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Deutschland

Fritz Schramma kündigt Rückzug an

Angesichts der Kritik an seinem Krisenmanagement nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs verzichtet Oberbürgermeister Schramma auf eine erneute Kandidatur. Dadurch wolle er "das Unglück aus dem Wahlkampf heraushalten".

Kölner Oberbürgermeister Schramma (Foto: AP)

Kölns Oberbürgermeister beklagt "politisches Gezänk"

Er werde bei der Wahl am 30. August nicht noch einmal antreten, kündigte Fritz Schramma am Sonntag (29.03.2009) an. Grund dafür sei, dass der Einsturz des Stadtarchivs zunehmend in den Wahlkampf hineingezogen werde. Ungeachtet seiner Appelle, die auf "taube Ohren" gestoßen seien, werde "weiter spekuliert, verdächtigt, verunglimpft, vorverurteilt", meinte der Kölner OB. Er sehe es jedoch als seinen "Auftrag als Oberbürgermeister, Schaden von der Stadt und ihren Bürgern fernzuhalten".

Schramma unter Druck

Luftaufnahme des eingestürzten Stadtarchivs (Foto: AP)

Luftaufnahme der Unglücksstelle in der Kölner Südstadt

Dem 61-jährigen CDU-Politiker war unter anderem vorgeworfen worden, er scheue sich, die politische Verantwortung für den Einsturz des Stadtarchivs und zweier angrenzender Wohnhäuser zu übernehmen. Bei dem Unglück am 3. März waren zwei junge Männer ums Leben gekommen. Außerdem wurden riesige Bestände historischen Archivmaterials verschüttet. Ursache des Unglücks waren wahrscheinlich Grundwasser-Probleme beim Bau eines U-Bahn-Tunnels in unmittelbarer Nähe des Stadtarchivs.

Geborgenes Buch aus dem Stadtarchiv (Foto: dpa)

Viel Arbeit für Restauratoren: Geborgenes Stadtarchiv-Buch

Einen "Schlingerkurs" musste sich Schramma zudem in der Frage vorhalten lassen, ob die sogenannte "Nord-Süd-Bahn" nun noch weitergebaut werden soll oder nicht.

Zuletzt hatte die Kölner Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Schramma eingeleitet. Anlass waren ungenehmigte Tonbandaufzeichnungen von internen Sitzungen des Koordinierungsstabs zum Archiveinsturz. Im Stadtrat sprach er daraufhin von einer "Hetzkampagne" gegen ihn.

Neun Jahre im Amt

Schramma ist seit dem Jahr 2000 direkt gewählter Oberbürgermeister der mit knapp einer Million Einwohnern viertgrößten Stadt Deutschlands. Mit seiner als "rheinische Frohnatur" beschriebenen Art gewann er über die Parteigrenzen hinweg schnell Sympathien. Allerdings warf ihm die Opposition von Anfang an auch "handwerkliche Fehler" vor.

CDU auf Kandidatensuche

Konrad Adenauer (Archivfoto: AP)

Wird Konrad Adenauer der CDU-Kandidat? Er selbst sagt "Nein"

Die Kölner CDU muss nun einen anderen Spitzenkandidaten für die Wahl im August küren. Zwei Namen wurden bereits ins Gespräch gebracht: Wolfgang Bosbach, Vizefraktionschef der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag und Konrad Adenauer, der Enkel des gleichnamigen früheren Bundeskanzlers und ehemaligen Kölner Oberbürgermeisters. SPD und Grüne werden den früheren Regierungs- und Polizeipräsidenten Jürgen Roters ins Rennen schicken, der in jüngsten Umfragen deutlich vor Schramma in Führung gelegen hatte. (wa/ap/dpa/afp)

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