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Fußball

Fußball-Funktionäre schlagen Alarm

Nach einem Hooligan-Überfall auf einen Mönchengladbacher Fan-Bus rufen DFB und Bundesliga nach staatlicher Hilfe im Kampf gegen Randalierer. Andere EU-Staaten gehen schon jetzt rigoroser vor.

Vermummte Fussballfans zünden im Stadion bengalische Feuer. Foto: dpa

Außer Kontrolle

Polizisten führen einen gefesselten Hooligan ab

Noch konsequenter durchgreifen?

"Wer Gewalt anwendet, muss konsequent von Polizei und Justiz zur Verantwortung gezogen werden. Das kann nicht Sache des Fußballs sein", meinte Hendrik Große Lefert, Sicherheitsbeauftragter des Deutschen Fußball-Bunds (DFB), nach dem Überfall auf einen Mönchengladbacher Fanbus am vergangenen Wochenende. Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL) mahnte mehr Unterstützung durch die Politik an: "Ganz allein bekommen wir die Gewalt nicht raus. Wir fühlen uns ein klein wenig allein gelassen." Die Strafverfolgung von Hooligans sei zwar Sache des Staates, entgegnete der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach, Vorsitzender des Bundestags-Innenausschusses, "aber die Polizei des Bundes und der Länder stoßen langsam an ihre Grenzen".

Flucht vor vermummten Gewalttätern

Am Sonntagabend (04.03.2012) war ein Fan-Bus des Bundesligisten Borussia Mönchengladbach von Hooligans aus dem Umfeld des 1. FC Köln angegriffen worden. Zunächst hatten mehrere Fahrzeuge den Bus verfolgt, ausgebremst und auf einen Rastplatz abgedrängt. Dort schlugen vermummte Gewalttäter mit rot-weiß angemalten Ziegelsteinen und Eisenstangen die Scheiben des Busses ein. Darin saßen 34 Mönchengladbacher Fans, die auf dem Rückweg vom Bundesligaspiel in Nürnberg waren. Um dem Überfall zu entkommen, drückte der Busfahrer aufs Gaspedal und fuhr wieder auf die Autobahn. Erst kurz vor Köln konnte die Polizei die Hetzjagd stoppen. Sie ermittelt gegen mehr als zehn Verdächtige, darunter ein Vorstandsmitglied der FC-Fangruppe "Wilde Horde".

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Der 1. FC Köln distanzierte sich von den Hooligans und kündigte an, dass überführte Randalierer mit dem Ausschluss aus dem Club und einem bundesweiten Stadionverbot mit maximaler Laufzeit rechnen müssten. In Deutschland wurden nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Ralf Jäger zwischen Juli 2010 und Januar 2012 insgesamt 2859 Stadionverbote ausgesprochen.

Fanausweise und Schnellverfahren

Andere EU-Staaten gehen im Kampf gegen die Gewalt von Fußballfans wesentlich rigoroser vor. In Großbritannien etwa müssen sich fast alle Kartenkäufer bei den Vereinen registrieren lassen. Stehplätze wurden abgeschafft, die Fans werden lückenlos mit Videokameras überwacht. Randalierer riskieren Gefängnisstrafen und lebenslange Stadionverbote. In Italien wurden bereits 2009 elektronisch lesbare Fanausweise eingeführt. Fans müssen sie vorlegen, wenn sie Dauerkarten oder Tickets für Auswärtsspiele kaufen wollen. In Polen können Hooligans schon im Stadion abgeurteilt werden – von Richtern, die per Video live zugeschaltet sind. Zumindest in Großbritannien und Italien sind die Ausschreitungen von Fußballfans nach Angaben der Polizei seltener geworden.

Autor: Stefan Nestler
Redaktion: Joscha Weber

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