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Welt

Fußball als Schule fürs Leben

Fußball eint ganz Kamerun. Denn wenn der Ball rollt, geht es nur noch um das Spiel. Wie auch beim Kinderturnier in Jaunde. Ein Ex-Fußballstar hat es auf die Beine gestellt – und gleich eine ganze Fußballschule dazu.

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Kamerunische Fußball-Schüler: Tor!

Beinahe hätte der Baum wieder alles zunichte gemacht. Doch der Stürmer mit den zwei verschieden farbigen Schuhen hat ihn geschickt umspielt und seine Flanke versenkt sein Teamkamerad unhaltbar zum 3 zu 2. Endstand. Sieg! Eine Runde weiter im Kinder- und Jugendturnier der "Association Sport et Culture", einer Fußballschule für ganz normale, also arme, Kinder in Kameruns Hauptstadt Jaunde. Und weil auch die Schule kein Geld hat, wird eben auf einem kleinen Platz zwischen Schrottautos und Ausfallstraße gespielt. Ein Platz, auf den auch ein Baum Anspruch erhebt und der mitten auf dem Fußballfeld steht.

Kein Zug nach Europa

Batala Petit Djermain

Schulgründer Batala de Germaine

Batala de Germaine lacht. "Ja, in Kamerun braucht man eine Lizenz, um einfach nur Fußball zu spielen. Aber nicht unbedingt einen baumfreien Fußballplatz." Der 29-Jährige hat dieses Fußballturnier auf die Beine gestellt. Acht Mannschaften mit Jungs im Alter von 7 bis 15 Jahren treten gegeneinander an, darunter auch zwei Teams seiner "Association Sport et Culture". Die jungen Nachwuchsstars haben nicht alle Turnschuhe und Trikots, aber alle haben sehr viel Freude und Leidenschaft. "Und genau die hatte ich zum Ende meiner Karriere nicht mehr", erzählt de Germaine. Er war ein Star in Kamerun, Mittelfeldspieler beim Erstligisten Union Douala. Wie alle Fußballspieler hoffte er auf eine Karriere in Europa, aber irgendwann war der Zug abgefahren und statt einfach noch ein paar Jahre dran zu hängen, "hing ich den Job an den Nagel und erfüllte mir einen Traum: eine Fußballschule zu gründen", sagt de Germaine.

Eine Schule, in der die Kinder Fußball lernen, aber auch zu traditionellen afrikanischen Kultur-Veranstaltungen gehen – damit sie mehr über ihre Geschichte und Identität erfahren.

Eine Schule für Jedermann

Arnold Ayuba

Gilt als kommender Fußball-Star: Arnold Ayuba

Und es dauerte nicht lange, bis er viele Schüler hatte. Schüler, wie Arnold Ayouba, den 16-jährigen Stürmer, der das größte Talent in der "Association Sport et Culture" ist. Beim Turnier muss er gleich zweifach ran, auch als Schiedsrichter ist er gefragt. "Aber egal ob als Schiedsrichter oder Spieler – mir macht es einfach immer Spaß, auf dem Platz zu stehen", sagt er. Und natürlich träumt er davon, eines Tages in der Nationalmannschaft zu spielen. "Zur WM in Südafrika werde ich es wohl nicht mehr schaffen, aber vielleicht ja in ein paar Jahren." Und Chancen hätte er, meint sein Coach Maurice Mukalla: "Denn er hat einen sehr guten Sinn für das gesamte Spiel, nicht nur fürs Tore schießen."

Fußballplatz Kamerun

Windschiefe Tore, Baum auf dem Platz

Solche Träume hat Renec-Mitspieler Patrick Mwoto nicht. Er ist ein Straßenkind, obdachlos, Narben überziehen seinen nackten Oberkörper. Zusammen mit einigen anderen Straßenkindern hat er extra für dieses Turnier ein Team gegründet. Renec – "Ressort National des Enfants Cameroun". Ein großer Name, der aber auch wiedergibt, wie stolz die Jungs sind, hier mitmachen zu dürfen. Patrick Mwoto: "Auf der Straße zu leben heißt, ein Nichts zu sein, ein Niemand ohne Identität. Hier sind wir mal ein Jemand." Die Jungs machen sich warm, diszipliniert strecken sie Muskeln und Sehnen. Der Fußball verändert auch das Verhältnis zum eigenen Körper. Drogenkonsum und Selbstverstümmelung, sonst häufig unter Straßenkindern, kommen in Patricks Team kaum noch vor.

Straßenfußball von Straßenkindern

Straßenkinder aus Jaunde

Team von Straßenkindern –ganz rechts Patrick Mwoto

"Aber auch, wenn wir hier tolle Erfolge haben, grundsätzlich fehlt es an fast allem", sagt Batala de Germaine. Vor allem an Schuhen und Trikots, auch wenn manchmal Europäer ein paar Sachen spenden. Die Schule kann es sich nicht leisten, alle Schüler auszurüsten. Und ein Fußballfeld ohne Baum wäre auch sehr hilfreich. Doch an einem mangelt es nicht: an Optimismus – auch, was die Chancen der Nationalmannschaft Kameruns bei der Fußball-Weltmeisterschaft angeht. "Wir spielen im Finale gegen Deutschland", ist Arnold Ayouba überzeugt. Auch wenn er sich ein ironisches Augenzwinkern nicht verkneifen kann.

Autor: Dirk Bathe

Redaktion: Katrin Ogunsade