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Wirtschaft

"... frische Fische fischte Fischers Fritze"

Fisch zu Ostern - zum Abschluss der Fastenzeit - hat Tradition: Gläubige Christen verzichten zwischen Aschermittwoch und Ostersamstag von jeher auf Fleischspeisen, Mehl und Eier. Statt dessen kommt Fisch auf den Tisch.

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Fischauktion in Bremerhaven

Makrele, Hering, Lachs & Co. sind gesund: Sie sind jodhaltig, vitaminreich und cholesterinarm. Manche Fischsorte enthält außerdem nur eine Kalorie pro Gramm und empfiehlt sich damit für die leichte Frühlingsküche. So gar nicht ins Bild will da die Statistik passen: Der Bundesverband der Deutschen Fischindustrie klagt über den mangelnden Appetit auf Frischfisch.

Der Anteil der Frischware am Gesamtumsatz der Branche schrumpft kontinuierlich. "Knapp die Hälfte aller Fischerzeugnisse werden inzwischen im Discount-Bereich verkauft", erklärt Matthias Keller, Geschäftsführer des Bundesverbandes. "Dort gibt es nun mal keinen Frischfisch, sondern Tiefkühlware, Fischdauerkonserven und Marinaden." Gemeint sind Produkte wie "Gabelhappen in Dillsoße", Rollmops, Brathering oder tiefgefrorener, zu Blöcken gepresster Seelachs.

Fisch Nr. 1: Der Seelachs

Tour de Matjes

Holländer auf Matjestour in Deutschland

Der Seelachs ist der meistgefangene und -verkaufte Fisch auf dem deutschen Markt. Mit dem "Lachs an sich" hat er nichts gemein: Seelachs ist der Stoff, aus dem die Fischstäbchen sind. 333.000 Tonnen Fanggewicht wurden 2002 auf- und zubereitet. Knapp ein Drittel der Fischmenge wird in der Nordsee gefangen, der Rest stammt aus russischen und amerikanischen Gewässern. Zum Vergleich: Vom Heilbutt wurden 2002 lediglich 5000 Tonnen verkauft.

Seelachs ist nicht nur die Nr. 1 der "Fischhitliste" für Deutschland - gefolgt von Hering, Thunfisch, Hecht und Makrele -, der Fisch hat zudem eine wichtige Funktion als Branchenindikator: Der Preis für ein Kilogramm Seelachs gilt als Referenzwert für die Preisentwicklung des gesamten Marktes. Nach Angaben der Firma Isey Fischimport GmbH in Bremerhaven liegt der Auktionspreis derzeit bei einem Euro bis 1,50 Euro für das Kilogramm Seelachs-Rohware. Das entspricht in etwa dem Preisniveau des Vorjahres.

Fischfang in der Krise

Fischerboot

Trawler auf Beutezug

Den Fischschwärmen der Weltmeere geht es schlecht: Einige der wirtschaftlich wichtigen Arten sind vom Aussterben bedroht. Beispiel Kabeljau: Der Fischbestand in der Nordsee ist in den vergangenen 20 Jahren um mehr als die Hälfte gesunken. Jetzt soll der beliebte Speisefisch mit drastischen Fangbeschränkungen vor dem drohenden Ende bewahrt werden. EU-Agrarkommissar Franz Fischler schlug Ende 2002 Jahres vor, die Fänge in allen Gewässern der Gemeinschaft um 80 Prozent zu reduzieren. Zusätzlich soll es strenge Kontrollen geben.

"Wir haben die moralische Pflicht, die Bestände nicht zu Grunde gehen zu lassen", warnte Fischler unter Hinweis auf Kanada, vor dessen Ostküste der Kabeljau wegen Überfischung bereits verschwunden ist. Mit ihm Tausende von Arbeitsplätzen. Die Pläne des EU-Kommissars sehen außerdem ebenfalls 80-prozentige Fangbeschränkungen für Schellfisch, 75 Prozent weniger für Wittling, eine 40-prozentige Reduktion für Scholle und 30 Prozent für Seezunge vor.

Die Schwärme in den Schelfmeeren wie Nord- und Ostsee regenerieren sich normalerweise schnell, wenn sie eine Weile in Ruhe gelassen werden. Doch die EU-Agrarkommission versucht sich wahrscheinlich an der Quadratur des Kreises: Denn was wiegt schwerer – in der EU Arbeitsplätze abzubauen und Wählerstimmen zu verlieren, oder die Existenz von Familienfischereien in Entwicklungsländern, zum Beispiel in Westafrika, aufs Spiel zu setzen? Der Druck ist groß: Vor allem die spanische, portugiesische und die französische Fischereiflotte verlangen nach neuen Fischgründen. Und deshalb subventioniert die EU den Erwerb von Fischereirechten außerhalb der Union.

Vorstoß zu den Tiefseefischen

Frischer Rotbarsch

Frischer Rotbarsch wartet auf Käufer

Hoki, Orange Roughy, Alfonsino, Patagonischer Zahnfisch, Dornhai – die Exoten aus der Tiefsee avancieren mehr und mehr zur Zierde der Speisekarten. Diese Fische leben in den Meerestiefen jenseits staatlicher Hoheitsgebiete. Fangquoten gibt es dort nicht. Jeder kann sich bedienen.

Das Problem ist, dass sich die Tiefseefische für eine industrielle Abfischung eigentlich nicht eignen. Denn in der Tiefsee geht es äußerst gemächlich zu: Die Fische können 50 Jahre und älter werden, sie haben nur wenige Nachkommen pro Jahr und regenerieren sich von daher nur sehr langsam. Da erreichen schon kleine Fangmengen schnell die Dimensionen von Raubbau.

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