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Sport

"Fußball ist unsere Religion"

Fußball wird oft eine integrative Kraft nachgesagt. Dass das tatsächlich der Fall sein kann, zeigt der Verein Türkische Jugend Dormagen. Für seine Arbeit ist der Club auch vom Deutschen Fußballbund ausgezeichnet worden.

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Die Mädchenmannschaft des TJ Dormagen

Ein kleines, flaches, unscheinbares Gebäude und ein großer Ascheplatz: das ist der TJ Dormagen. Seit der Verein vor 20 Jahren gegründet wurde, hat sich hier äußerlich nicht viel verändert. Trotzdem ist nichts mehr wie früher. Damals waren es Gastarbeiter, die den Club gegründet haben, es gab eine Männermannschaft. Mittlerweile kicken hier sieben Mannschaften an jedem Wochenende, erklärt Mädchen- und Jugendtrainer Gürkan Bora: "Heute sind es drei Herren-, vier Jugendmannschaften und ein Bambini-Team.“

Wie ein Lauffeuer

Training beim TJ Dormagen

Weibliche Hausmacht

Doch nicht nur zahlenmäßig habe der TJ Dormagen mächtig zugelegt, sagt Geschäftsführer Junis Duran: "Man kann sagen, dass wir ein multi-ethnischer Verein geworden sind.“ Etwa 50 Prozent der Spieler seien Türken, etwa 30 Prozent Deutsche. "Der Rest ist querbeet: Italiener, Iranerinnen, Nigerianer, Vietnamesen, Portugiesen, Kroatinnen.“

Vor zwei Jahren - so Juran - hat sich das Bild des Vereins dann komplett geändert. Seitdem hätten Mädchen und Frauen das „Zepter übernommen“. Angefangen habe man mit etwa vier Mädchen, daraus sei ein Lauffeuer geworden. "Momentan haben wir über 80 Mädchen und Damen, das ist für einen Verein mit knapp 200 Mitgliedern eine Hausmacht.“

Mit Kopftuch und Leggins

Training beim TJ Dormagen

Auch außerhalb des Platzes vorbildlich

Einige Frauen spielen mit Kopftuch, andere mit Leggins. Was die Fußballerinnen beim Training oder Spiel tragen, ist hier vollkommen egal: "Wir spielen hier auf dem Platz Fußball nach den Regeln des DFB – das ist unsere Religion". Der Rest sei unwichtig: weder Nationalität, noch Religion oder Hautfarbe. "Das darf beim Fußball auch keine Rolle spielen.“ Vorurteile passen hier nicht hin, meint auch eine der Torhüterinnen, die 19-Jährige Rabia: "Blöde Sprüche gibt’s nur ganz wenige. Ich finde es schön, dass wir auch mit Kopftuch Fußball spielen können."

Mitmachen statt zuschauen

Beim Training machen seit kurzem auch drei Mütter mit, eine von ihnen ist Hülian. Anstatt auf der Bank zu sitzen und zuzuschauen, rennt sie nun auch dem Ball hinterher. "Bei dem Wetter tut das jedem gut. Es macht ja auch viel Spaß, Fußball zu spielen.“ Mittlerweile sind auch schon ein paar Jungen da. Selcuk zeigt den Mädchen ein paar Tricks. Der 22-Jährige hat früher bei einem anderen Verein gespielt, aber da hat es ihm nicht so gut gefallen. Deshalb spielt er nun beim TJ Dormagen. "Hier ist die Gemeinschaft und der Zusammenhalt größer.“

Sahnehäubchen DFB-Preis

Training beim TJ Dormagen

Nicht alle Mütter machen beim Training mit

Und dieser Zusammenhalt wird bewusst gefördert. Einerseits werden einige Spieler und Spielerinnen als Betreuer und Trainer ausgebildet. Andererseits geben die, die schon in der Oberstufe sind, den Grundschülern Nachhilfe. Zudem hat der Vorstand einen Fond gegründet, wo jedes Mitglied einen gewissen Beitrag einzahlt. Daraus werden dann Mitgliedsbeiträge für Kinder bezahlt, die sich das sonst nicht leisten könnten. "Es werden Schuhe bezahlt, Trainingsanzüge, oder auch Fahrten wie zum Beispiel ins Phantasialand."

Für seine integrative Arbeit ist der TJ Dormagen vom Deutschen Fußball Bund ausgezeichnet worden. Eine "Riesensache" meint Gürkan Bora. Es zeige, dass die Arbeit gesehen und honoriert werde und dass man auf dem richtigen Weg sei. "Der Integrationspreis ist das Sahnehäubchen auf der Torte, die wir seit Jahren backen."

Autorin: Sarah Faupel

Redaktion: Stefan Nestler

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