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Fußball

Fritz Walter - ein deutsches Sportidol

Fritz Walter war der Kapitän der legendären deutschen Nationalmannschaft, die 1954 nach dem "Wunder von Bern" Fußballweltmeister wurde. Walter wäre an diesem Sonntag 90 Jahre alt geworden.

Fritz Walter in Bern, im Juni 1995 (Foro: AP/Michel Euler)

Am Nachmittag des 4. Juli 1954 läuft die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hinter ihrem Kapitän Fritz Walter auf den Rasen des Wankdorf-Stadions im schweizerischen Bern, neben ihr die Elf Ungarns. Die Spieler um den genialen Linksfuß Puskás, Mittelstürmer Hidegkuti und Torjäger Kocsis, der schon elf Tore bei dem Turnier erzielt hat, sind der haushohe Favorit, Außerdem haben sie die Deutschen in der Vorrunde bereits mit 8:3 abgefertigt und seit rund vier Jahren überhaupt kein Spiel mehr verloren. Der neue Weltmeister scheint schon festzustehen.

Der Jubel nach dem Sieg von Bern: Fritz Walter (links) wird auf Schultern getragen (Foto: dpa)

Der Jubel nach dem Sieg von Bern: Fritz Walter (links) wird auf Schultern getragen

Neunzig Spielminuten später ist die größte Überraschung, die ein WM-Finale bislang erbracht hat, perfekt. Die in schwarz-weißen Trikots aufgelaufenen Spieler aus Deutschland haben 3:2 gewonnen und sind Weltmeister. Ihre Namen sind auch Jahrzehnte danach nicht vergessen: Turek – Kohlmeyer, Posipal – May, Liebrich, Eckel – Schäfer, Fritz Walter, Ottmar Walter, Morlock, Rahn.

Bescheidene Rolle zwischen "Chef" und Boss"

Deutschlands "Halblinker" - heute würde man sagen: offensiver Mittelfeldspieler und Spielmacher - war bei diesem Turnier die Schlüsselfigur. Der Mann mit der Nummer 16 auf dem Rücken war der Kapitän der Mannschaft, der verlängerte Arm des Trainers auf dem Platz und die bestimmende Figur im deutschen Spiel: Fritz Walter. Fritz, dessen Bruder Ottmar Mittelstürmer spielte, war wegen seiner überragenden technischen Fähigkeiten unumstritten.

Ferenc Puskás und Fritz Walter vor dem Finale von 1954 (Foto: AP)

Ferenc Puskás und Fritz Walter vor dem Finale von 1954

Dabei erweckte Fritz Walter nie den Eindruck, dass er eine Chefrolle einnehmen wollte. Dazu war er viel zu ruhig und bescheiden. Der Spitzname "Chef" war außerdem schon vergeben, an Trainer Sepp Herberger nämlich, und "Boss" wurde ein anderer Spieler gerufen: Helmut Rahn. Der Essener Rechtsaußen hatte im Endspiel den Ausgleich zum 2:2 und den Siegtreffer erzielt. Sepp Herberger hatte die unterschiedlichen Charaktere gut eingeschätzt und Rahn und Walter während des Turniers auf einem Zimmer untergebracht. Der unbekümmerte Draufgänger Rahn und der schüchterne Spielmacher Walter kamen gut miteinander aus, und ihr gegenseitiges Verständnis wirkte sich fruchtbar auf die Stimmung in der Mannschaft aus.

Fritz-Walter-Wetter

Am deutlichsten sichtbar wurde die Bescheidenheit Fritz Walters bei der Siegerehrung, eine Szene, die im Film festgehalten ist: Nach dem Abpfiff übergibt Fifa-Präsident Rimet den Weltpokal, den nach ihm benannten "Coupe Jules Rimet". Fritz Walter nimmt ihn mit gesenktem Kopf entgegen und steht einen Moment allein im prasselnden Regen. Dann sieht er sich um und will, um nur ja kein Aufsehen zu erregen, den Pokal sofort wieder aus der Hand geben. Doch "Chef" Herberger wehrt ihn ab und sagt: "Nein, das ist Ihr Pokal, Fritz."

Die Fußballstiefel von Fritz Walter im Museum (Foto: AP)

Die Fußballstiefel von Fritz Walter mit den modernen Schraubstollen sind zu Museumsstücken geworden

Das Wetter war ein entscheidender Faktor beim Finale von Bern gewesen. "Keiner wankt. Der Regen prasselt unaufhörlich hernieder. Es ist schwer, aber die Zuschauer harren aus", hatte Radioreporter Herbert Zimmermann in seiner unvergessenen Live- Reportage die Umstände geschildert. Weil die Deutschen als damals einziges Team der Welt mit austauschbaren Schraubstollen unter den Fußballschuhen spielten, kamen sie mit den widrigen Umständen besser zurecht als die Ungarn. Vor allem aber war das Wetter für Fritz Walter ein Segen. Der konnte bei solchen Bedingungen seine überragende Technik ausspielen, kam mit dem rutschigen Rasen am besten klar. Heute noch sagt man, wenn es beim Fußball wie aus Eimern schüttet: "Fritz-Walter-Wetter".

Glück im Unglück

Fritz Walter mit dem Weltpokal 1954 in Bern (Foto: AP)

Fritz Walter mit dem Weltpokal 1954 in Bern

Fritz Walter hatte zu jener Generation gehört, der der zweite Weltkrieg die wichtigsten Jahre als Fußballer genommen hatte. Walter war 18 Jahre alt, als der Krieg ausbrach und 24, als er zu Ende ging. Andererseits hatte ihm sein Fußballtalent auch geholfen, den Krieg zu überleben: Als Infanterist in Frankreich stationiert, bekam er eines Tages Post. Darin wurde er aufgefordert, sich bei der Luftwaffe zu melden. Der Offizier Hermann Graf hatte eine Militärfußballmannschaft gegründet, der Fritz Walter beitreten sollte. Die Initiative dazu war vom Reichs- und späteren Bundestrainer Sepp Herberger ausgegangen, der seine Verbindungen und seinen Einfluss für "seine" Fußballer ausnutzte. Als Fritz Walter 1945 in Gefangenschaft geriet, erkannte ihn ein Major der Roten Armee und ersparte dem Fußballer die Deportation nach Sibirien.

Immer für die "Roten Teufel"

Das Fritz-Walter-Stadion, hier trägt der Bundesligist 1. FC Kaiserslautern seine Heimspiele aus (Foto: dpa)

Das Fritz-Walter-Stadion

Für seinen Verein, den 1. FC Kaiserslautern absolvierte er 384 Spiele, lief 61 mal für die Nationalmannschaft auf und schoß dabei 33 Tore. Nach seiner Karriere ernannte ihn der DFB zum ersten "Ehrenspielführer" der Nationalmannschaft. Der nächste Ehrenspielführer wurde der Hamburger Mittelstürmer Uwe Seeler – auch er als "Uns Uwe" ein landesweites Sportidol. Die Beiden haben noch gemeinsam gespielt, doch der Ältere blieb dem Jüngeren immer ein Idol. Uwe Seeler sah in Walter immer "mein Vorbild und meinen Ehrenspielführer".

Im Alter von 81 Jahren starb Fritz Walter am 17. Juni 2002 in seinem Haus in Alsenborn in der Nähe von Kaiserslautern. Walter war dem Verein seiner Vaterstadt immer treu geblieben und hatte 31 Jahre lang für seinen FCK gespielt. Der Club hat seinen größten Spieler nicht vergessen und das Stadion auf dem Betzenberg nach ihm benannt: Das "Fritz-Walter-Stadion".

Autor: Dirk Kaufmann

Redaktion: Stefan Nestler

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