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Deutschland

Frisch geklaut ist halb geschmolzen

Metalldiebe haben Konjunktur. Sie montieren Regenrinnen ab, reißen frisch verlegte Heizungsrohre aus den Wänden, brechen Grablichter heraus oder klauen ganze Stromleitungen. Auch Kunstwerke werden nicht verschont.

Schmelzofen im Aluminiumwerk Hamburger. (Foto: dpa)

Kaum gestohlen, schon geschmolzen

Halbnackt, die Stupsnase stolz gen Himmel gerichtet, mit einem sanft um die bronzene Hüfte geschwungenen Tuch stand sie mit ihren unbekleideten Füßen auf einem handbreiten Sockel. 24 Jahre lang harrte sie so in Duisburg aus. Ihr Name: "Pandora". Nun zerfließen ihre zarten Kurven vermutlich in irgendeinem Schmelzofen. Und das auch nur, weil sie aus Bronze gegossen war. Die Pandora von Bildhauer Edwin Scharff fiel professionellen Metalldieben zum Opfer.

Die haben zurzeit Hochkonjunktur in Deutschland, nach einer längeren Durststrecke. Denn Metalldiebe haben eine schwere Zeit hinter sich: Die Wirtschaftskrise hatte die Preise für Industriemetalle gedrückt und Altmetall zu verscherbeln war lange Zeit kein lukrativer Job mehr, selbst wenn das Metall geklaut war. Doch Anfang des Monats kletterten die Preise für Bronze, Kupfer, Aluminium, Zinn und andere Metalle wieder auf schwindelnde Höhen. Schnell kam die Konjunktur auch bei den Dieben an.

Selbst auf dem Friedhof wird geklaut

Die Bronzeskulptur Pandora (1953-56) von Edwin Scharff wurde vermutlich von Metalldieben gestohlen. (Foto: LehmbruckMuseum)

"Pandora" ist vielleicht schon eingeschmolzen


Dass sich Diebe nun an der Bronze-Skulptur Pandora vergriffen haben, lässt auf Täter des gehobenen Niveaus schließen. Für gewöhnliche Kriminlle ist Kupfer das bevorzugte Diebesgut: Denn Kupfer hat einen wesentlich höheren Marktwert als Bronze, weil seine Wiederverwendung relativ einfach ist.

Bei ihren Streifzügen werden die Metalldiebe immer skrupelloser. Sie reißen frisch verlegte Heizungsrohre aus Kupfer aus den Wänden, klauen vom Friedhof Bronzevasen und Grablichter - und selbst vor dem Allerheiligsten machen sie nicht Halt: Im münsterländischen Rhede stahlen sie ein vergoldetes Reliquiengefäß aus einer Kirche. Immerhin: Die Reliquie selbst, ein Stück Schädel, ließen sie zurück, denn die war ja nicht aus Gold.

Verlöten rettet Regenrinnen

Arbeiter verladen Kupferrollen (Foto: picture-alliance/dpa)

Kupfer ist wertvoll - und schwer. Auch Diebesgut ist oft nur mit großem Gerät zu bewegen.

Das Objekt der Begierde sind aber Regenrinnen. Die werden im Vorfeld des Raubs vorsorglich losgeschraubt und dann am Tattag einfach abgerissen und bequem mitgenommen. Der Rat der Polizei, das potentielle Diebesgut einfach zu verschweißen und zu verlöten, mag Regenrohre retten – weniger gesichertes Metall gibt es zur Genüge: Fahrräder aus Aluminium, Blumenkübel aus Bronze oder Gartendekoration aus Kupfer...

Richtig gewinnbringend wird der Metallklau ohnehin erst in größeren Mengen. Die sind dann natürlich auch schwieriger abzutransportieren. Der findige Metalldieb hat aber auch da eine Lösung: In Düren stahlen Kriminelle mehrere Tonnen Aluminiumblech. Zum Verladen der Beute nutzten sie einen zu diesem Zweck geklauten Gabelstapler.

Schaden größer als Ausbeute

Leitungskabel und Halteseile von Strommasten der Bahn sind ein beliebtes Diebesgut. (Foto: AP)

Stromkabel der Bahn sind beliebt bei professionellen Metalldieben.

Die Folgen des Metallraubs bekommen auch die Fahrgäste der Bahn zu spüren: Allein im letzten Jahr waren 8.500 Züge verspätet oder wurden umgeleitet, weil Leitungskabel und Halteseile von Strommasten geklaut wurden.

Die Diebe richten oft einen viel höheren Schaden an, als das Material überhaupt wert ist. So auch bei der Bronze-Pandora: Die hübsche Pandora war mit 100.000 Euro versichert. Und so viel Geld werden die Diebe für die knapp 2,40 Meter große Statue wohl nicht bekommen haben. Auch wenn es für die Bronze-Pandora wohl zu spät ist - inzwischen sinken die Metallpreise wieder, was die Konkunktur der Metalldiebe dämpft. Und das gibt Hoffnung.

Autorin: Laura Döing
Redaktion: Hartmut Lüning