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Sport

Fußball-Tsunami und Putin-Spiele

Die beiden Mega-Events Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien und Olympische Winterspiele in Sotschi prägen das Sportjahr 2014. Doch es hat auch noch viele andere Tops und Flops zu bieten.

Das Sportjahr 2014 kulminierte aus deutscher Sicht am 13. Juli, dem Tag des

Endspiels der Fußball-Weltmeisterschaft

in Brasilien. Deutschland holte zum vierten Mal den Weltpokal, dank des Tors des eingewechselten Mario Götze in der Verlängerung zum 1:0 gegen Argentinien. "Ich habe Mario Götze gesagt: Zeig' der Welt, dass du besser bist als Messi!“, verriet Bundestrainer Joachim Löw nach dem Finale und freute sich über die Krönung seiner Laufbahn: "Dieses tiefe Glücksgefühl wird für alle Ewigkeit bleiben." Fast noch denkwürdiger als dieser 13. Juli war jedoch das Halbfinale fünf Tage zuvor, in dem Löws Elf Gastgeber Brasilien förmlich zerlegte. "Das war ein Tsunami, der da über uns herein gebrochen ist", sagte Carlos Alberto Parreira, technischer Direktor der Brasilianer, nach dem 1:7 gegen eine wie entfesselt aufspielende deutsche Mannschaft.

Klose bejubelt sein Tor im Halbfinael gegen Brasilien. Foto: Reuters

Weltmeister und Rekordtorjäger Klose

Miroslav Klose erzielte bei dieser Fußball-Gala seinen 16. WM-Treffer und darf sich nun nicht nur Weltmeister, sondern auch

WM-Rekordtorjäger

nennen. Klose beendete nach der WM seine Karriere im Nationaltrikot ebenso wie Kapitän Philipp Lahm und Verteidiger Per Mertesacker. Lahm durfte sich neben dem WM-Triumph auch noch über zwei nationale Titel freuen: Der FC Bayern München holte sich zum zehnten Mal in der Vereinsgeschichte

das Double

aus Meisterschaft und DFB-Pokalsieg.

Gold und Silber für Riesch, dann Rücktritt

Verhaltener fiel der deutsche Jubel beim anderen sportlichen Mega-Event des Jahres aus, den Olympischen Winterspielen in Sotschi. Mit achtmal Gold, sechsmal Silber und fünfmal Bronze belegte das deutsche Team nur den sechsten Rang in der Nationenwertung. Vorn lag Gastgeber Russland - zur Freude von Wladimir Putin. Der russische Präsident hatte die Spiele zur Chefsache erklärt und dafür gesorgt, dass sie perfekt inszeniert wurden. Mit Kosten von über 50 Milliarden US-Dollar waren die "Putin-Spiele" teurer als alle anderen 21 bisherigen Winterspiele zusammen genommen. Deutschlands Skistar Maria Höfl-Riesch holte sich im Kaukasus in der Super-Kombination ihre insgesamt dritte olympische Goldmedaille und gewann außerdem Silber im Super G.

Maria Höfl-Riesch beim Slalomrennen der Super-Kombination, Höfl holte Gold. Foto: Getty Images

Maria Höfl-Riesch fährt zu Olympia-Gold in Sotschi

Nach der Olympiasaison

beendete

sie ihre glanzvolle Karriere. Der bereits 40 Jahre alte Biathlet Ole Einar Björndalen schrieb in Sotschi Geschichte: Im Sprint und mit der norwegischen Mixed-Staffel feierte er seine Olympiasiege Nummer sieben und acht und stieg damit zum erfolgreichsten Winter-Olympioniken aller Zeiten auf. Bei den Paralympics in Sotschi gehörte die querschnittgelähmte deutsche Mono-Skifahrerin Anna Schaffelhuber mit

fünfmal Gold

bei fünf Starts zu den erfolgreichsten Athleten der Spiele. Für weitere wintersportliche Glanzlichter aus deutscher Sicht sorgten nach Sotschi Severin Freund und Eric Frenzel: Team-Olympiasieger Freund wurde in Harrachov als fünfter Deutscher Skiflug-Weltmeister, Frenzel Weltcupsieger in der Nordischen Kombination.

Dominanz der Silberpfeile

Zwei Mercedes-Silberpfeile an der Spitze des Feldes in Sao Paulo. Foto: Getty Images

Silber hat Vorfahrt

Die

Formel-1-Saison 2014

schimmerte so silbern wie selten zuvor. 16 der 19 Rennen endeten mit Siegen der Silberpfeile, elf davon waren sogar Mercedes-Doppelsiege. Der Brite Lewis Hamilton gewann elfmal und wurde Weltmeister, vor seinem deutschen Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg, der fünfmal erfolgreich war. Dass die Entscheidung über den WM-Titel erst beim letzten Rennen in Abu Dhabi fiel, verdankte Rosberg nur der Tatsache, dass zum ersten und wohl auch letzten Mal beim WM-Finale doppelte Punkte vergeben wurden. Diese Idee von Formel-1-Chef Ecclestone, gedacht, um die Spannung möglichst lange aufrechtzuerhalten, wurde nach der Saison wieder abgeschafft. Äußerst enttäuschend verlief das Jahr für Titelverteidiger Sebastian Vettel. Der viermalige Weltmeister landete ohne Grand-Prix-Sieg nur auf Platz fünf der Gesamtwertung und verlor auch das interne Red-Bull-Duell gegen den Australier Daniel Ricciardo, der als einziger Nicht-Mercedes-Fahrer bei drei Rennen ganz oben auf dem Treppchen stand. Nach einer Saison mit Pleiten, Pech und Pannen verabschiedete sich Vettel von Red Bull und hofft nun auf bessere Zeiten beim italienischen Traditionsrennstall Ferrari.

Retter kümmern sich um Bianchi nach dessen Unfall beim Formel-1-Rennen in Suzuka. Foto: dpa-pa

Retter kümmern sich um Bianchi

Überschattet wurde die Saison vom schweren Unfall des Marussia-Fahrers Jules Bianchi Anfang Oktober beim Grand Prix in Japan. Der Franzose erlitt schwere Kopfverletzungen und befindet sich immer noch

in kritischem Zustand

. Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher, der sich Ende 2013 bei einem Skiunfall ein schweres Schädel-Hirn-Trauma zugezogen und lange in Lebensgefahr geschwebt hatte, konnte Mitte des Jahres das Krankenhaus verlassen und die Rehabilitation zu Hause in der Schweiz fortsetzen. Genaue

Angaben über seinen Gesundheitszustand

gibt es nach wie vor nicht. "Es liegt weiterhin ein langer und harter Weg vor ihm", teilte Schumachers Managerin Sabine Kehm mit.

Kaymer gewinnt US Open, Kienle den Ironman auf Hawaii

Der deutsche Golfstar Martin Kaymer feierte eines der erfolgreichsten Jahre seiner Karriere. Im Mai gewann Kaymer in Florida die Players Championship, das Turnier mit dem weltweit höchsten Preisgeld. Im Juni triumphierte er als erster Deutscher bei den

US Open

und sicherte sich damit den zweiten Major-Titel seiner Karriere. Den ersten bei einem der vier wichtigsten Turniere hatte sich Kaymer 2010 bei der PGA Championship geholt. Mit dem Team Europas gewann der Deutsche auch noch den prestigeträchtigen Ryder Cup gegen die USA und setzte sich schließlich beim Turnier der vier Major-Sieger durch.

Golfprofi Martin Kaymer bei den US Open. Foto: Getty Images

Martin Kaymer - bei den US Open eine Klasse für sich

Einen ganz besonderen Sieg feierte auch Sebastian Kienle. Der Triathlet lag beim legendären

Ironman auf Hawaii

nach 3,86 Kilometern Schwimmen, 180,2 Kilometern Radfahren und dem Marathon-Lauf mehr als fünf Minuten vorn und trug sich damit als vierter Deutscher in die Siegerliste ein. "Das Leben beginnt dort, wo es aufhört, bequem zu sein", sagt Kienle.

Volleyballer nach 44 Jahren wieder auf dem Podest

In ausgezeichneter Form präsentierten sich auch die

deutschen Radprofis bei der Tour de France

. Sieben Etappensiege gingen auf ihr Konto, vier davon holte Sprinter Marcel Kittel. Er gewann auch die Schlussetappe auf den Champs Elysees in Paris. Dort wurde der Italiener Vincenzo Nibali als überlegener Gesamtsieger geehrt. Jens Voigt beendete im Alter von 43 Jahren seine lange Profikarriere mit einem Paukenschlag: einem neuen Stundenweltrekord auf der Bahn, der allerdings nur gut einen Monat Bestand hatte. Deutschlands Volleyballer holten bei der WM in Polen Bronze und damit die ersehnte erste Medaille seit 44 Jahren. Seit 22 Jahren warten die deutschen Tennisspielerinnen auf einen neuerlichen Triumph im Fed-Cup. Im November waren Andrea Petkovic und Co. nahe daran, verloren aber im Finale in Tschechien mit 1:3.

Hoeneß hinter Gitter, Ecclestone nicht

Uli Hoeneß bei seinem Prozess wegen Steuerhinterziehung. Foto: Reuters

Hoeneß vor Gericht

Auch jenseits der Wettkampfstätten sorgte der Sport für Schlagzeilen. Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger sagte als erster namhafter deutscher Fußballprofi öffentlich, dass er schwul sei. Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle wurde in Sotschi bei einer Dopingprobe positiv auf ein verbotenes Stimulans getestet. Das Landgericht München verurteilte Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Gefängnis. Hoeneß legte seine Posten beim FC Bayern nieder und

trat Anfang Juni seine Haftstrafe an

. Nicht hinter Gitter, aber 100 Millionen Dollar zahlen musste Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, damit das Münchener Landgericht den Bestechungsprozess gegen ihn einstellte.

Der südafrikanische Paralympics-Star Oscar Pistorius, der im Februar 2013 seine Freundin Reeva Steenkamp erschossen hatte, wurde der fahrlässigen Tötung für schuldig befunden und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Der Prozess wird jedoch

neu aufgerollt

, weil die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hat. Kein Ende in Sicht ist auch bei den Diskussionen um den Weltfußballverband FIFA wegen der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar. Der Vorwurf der Korruption steht weiter im Raum, die Kritik an FIFA-Chef Blatter verstummt nicht, sondern wird eher lauter.

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