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Politik

Front gegen die Todesstrafe

Ob Giftinjektionen in Texas oder öffentliche Enthauptungen in Saudi-Arabien: Die Todesstrafe ist noch immer gängige Praxis in 47 Ländern. Der 2. Weltkongress gegen die Todesstrafe in Montreal setzt ein Zeichen dagegen.

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Verurteilte chinesische Drogendealer warten auf ihre öffentliche Hinrichtung

Nach Angaben von Amnesty International wurden im Jahr 2003 mindestens 1146 Gefangene hingerichtet. Die Menschenrechtsorganisation vermutet eine weit höhere Dunkelziffer, da nicht alle Hinrichtungen bekannt werden. 87 Länder haben die Todesstrafe noch in ihren Gesetzen verankert. Am häufigsten ausgeführt wird sie in China, Iran, Vietnam und den USA.

Montreal manifestiert

Zum internationalen Tag gegen die Todesstrafe am 10. Oktober zieht das kanadische Montreal den Blick der Welt auf sich. Eine internationale Riege von über 1000 Menschenrechtlern, Parlamentariern, Historikern und Juristen wird dort ab dem 6. Oktober diskutieren. Engagierte Gegner der Todesstrafe aus Südafrika, den USA, Japan und Europa sind geladen. Sie werden Anklagen formulieren gegen Rechtssysteme, in denen die Todesstrafe noch Gültigkeit hat.

Befürworter der Todesstrafe werden erwartungsgemäß kaum zu Wort kommen. Nach wie vor gibt es jedoch auf der Welt hartnäckige Verfechter der Todesstrafe. Ihr stärkstes Argument ist der Gedanke der Sühne. Wurde die Todesstrafe verhängt, weil der Täter ein Leben ausgelöscht hat, so empfinden dies manche als einzige akzeptable Vergeltung. Des Weiteren erhoffen sich die Befürworter einen gewissen Abschreckungseffekt, der potenzielle Täter von schweren Straftaten abhalten soll.

Europas Stolz

Der dreitägige Kongress wird vom Verband "Gemeinsam gegen die Todesstrafe" organisiert. Europarat und das Europäische Parlament unterstützen die Veranstaltung. So hatte die Weltkonferenz auch ihren Ursprung im französischen Straßburg vor vier Jahren. 2001 proklamierte Walter Schwimmer, Generalsekretär des Europarats, die Hinrichtungspraxis sei verwerflich und trage nicht zur Verbrechensbekämpfung bei. Tod könne nie Gerechtigkeit sein.

Auch wenn die Europäische Union nicht immer mit einer Stimme spricht, was die Menschenrechte angeht, kann die Alte Welt eine eindrucksvolle Bilanz vorweisen. In Europa besteht ein breiter Konsens über die Ablehnung der Todesstrafe. Man ist stolz darauf, ein Kontinent ohne diese Methode des Strafvollzugs zu sein. Zwar haben einige Staaten, darunter die Türkei und Russland, das die Todesstrafe ächtende Zusatzprotokoll zur Europäischen Menschenrechtskonvention noch nicht ratifiziert. Aber seit Jahren wurde auf dem Kontinent kein Todesurteil mehr vollstreckt.

Buhmann USA

Im Scheinwerferlicht der Kritik stehen die USA. Nach China und dem Iran rangieren die Vereinigten Staaten auf Rang drei mit 65 Hinrichtungen im Jahr 2003 - so Amnesty International. Die weltweiten Bemühungen um die Abschaffung der Todesstrafe werden von deren Wiedereinführung in den meisten US-Bundesstaaten seit 1976 und vor allem von der dramatischen Zunahme während der letzten Jahre konterkariert. Amnesty International verzeichnet derzeit 3500 Verurteilte, die in den USA auf ihre Hinrichtung warten. In mehreren Bundesstaaten werden selbst Minderjährige oder geistig Behinderte hingerichtet.

Weltweite Ächtung der Todesstrafe angestrebt Dank der weltweiten Bewegung gegen die Todesstrafe steigt die Zahl der Länder, die diese Strafe abgeschafft oder ihren Vollzug ausgesetzt haben. Bis heute sind es mehr als die Hälfte aller Staaten der Erde. Erklärtes Ziel der Konferenz ist die Ächtung der Todesstrafe auf der ganzen Welt. Diese Form der Strafe sei mit der Menschenwürde nicht in Einklang zu bringen. Und erwiesenermaßen habe sie keine abschreckende Wirkung entfalten können. Um die eindeutige Haltung der Kongressteilnehmer aus ihren Debattierräumen heraus in die Welt zu tragen, schließt die Veranstaltung am 9. Oktober mit einem Friedensmarsch durch Montreal.

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