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Afrika

Fußball als Chance in Südafrika

Das Johannesburger Viertel Hillbrow galt jahrelang als Hochburg von Jugendbanden, Drogen und Gewalt. Doch das hat sich geändert: Ein Fußballprojekt holt die Kinder von der Straße. Ein ganzer Stadtteil profitiert davon.

Zwei Jungs spielen Fußball (Bild: Anna Kuhn-Osius)

Neue Perspektiven mit Fußball in Hillbrow

Fußballfest in Hillbrow, einem Problemstadtteil von Johannesburg. "Schoscholoza", singen die Mädchen und Jungen im Chor - ihr Lieblingslied zur Weltmeisterschaft. Eine Gruppe Teenager begleitet den Chor auf Trommeln. Sie stehen auf einem neuen, leuchtend grünen Kunstrasenplatz - mitten in Hillbrow. Nebenan wurde vor kurzem ein Spielplatz eröffnet. Die angrenzenden Hochhäuser sind neu gestrichen, der Bürgersteig sauber gekehrt. Patricia erkennt ihre Gegend kaum wieder: "Dieser Platz hier war vorher eine Müllhalde, auf der Leute illegale Geschäfte betrieben haben. Es ist unglaublich, wie sehr sich Hillbrow verändert hat."

Ausschreitungen und Chaos

Jahrzehntelang war Hillbrow berühmt berüchtigt: An Silvester war es traurige Tradition, dass die Leute Kühlschränke und Automotoren von ihren Balkonen auf die Straße warfen. Mehrere Menschen starben jedes Jahr nach Ausschreitungen, tagelang herrschten im Viertel kriegsähnliche Zustände. Die weltweite negative Berichterstattung weckte die Behörden: Hillbrow wurde zum Johannesburger Entwicklungsziel Nummer eins vor der Weltmeisterschaft.

Einsatz der Anwohner

Vor allem waren es aber die Bewohner, die die Sache selbst in die Hand nahmen: "Wir Anwohner haben uns zusammengesetzt und überlegt, wie wir Hillbrow sicherer und lebenswerter machen können", erzählt Patricia, die seit Beginn an dem Projekt beteiligt ist. "Man konnte sich in Hillbrow nicht mehr auf die Straße trauen, ohne überfallen zu werden. Das sollte sich ändern."

Weniger Verbrechen

Timothy (Bild: Anna Kuhn-Osius)

Ehrenamtlicher Fußballtrainer: Timothy

Sicherheitskräfte wurden eingestellt, eine Straßenreinigung aktiviert. Die Stadt Johannesburg half, die Gebäude zu sanieren. Und schließlich entstand für die Kinder des Viertels dieser Fußballplatz - damit die Kinder etwas zu tun haben und nicht auf dumme Gedanken kommen. Denn eine heile Welt ist Hillbrow noch lange nicht. "Kinder, die hier aufwachsen, sind täglich mit Gewalt, Kriminalität und Drogenmissbrauch konfrontiert", sagt Fußballtrainer Timothy. Er kommt selbst aus Hillbrow. "Für die Kinder hier sind Verbrechen normal. Aber seit wir mit dem Fußballprojekt angefangen haben, ist die Kriminalitätsrate tatsächlich zurückgegangen. Den Kindern ist jetzt Fußball einfach wichtiger als das, was sich auf der Straße abspielt."

Mehr als 50 Kinder hat Timothy täglich auf dem Platz, er trainiert sie ehrenamtlich. "Am Anfang war es das reine Chaos", sagt er. Aber mittlerweile seien die Kinder diszipliniert: "Sie wollen etwas lernen und sind dankbar, dass sich jemand um sie kümmert."

Sport statt Alkohol

Auf dem Fußballplatz wird fast rund um die Uhr gespielt. Für viele hier ist Fußball der wichtigste Sinn ihres Lebens. Auch der 16-jährige Calvin kommt aus einer Problemfamilie. Er ist jeden Tag auf dem Platz. "Fußballspielen hält dich davon ab, Blödsinn zu machen", sagt er und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Seine Mannschaft hat gerade 2:0 gewonnen. "Wenn du Sport machst, rauchst und trinkst du nicht, dass macht ein Sportler nicht. Immer trainieren, Fußball-Turniere, Gymnastik: Fußball lehrt dich Disziplin und Respekt. Das bringt unser Trainer uns bei. Wir respektieren uns gegenseitig, statt uns zu schlagen."

Zuschauer (Bild: Anna Kuhn-Osius)

Begeisterung auch bei den Zuschauerinnen

Die deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) fördert das Projekt und bildet die Trainer aus. Denn hier geht es nicht nur um eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung: Durch den Fußball werden außerdem Themen wie Respekt, Gleichberechtigung und AIDS-Prävention spielerisch vermittelt.

Die neue Bafana Bafana

So sollen die Jungen und Mädchen aus Hillbrow fit gemacht werden - fürs Leben außerhalb des Platzes. Trainer Timothy weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, hier aufzuwachsen und keine Chance zu bekommen. Man muss die Sache selbst in die Hand nehmen, sagt er: "Das Projekt hat auch mich verändert. Es macht mich stolz, dass ich den Kindern etwas vermitteln kann - etwas, dass ich selbst damals in Hillbrow nicht hatte, kann ich ihnen jetzt geben. Ich lehne mich nicht zurück und warte, dass andere etwas für dieses Viertel tun - ich tue es!"

Manche haben es schon geschafft: Raus aus Hillbrow, an die Universitäten, in gut bezahlte Jobs, sogar in den Profi-Fußball. Davon träumen die Jungs hier auf dem Platz. Calvin trainiert hart für seine Profikarriere. Denn eines steht für den Teenager fest: "Wir sind das nächste Bafana Bafana-Team!" Die nächste Generation der südafrikanischen Nationalmannschaft kommt mit Sicherheit aus Hillbrow.

Autorin: Anna Kuhn-Osius

Redaktion: Christine Harjes