopfern und lehnt die Bezeichnung Völkermord ab. Ein zweiter Streitpunkt ist die von Armenien besetzte Kaukasus-Enklave Berg-Karabach, die völkerrechtlich zu Aserbaidschan gehört.

Entspannung ohne Anerkennung?

Armeniens Präsident Sarkissjan hatte seinen türkischen Amtskollegen eingeladen. Der Besuch Güls wird in der Türkei nun als mögliche Chance für einen Durchbruch im Verhältnis der beiden Staaten betrachtet. Sarkissjan hatte Ende August in einem Interview mit der türkischen Zeitung "Radikal" erklärt, eine türkische Anerkennung eines Völkermordes sei keine Voraussetzung für die Verbesserung der Beziehungen. Eriwan sei bereit, diplomatische Beziehungen ohne Bedingungen aufzunehmen. Gül erklärte danach, die Türkei wolle Probleme mit dem Nachbarland lösen.

Die türkische Regierung ist allerdings besorgt, dass es bei der Reise Güls am Rande des Spiels zu heftigen Protesten gegen die Türkei kommen könnte. (mag)

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