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Kultur

Frischzellen für die Alma Mater

An Deutschlands Universitäten tut sich Unglaubliches. Trotz noch fehlender Gesetze wird von immer mehr Hochschulen eine neue Form der Nachwuchsförderung ausprobiert.

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So jung und schon Professor in Heidelberg?

Erst 30 Jahre alt und die Berufung zum Professor in der Tasche: Kiran Klaus Patel forscht und lehrt seit einem halben Jahr Neuere Geschichte an der Humboldt Universität in Berlin. Und das in Deutschland, wo man gerade in den Geisteswissenschaften normalerweise frühestens Anfang 40 die erste Professur erlangt. "Juniorprofessor" ist ein Zauberwort, mit dem die Reformfähigkeit des deutschen Hochschulsystems bewiesen werden soll und gleichzeitig die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Universitäten bei der Werbung um den besten Nachwuchs weltweit verbessert werden könnte.

Das bundesweit geltende Hochschulrahmengesetz wurde dementspechend bereits novelliert. Nun sollen die Länder die seit dem 23.2.2002 geltenden neuen Richtlinien umsetzen. Das Ziel: Bessere internationale Vergleichbarkeit und mehr Chancen für den hochbegabten Nachwuchs, frühzeitig selbstständig Forschung und Lehre zu betreiben.

Die Mühen der Ebene

Um die politische Absicht so schnell wie möglich umzusetzen, verspricht die Bundesregierung jeder Universität, die solche Stellen einführt, eine stattliche Anschubfinanzierung in Höhe von 75.000 Euro pro Stelle. Mehr als mit Geld locken kann der Bund auch nicht, denn die Gesetzeshoheit über fast alles, was Forschung, Wissenschaft und Lehre betrifft, haben in Deutschland die Länder. Die so genannte Kulturhoheit ist ein Grundsatz der Verfassung und deshalb hat der Freistaat Bayern auch schon Klage gegen Teile des neuen bundesweit gültigen Hochschulrahmengesetzes angestrengt. Denn in München sieht man durch zu viele und zu detailierte Bestimmungen die Kompetenz des Bundes überschritten.

Befähigt auch ohne amtlichen Nachweis

Ein alter Streitpunkt ist, dass in man in Deutschland, um Professor werden zu können, nicht nur einen Doktortitel, sondern auch noch eine Art zweite, größere Promotion - die so genannte Habilitation - absolvieren muss. Das gibt es sonst nirgends und kostet viel Zeit, sagen die Reformer. Der Deutsche Hochschulverband, die Interessenvertretung der deutschen Hochschullehrer, sieht dagegen in der Habilitation ein bewährtes Mittel zur Bestenauslese in der Wissenschaft. Außerdem können gerade bei ausländischen Wissenschalftlern die Universitäten schon immer Ausnahmen machen, heißt es.

Nun will der Bund am liebsten generell die Habilitation abschaffen. Nachwuchswissenschaftler mit herausragender Promotion sollen nicht mehr als Assistenten einem älteren Professor zugeteilt werden, sondern als Juniorprofessoren ihnen fast gleichgestellt und selbstständig sein. Aber eben nur fast, denn noch ist kein Landesgesetz gemäß den neuen Bestimmungen des Hochschulrahmengesetzes umgeschrieben worden. Das muss auch keineswegs eins zu eins geschehen - Zeit bleibt ohnehin bis 2005 und Bayern klagt wie gesagt beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe.

Experimentierfreudige Wissenschaft

Trotzdem tut sich was an Deutschlands Hochschulen. Die Berliner Humboldt-Universität übernahm die Vorreiterrolle. Gleich 50 Stellen für Juniorprofessuren wurden 2002 ausgeschrieben. Fast 40 Stellen sind schon besetzt. "Wir sind dienstrechtlich noch nicht den Professoren gleichgestellt, aber unsere Uni gibt uns fast die gleichen Rechte", berichtet Kiran Patel aus Berlin.

Zwar habe man jetzt keine neuen Stellen im Haus, erklärt Tim Stuchtey, an der Humboldt-Universtät für strategische Entwicklung zuständig: "Es ist eine Umschichtung. Aber es gibt einen wichtigen Mehrwert." Jetzt könne man jungen Talenten Selbstständigkeit anbieten. Das hat auch schon manchen, der sonst im Ausland geblieben wäre, zurückgelockt.

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