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Fruchtbare Früchte

Feldfrüchte, Leibesfrüchte oder die Früchte der Arbeit: Ob es sich dabei um Obst, Gemüse oder etwas ganz anderes handelt, ist nicht immer eindeutig. Nur eins ist klar: Wenn etwas fruchtet, dann bringt es Ertrag.

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Fruchtbare Früchte

„An apple a day keeps the doctor away.“ Auf Deutsch heißt das: „Ein Apfel am Tag hält den Arzt fern.“ Das klingt zwar nicht so elegant wie das englische Original, doch der Spruch ist auch in Deutschland zur Volksweisheit geworden. Dem Apfel wird zugeschrieben, dass er für so ziemlich alles gut sei - von der Krebsprävention bis zur Linderung von Asthma. Auch für besseren Sex soll der tägliche Apfel sorgen. Dafür, dass mit dem Apfel die Vertreibung aus dem Paradies begann, hat er einen ziemlich guten Ruf.

Frucht, Obst oder Gemüse?

Maiskolben, Trauben, Pflaumen und Äpfel liegen auf einem Tuch (picture-alliance/dpa/R. Oettel)

Sind das Früchte oder Obst? Das ist hier die Frage

Der Apfel ist eine Frucht, und was ist dann Obst? Eine Frucht ist eine Frucht, verrät das Lexikon, wenn sie von einer Pflanze hervorgebracht wird, damit in ihr der Samen heranreifen kann. Diese Definition trifft allerdings auch auf Obst zu. Aber Obst ist - im Gegensatz zur Frucht - immer essbar, meistens saftig und manchmal süß. Also sind nicht alle Früchte Obst, aber jedes Obst ist eine Frucht. Ein bisschen verwirrend ist das schon.

Und es wird noch komplizierter: Die Antwort auf die Frage, was Obst und was Gemüse ist, fällt unterschiedlich aus - je nachdem, wen man fragt. Botanisch korrekt wird zwischen einjährigen und mehrjährigen Pflanzen unterschieden. Obst wächst an Bäumen und Sträuchern und bringt jedes Jahr neue Früchte hervor – wie zum Beispiel ein Apfelbaum. Gemüse hingegen, wie Kartoffeln oder Zwiebeln, wird als ganze Pflanze geerntet, ist also einjährig.

Wenn jemand auf die Bitte hin, ein wenig Obst aus dem Laden mitzubringen, mit Paprika, Tomaten und Gurken nach Hause kommt, wird er wohl schief angeschaut werden. Höchstens ein Botaniker würde sagen: Alles richtig gemacht.

Lecker oder nicht

Schälchen mit Erdbeeren stehen nebeneinander (picture-alliance/PA_Wire/L. Whyld)

„Erdbeergemüse“ aus der Kantine

Für die Alltagssprache allerdings ist das Gemüse, denn das Wort kommt vom mittelhochdeutschen Wort „gemüese“ und bezeichnet eine Nutzpflanze, die gekocht ist - wie im Wort „Apfelmus“. Gemüse muss man also kochen. Wie bitte? Möhren kann man doch roh essen, oder? Diese Definition taugt also auch nichts. Dann versuchen wir mal die nächste. Obst schmeckt ohne Gewürze und ist süß. Gemüse ist roh nicht lecker.

Ok, aber so eine schöne frische Paprika? Und wie eklig sind eigentlich rohe Quitten, die ja wohl eindeutig zum Obst gezählt werden! Wissenschaftlich mag sich diese Frage noch klären lassen – etwa, indem man sagt: Obst sind Früchte und Gemüse die übrigen essbaren Teile einer Pflanze. Doch die Sprache weigert sich einfach, das anzuerkennen. Bei uns in der Kantine gibt es übrigens ab und zu Erdbeergemüse.

Sprachliche Früchte

Ein Junge mit großer Brille schaut sich ein Molekülmodell an (Imago/Westend61)

Wenn sich das menschliche Gehirn anstrengt, wird es mit Früchten der Erkenntnis belohnt

Zurück zu den Früchten. Es gibt die Früchte des Feldes, das kann auch Getreide sein. Auch Hülsenfrüchte wie Bohnen und Linsen sind Früchte und der Pilzsammler nennt das, was er da in seinem Körbchen hat, gerne auch Früchte des Waldes.

Eine Frucht ist alles, was irgendwie hervorgebracht wird. Übrigens längst nicht nur von Pflanzen. Die Frucht einer Anstrengung wird von menschlichen Gehirnen hervorgebracht, und wer die Früchte seiner Arbeit erntet, für den hat sich ein Job gelohnt. Wenn allerdings bei einer Sache nichts herauskommt, dann heißt es schnell: Das fruchtet nichts.

Es gibt den fruchtbaren, also nützlichen Gedankenaustausch und die fruchtbaren Tage einer Frau, die Zeit, in der sie durch den Samen des Mannes befruchtet werden kann. Das Ergebnis, der heranreifende Fötus, heißt manchmal noch Leibesfrucht, auch wenn dieser Ausdruck heute sehr biblisch anmutet.

Fruchtbare Redewendungen

Adam und Eva stehen neben einem Apfelbaum, um den sich eine Schlange windet (Johannes Lüthi - Fotolia.com)

Der Paradiesapfel ist in der Bibel eine verbotene Frucht für Adam und Eva

Essen ist lebensnotwendig. Kein Wunder also, dass Sprichwörter und Redewendungen immer wieder gern auf Früchte zurückgreifen, um etwas bildhaft auszudrücken. Wer jemandem die Kastanien aus dem Feuer holt, tut das, was der andere gerne vermeidet. Wer plötzlich nicht mehr beachtet wird, der wurde fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. Der Erbsenzähler nimmt alles sehr genau und ist deswegen unbeliebt.

Dafür, dass die Tomate treulos ist, gibt es gleich mehrere Erklärungen. Einmal ist der Tomatenanbau nicht ganz einfach und geht leicht schief. Außerdem hielt man die Tomate, die früher übrigens auch Liebesapfel oder Paradiesapfel hieß, lange Zeit für giftig. Und als Italien im Ersten Weltkrieg ein politisches Bündnis aufkündigte, galten die Italiener, die ja gerne Tomaten essen, ebenfalls als treulos.

Aber eigentlich macht das den Kohl auch nicht fett,  und es interessiert nicht die Bohne. Und bevor jemand meint, das sei doch alles Banane, sei ihm empfohlen: Wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach Limonade draus.

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