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Kultur

Fußball, Hippies und Kalter Krieg

Seit seiner Eröffnung 1994 ist das Bonner "Haus der Geschichte" ein Publikumsmagnet. 9,5 Millionen Menschen haben es bislang besucht. Jetzt wurde die Dauerausstellung "Deutschland seit 1945" aufwändig modernisiert.

Bundespräsident Christian Wulff (r) schaut sich am Montag (23.05.2011) in Bonn im Haus der Geschichte mit dem Leiter Hans Walter Hütter (l) Informationen zum sowjetischen Satellit Sputnik an. Bundespräsident Christian Wulff hat die neu gestaltete Dauerausstellung im Haus der Geschichte eröffnet. Foto: Oliver Berg dpa/lnw

Der pinkfarbene VW-Transporter Baujahr 1966 – auch "Bulli" genannt“ - ist schon jetzt das Kultobjekt Nummer eins in der neu gestalteten Dauerausstellung. 1975 wurde er mit Blumen und Regenbogen bemalt, mit Hanfgirlanden verziert, innen sind nun Lammfelljacke und Gitarre drapiert – Insignien jener Zeit, in der Flower-Power die Jugendkultur regierte und sanftmütige Hippies das biedere Bürgertum aufregten. Jetzt prangt das Gefährt, das sich lange in Kalifornien befand, in der Bonner Ausstellung. Fußballfans wiederum werden nun im "Haus der Geschichte" vielleicht Gefallen finden an einer recht simpel aussehenden kleinen Holzbank mit der Aufschrift "Dienstpersonal": Sie stand 1954 im Wankdorf-Stadion Bern – damals, als die deutsche Mannschaft Fußballweltmeister wurde. Und sie ist einer der letzten Reste des Stadions, das 2001 abgerissen wurde.

Zeichen des Kalten Krieges

Nicht überall da, wo man neue Objekte eingefügt und alte anders präsentiert hat, handelt es sich freilich um Phänomene in einer friedlich-freien Welt. Eines der wichtigsten Ausstellungsstücke ist ein sperriges Metallding und hat eine lange Reise hinter sich: Es kommt aus dem Moskauer Museum der Russischen Streitkräfte, wie Stiftungspräsident Hans Walter Hütter stolz erläutert. "Das ist ein Wrackteil der abgeschossenen U 2, eines amerikanischen Spionageflugzeuges. Dieses Flugzeug wurde 1960 über dem Ural von der Sowjetunion abgeschossen und wir haben es jetzt im Original als Symbol für den Kalten Krieg hier in der Ausstellung." Ausgestellt wird nun auch der martialisch aussehende Turm eines sowjetischen Panzers vom Typ T-34, einer jener Panzer, die am 17. Juni 1953 den Volksaufstand in der DDR niederwalzten.

Lebendige Geschichte

Die Nachbildung des Brandenburger Tores steht am Montag (23.05.2011) in Bonn im Haus der Geschichte. Bundespräsident Wulff hat die neu gestaltete Dauerausstellung im Haus der Geschichte eröffnet. Foto: Oliver Berg dpa/lnw +++(c) dpa - Bildfunk+++

Die Nachbildung des Brandenburger Tors ist ein Blickfang in der Ausstellung

"Drei Jahre haben wir geplant, acht Monate gebaut", sagt Hans Walter Hütter. Dabei seien aktuelle historische Forschungen genutzt worden, Erkenntnisse der Museumspädagogik, Anregungen der Besucher, aber auch Kontakte zu Sammlern. Insgesamt sei es darum gegangen, die Einbettung der nationalen deutschen Entwicklungen in die internationalen Rahmenbedingungen stärker hervorzuheben.

Der Gang durch die chronologisch aufgebaute Ausstellung ist, trotz der gelegentlichen Überfülle, informativ und unterhaltsam. Hörstationen – darunter auch neue, in denen prominente Zeitzeugen zu Wort kommen –, Filme, Dokumente, Plakate und Alltagsgegenstände demonstrieren, wie die Menschen in beiden Teilen Deutschlands gelebt haben, was sie bewegte und interessierte. Thematisiert wird alles, von Wahlen, Wirtschaftsentwicklung, Wiedervereinigung bis zu Kunst, Kultur und Kirche.

Neue Themen

Ein sowjetischer T-34 Panzer steht am Montag (23.05.2011) in Bonn im Haus der Geschichte in dem Ausstellungsteil über den 17. Juni 1935. Bundespräsident Christian Wulff hat die neu gestaltete Dauerausstellung im Haus der Geschichte eröffnet. Foto: Oliver Berg dpa/lnw +++(c) dpa - Bildfunk+++

Ausstellungsobjekt sowjetischer T-34 Panzer

Völlig verändert wurde der letzte Raum, in dem unter dem Stichwort "Globalisierung" Themen von heute angesprochen werden. Das Tagebuch eines Bundeswehrsoldaten vermittelt Eindrücke vom Afghanistan-Einsatz. Das Modell der Zugspitze mit ihren immer kleiner werdenden Gletschern steht für den Klimawandel. Fragen von Migration und Integration werden symbolisiert durch das Holzmodell der neuen Moschee in Köln-Ehrenfeld, aber auch durch den Hut des ersten türkischstämmigen Schützenkönigs in Deutschland. Von hier aus tritt der Besucher dann hinaus - in die Gegenwart.

Zur Wiedereröffnung am Montag (23.05.2011) kam auch Bundespräsident Christian Wulff. Er lobte das Haus als einen Ort "lebendiger Auseinandersetzung mit der jüngeren und jüngsten Geschichte" und fügte hinzu, dass Geschichtsbewusstsein Mut zum Wandel mache. Das Bonner Museum trage mit seiner Arbeit zur Zukunft der Demokratie bei, aber auch zum Zusammenhalt in der Gesellschaft. Stiftungspräsident Hütter sagte es einfacher, meinte aber dasselbe: "Wir bleiben am Puls der Zeit. Wir wollen Geschichte lebendig, emotional und kontrovers darstellen, wir wollen Fragen provozieren und zum Nachdenken anregen. Geschichte soll dabei von allen verstanden werden."

Autorin: Cornelia Rabitz

Redaktion: Petra Lambeck

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