1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Fußball-Aktien zum Verlieren verdammt

Manchester United ist bei weitem nicht so wertvoll wie gedacht. Der englische Fußball-Rekordmeister musste bei seinem US-Börsengang deutliche Abstriche hinnehmen. Beileibe kein Einzelfall.

ARCHIV - ManU-Fans, aufgenommen während der Partie der Gruppe C zwischen Rumänien und Italien am 13.06.2008 bei der EM im Letzigrund Stadion in Zürich, Schweiz. Manchester United geht in den USA an die Börse. Mit den Einnahmen aus dem Börsengang sollen die hohen Schulden des Clubs abgebaut werden, die noch aus der Zeit der Übernahme durch Glazer herrühren. Foto: Gerry Penny +please note UEFA restrictions particularly in regard to slide shows and 'No Mobile Services'+ (zu dpa-KORR: «Manchester United geht in New York an die Börse» vom 04.07.2012) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Manchester United Fans Ultras

Angesichts der Rückkehr des englischen Traditionsfußballklubs Manchester United an die Börse warnen Anlageberater und Verbraucherschützer vor überzogenen Erwartungen an die Aktien von Fußballclubs. "Für Anleger sind solche Titel generell eher Liebhaberobjekte", sagte Thomas Fuggenthaler, Unternehmensberater und Experte für Sportökonomie bei Ernst&Young, der Nachrichtenagentur dapd.

Im Prinzip seien "solche Aktien aus Verbrauchersicht eher kritisch zu sehen", warnt auch Thomas Mai, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen. Die Papiere von Fußballklubs betrachtet er eher als "Liebhaberei" als eine nennenswerte Wertanlage. Sein Tipp: Wenn überhaupt, so sollten Privatanleger sie seiner Ansicht nach höchstens "sehr sparsam einstreuen" ins Depot. "Spielgeld" lautet das Urteil des Experten in einem Wort. Rein renditeorientierten Anlegern, da sind sich fast alle Anlageberater und Analysten einig, sei daher dringend abzuraten, solche Aktien zu zeichnen.

Für die Vereine seien Börsengänge hingegen "ein probates Mittel, um kurzfristig an zusätzliche Finanzmittel zu kommen", betont Ernst&Young-Experte Fuggenthaler. Das scheint auch der US-amerikanische Milliardär und Großinvestor Malcolm Glazer so zu sehen, der 2005 mit einigen Familienangehörigen die Mehrheit bei Manchester United übernahm und den Verein von der Börse nahm. Die Aktien wurden am Freitag (10.08.2012) an der New York Stock Exchange lediglich zu einem Preis von 14 Dollar anstatt der angepeilten 16 bis 20 Dollar ausgegeben, wie der englische Fußball-Rekordmeister am Donnerstag mitteilte. Damit erlöst der Traditionsclub, der den größten Börsengang eines Sportvereins auch zum Abbau seiner Schuldenlast nutzen will, mit 233,2 Millionen Dollar rund 100 Millionen weniger als erhofft.

Stadion von Borussia Dortmund (Copyright by : sampics Photographie)

Auf dem Rasen top, an der Börse ein Flop: Borussia Dortmund

Geld, das der chronisch klamme Klub dringend gebrauchen kann: Vor Beginn der neuen Saison steht der sportlich zuletzt nicht sonderlich erfolgsverwöhnte 19-malige britische Meister laut Medienberichten mit über 500 Millionen Euro in der Kreide. Allerdings ist der Gesamtwert des Klubs vom US-amerikanischen Magazin "Forbes" unlängst auf 2,24 Milliarden Dollar taxiert worden. Sofort verfügbare Barmittel dürften angesichts entgangener Fernsehmillionen nach dem frühen Champions-League-Aus bei ManU dennoch sehr willkommen sein.

"Erfolg nicht zu 100 Prozent planbar"

Was für den Lieblingsklub gut ist, muss für den fußballbegeisterten Kleinanleger aber nicht billig sein, sondern kann richtig ins Geld gehen. Das haben in Deutschland die Aktionäre von Borussia Dortmund zu spüren bekommen, der als bisher einziger deutscher Profiklub den Gang an die Börse gewagt hat. Nach dem von viel Euphorie und Marketing-Tamtam begleiteten Börsengang des amtierenden Deutschen Meisters im Oktober 2000, ging die Begeisterung für das BVB-Papier fast so schnell in den Keller wie der Kurs des Papiers. Heute ist die Borussia-Aktie trotz der jüngsten sportlichen Erfolge der Schwarz-Gelben mit einem Wert von aktuell 2,42 Euro immer noch meilenweit vom ursprünglichen Ausgabepreis von elf Euro entfernt.

Eine Garantie, dass die United-Aktie an der Wall Street einschlägt wie ein Fernschuss von ManU-Stürmer Wayne Rooney, kann Anlegern derzeit jedenfalls niemand geben. Das liege in erster Linie an der "sehr hohen Abhängigkeit vom sportlichen Erfolg", die bei solchen Werten generell bestünde, erläutert Fuggenthaler. "Man kann Erfolg nicht zu 100 Prozent planen, weder im Sport noch in der Wirtschaft", gibt der Fußballökonom zu bedenken. Allerdings hätten es Unternehmen aus klassischen Branchen "eher selbst in der Hand", durch weitsichtige Unternehmenspolitik und durch Anziehen der unternehmerischen Stellschrauben die Weichen auf Erfolg zu stellen.

Anders im schnelllebigen Geschäft Profifußball: "Im Fußball kann im Extremfall ein verschossener Elfmeter die Champions-League-Teilnahme kosten". Das wiederum wirke sich "direkt auf den Unternehmenswert und die Perfomance der Vereinsaktie an der Börse" aus. Das könnte auch der Grund dafür sein, dass Fußballtitel an den Börsen der Welt nach wie vor echten Exotenstatus haben. Bis heute ist erst eine Handvoll Klubs dem Beispiel des Londoner Vereins Tottenham Hotspur gefolgt, der vor knapp 20 Jahren als erster europäischer Klub den Schritt auf das Börsenparkett wagte - darunter Ajax Amsterdam, Olympique Lyon, AS Rom und Galatasaray Istanbul, meistens ohne nennenswerten wirtschaftlichen Erfolg.

Warum also überhaupt einen Teil der Ersparnisse in Fußballaktien investieren, anstatt sein Geld beim Stadionbesuch lieber in Eintrittskarten, Fanschals und Stadionwurst zu investieren? "Da steckt viel Emotionalität dahinter", vermutet Unternehmensberater Fuggenthaler. Spaß am Geld verlieren? Aus streng renditeorientierter Sicht ist das ein Unding, für fußballverrückte Fans aber nicht zwangsläufig ein Widerspruch. Dass das Beispiel BVB in den nächsten Jahren in der Bundesliga Schulen machen wird, hält Fuggenthaler für unwahrscheinlich. "Das wird wohl ein singuläres Ereignis bleiben", prognostiziert der Experte, allein schon wegen der zusätzlichen Auflagen, die ein Börsengang für einen Profiklub mit sich bringe.

Der Aufwand, der mit den damit verbundenen Berichts- und Transparenzpflichten verbunden sei, sei für die Klubs enorm. Wenn deutsche Profiklubs Kapital aufnehmen würden, täten sie das nach Ansicht der Experten eher durch den Einstieg von Großsponsoren, wie dies beispielsweise Schalke 04 mit den 80-Millionen-Euro-Deal vorgemacht hat, die der russische Hauptsponsor von 2011 bis 2017 zur Verfügung stellen will, oder über die Ausgabe von Schuldscheinen.