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Frisch

Die Frische von heute ist die Vergänglichkeit von morgen. Einige Zeit kann man sie einsperren. Lässt man sie an die Luft, ist es mit ihr jedoch bald vorbei, der Frische. Egal ob mit oder ohne Verfalldatum.

Es war auf einem dieser Supermarktparkplätze. Im Unterstand aneinander gekettete Einkaufswagen. Und zwei riesige Werbetafeln für ein Produkt. Darauf steht: "Let’s get fresh!" Die Werbung verheißt Dynamik, Schwung, Kraft, Gelassenheit und – Frische.

Frische ist vergänglich

"Frische", "frisch" – was bedeutet das? Sagen wir mal, es handelt sich bei "Frische" um einen Zustand. Im Allgemeinen ist dieser von begrenzter, im Besonderen von recht kurzer Dauer. Frische ist, was einige Lebensmittel betrifft, fast gleichbedeutend mit verderblich.

Welke Salatköpfe, schwarzbraun gefleckte Bananen und schlaffe Karottenbündel, deren Kraut schon stark ins Gelbliche spielt, führen deutlich vor Augen, wie rasch Frische sich in Vergänglichkeit auflösen kann. Der Weg alles Irdischen ist nur während eines kurzen Zeitraums von frischer Art.

Junges Gemüse

Das ist eine schmerzliche Tatsache, die nicht nur für Obst und Gemüse zutrifft. "Frisch" ist auch gleichbedeutend mit "jung". Da haben wir das "junge", also "frische Gemüse". Ein Ausdruck, der auch für Jugendliche verwendet wird, die noch nicht "trocken hinter den Ohren sind".

"Frisch" heißt auch "unverbraucht". Wer mit "frischem Mut ans Werk geht", ist voller Elan und Tatkraft. Der frische Mut ist insofern etwas Besonderes, weil er keine Begrenzung hat, er hat sozusagen kein Verfallsdatum wie Lebensmittel.

Frisch frisch

Frische ist nicht gleich Frische: Neben der ganz normalen grammatischen Steigerungsmöglichkeit des Adjektivs "frisch" – nämlich "frischer"‚ "am frischesten" –, gibt es Frischeattribute, die einzelnen Produkten von den Marktstrategen und Werbefachleuten gewissermaßen verliehen werden.

Da gibt es zum Beispiel das "Frischesiegel". Oder den "Frischepass". Auf dem steht dann, dass der Quark am soundsovielten abgepackt wurde und bis zum soundsovielten mindestens haltbar ist. So erfährt der Käufer, dass Quark nach ein paar Wochen nicht mehr der frischeste ist.

Frische ist vergänglich

Also: Frische vergeht – Frische ist vergänglich. Der "Frischecountdown" läuft, sobald wir den "Frische-Knack" beim Öffnen einer Dose oder einer Flasche vernehmen. Bis dahin war die Frische eingeschlossen; nun darf sie raus.

Soll etwas weiter frisch bleiben, dann wird es wieder eingesperrt. Zum Beispiel in "Frischhalteboxen", unter "Frischhaltefolie" oder gar im "No-Frost-Frischefach" des Kühlschranks. Die Frische liebt es kühl. Wer denkt nicht bei Erfrischung und Erfrischungsgetränk an Kaltes, an beschlagene Gläser, an das Frischezischen beim Aufmachen von gekühlten Flaschen. Also Kühlung am rechten Ort im richtigen Behälter unter der richtigen Folie ist die eine Sache.

Im Vakuum

Eine weitere beliebte Möglichkeit, der Verfallszeit von Lebensmitteln ein Schnippchen zu schlagen, ist das Vakuumverpacken. Würsten, gefüllten Teigwaren, Fleisch wird unter verschweißter Folie das Atmen verwehrt.

Frisch gemahlener Kaffee kann so monatelang sein Frischearoma bewahren. Wenn die Packung dann endlich aufgemacht wird, schnappt er richtig nach Luft und entfaltet verführerisch seinen köstlichen Duft.

Frische Menschen

Und wie hält sich der Mensch frisch? Nun, indem er Sport treibt, ganz nach dem Motto von Turnvater Friedrich Jahn "Frisch. Fromm. Fröhlich. Frei" oder sich in Wellness-Oasen erholt. Er kann aber auch nur das Duschgel benutzen, das ihm verheißt: "Let's get fresh".

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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