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Europa

Frisch auf den Tisch: Gammelkäse aus Italien

Italien hat einen neuen Lebensmittelskandal: Vergammelter und verunreinigter Käse wurde offenbar wiederaufbereitet und in mehreren europäischen Ländern verkauft, darunter auch in Deutschland.

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Recycling auf italienisch:
Gammelkäse - auf neu getrimmt

Die Betrüger hatten sich nach Angaben der Polizei in Cremona von Käsereien dafür bezahlen lassen, Käseabfall zu entsorgen. Der mit Plastikstücken, Mäuseexkrementen und kleinen Eisenteilen verunreinigte Abfall sei statt dessen weiterverarbeitet worden und offenbar in Italien, Deutschland, Österreich, Frankreich und Spanien verkauft worden. Insgesamt sollen nach Angaben der Zeitung "La Repubblica" 11.000 Tonnen Gammelkäse mit frischen Produkten vermengt und in den Handel gebracht worden sein.

Betroffen seien unter anderem Scheibletten, Mozzarella und Gorgonzola berühmter Marken wie Galbani, Granarolo und Prealpi. Im Zentrum der Affäre soll nach Angaben der italienischen Ermittler die Firma Galbani stehen - der größte Käse-Exporteur Italiens. Bereits im März 2007 seien drei Männer wegen Betrugs festgenommen worden. Der Skandal wurde aber erst am Freitag (4.7.2008) durch italienische Medienberichte bekannt.

Durchsuchung im Allgäu

Darin hieß es, auch ein Werk im bayerischen Woringen habe vergammelten Käse verarbeitet. Das bayerische Gesundheitsministerium und die Staatsanwaltschaft Memmingen ließen den Betrieb am Freitag sofort durchsuchen, Proben nehmen und Unterlagen sicherstellen. Ein Ministeriumssprecher warf Italien vor, die anderen EU-Länder nicht alarmiert zu haben.

Ein italienischer Unternehmer habe seit vier Jahren ein stillgelegtes Molkereigebäude der Allgäuland-Käserei gemietet, sagte Geschäftsführer Manfred Herrmann. Der Betrieb International Cheese GmbH stelle dort mit vier oder fünf Mitarbeitern Schmelzkäse her. Schmelzkäse werde aus Naturkäse, Gewürzen und Schmelzsalz hergestellt.

Kette von Lebensmittelskandalen

Auf knapp 200 Quadratmetern Produktionsfläche könnten nach seiner Schätzung rund 500 Tonnen Käse im Jahr produziert werden. Der Betrieb sei aber laufend kontrolliert worden. "Der ist so klein, da kann man eigentlich nichts verstecken", sagte Herrmann. Allgäuland habe mit dem Betrieb des Italieners keinerlei Geschäftsbeziehungen, betonte er: "Wir bekommen nur die Miete."

In den letzten Jahren wurde Italien immer wieder von Lebensmittelskandalen erschüttert. Mal ging es um gepanschten Wein, mal um gefälschtes Olivenöl. Im März waren in Süditalien Molkereien und Agrarunternehmen ins Visier der Ermittler geraten, weil in der Büffelmilch, mit der Mozzarella hergestellt wird, Dioxin gefunden worden war. Im April war bekanntgeworden, dass Millionen Liter Wein mit krebserregenden Stoffen verunreinigt waren.

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