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Fußball

Fußball-Holland unter Schock

Der Tod eines niederländischen Linienrichters nach einer Prügelattacke von Jugendlichen sorgt weit über die Grenzen des Landes hinaus für Entsetzen und offenbart: Die Gewalt im Fußball ist allgegenwärtig.

Richard Nieuwenhuizen sprang häufig als Linienrichter ein. Das war für den 41-Jährigen selbstverständlich, schließlich spielte sein Sohn Mykel beim SC Buitenboys in Almere nahe Amsterdam. Am Sonntag entschied Nieuwenhuizen in der Partie gegen den SV Nieuw Sloten in einer umstrittenen Situtation auf Abseits gegen die Gäste. Nach dem Abpfiff griffen mindestens drei Spieler im Alter zwischen 15 und 16 Jahren den Familienvater an, schlugen und traten ihn.

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Schock und Trauer nach Fußball-Tragödie

Nieuwenhuizen rettete sich nach Hause und wurde, als sich sein Zustand rapide verschlechterte, ins Krankenhaus eingeliefert. Der Linienrichter starb an schweren Hirnverletzungen. Drei mutmaßliche Täter wurden festgenommen. Der SV Nieuw Sloten schloss die Jugendlichen aus dem Verein aus und nahm deren Team vorerst aus der Liga. Für das kommende Wochenende wurden alle Amateurspiele abgesagt. In den Profi-Ligen werden Spieler und Schiedsrichter einen Trauerflor tragen.

74 Spieler in einer Saison lebenslang gesperrt

Der Fall Nieuwenhuizen wirft ein weiteres Schlaglicht auf die ausufernde Gewalt im niederländischen Fußball. Der Dachverband KNVB registrierte allein in der vergangenen Saison 873 Vorfälle, obwohl die Amateurvereine meist nur die schlimmsten Vergehen auch wirklich melden. Anfang des Jahres starb in Amsterdam ein 77 Jahre alter Zuschauer nach dem Karatetritt eines Spielers. 105 Amateurmannschaften wurden aus den Ligen ausgeschlossen, 74 Spieler lebenslang, 200 für zwei Jahre gesperrt. Erst im Sommer hatte der niederländische Fußballverband die Sanktionen für jugendliche Gewalttäter gelockert. Seitdem können sie nicht mehr auf Dauer, sondern höchstens für drei Jahre von den Plätzen verbannt werden. Es gehe darum, "den Jugendlichen noch eine zweite Chance zu geben", hatte der Verband diesen Schritt begründet.  

Wie in Deutschland wird auch in den Niederlanden jetzt wieder der Ruf nach einem harten Durchgreifen gegen Fußball-Gewalttäter laut. Der für den Amateurfußball zuständige KNVB-Vorsitzende Bernard Fransen schlägt Alarm: "Wir haben ein großes Gesellschaftsproblem und stehen mit dem Rücken zur Wand. Für uns ist das Problem nicht lösbar, wir brauchen Hilfe."

Blatter setzt auf "positive Kraft" des Fußballs

Es müsse jetzt etwas geschehen, sagte auch der niederländische Justizminister Ivo Opstelten. Fußballverband und Vereine dürften den tödlichen Angriff auf den Linienrichter nicht als einmaligen Vorfall sehen: "Dafür ist das zu ernst." Sportministerin Edith Schippers forderte ebenfalls Konsequenzen: "Das hat mit Sport nichts zu tun und kann unter keinen Umständen toleriert werden."

Joseph Blatter, Präsident des Weltverbands FIFA, sprach sein Mitgefühl aus. "Fußball ist ein Spiegel der Gesellschaft", schrieb Blatter an den niederländischen Verband. "Leider zeigen sich die gleichen Missstände, in diesem Fall die Gewalt." Er setze jedoch weiter auf die positive Kraft des Fußballs. Der unermüdliche Einsatz von Menschen wie Linienrichter Nieuwenhuizen sei beispielhaft.

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