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Wissen & Umwelt

Frieren, bis die Zähne klappern

Alle Menschen frieren, egal in welchem Erdteil sie leben, ob in Grönland oder in Afrika. Ein leichtes Frösteln, eine Gänsehaut, Muskelzittern oder Zähneklappern - jeder kennt das. Aber warum frieren wir überhaupt?

Jeder Mensch friert anders. Dem einen werden zuerst die Ohren kalt, der andere friert zu allererst an den Händen. Das bestätigt auch Dr. Joachim Latsch von der Sporthochschule Köln. Frieren sei eine ganz individuelle Empfindung. Jeder Mensch, so der Sportmediziner, habe Wärme- und Kältesensoren in der Haut, mit denen Temperaturen registriert werden. 

Auf die Sensoren kommt es an

Junges Mädchen steht in einem See und friert (Foto: AP/dapd /Mikhail Metzel)

In eiskaltem Wasser hält es ein Mensch nicht lange aus

Bei dem einen sitzen in den Ohren viele Fühler, die die Empfindung "kalt" wahrnehmen, bei anderen wiederum sind weniger Sensoren an den Ohren und dafür mehr an anderen Körperstellen. Auch die Anzahl der Sensoren insgesamt ist unterschiedlich, und so friert jeder Mensch anders. Latsch beschreibt dieses Phänomen als eine Laune der Natur. "Genauso wie jeder Mensch möglicherweise unterschiedlich große Füße hat, hat der eine mehr von diesen Sensoren, der andere weniger." Ein Fühler für "kalt" kann in der Tat nur kalte Temperaturen erkennen, nicht die Meldung "Achtung warm!"

Weltweit die gleiche Körpertemperatur

Älterer Mann mit Pelzmütze und Eiskristallen im Bart (Foto: Reuters)

Minus 30 Grad Celsius sind nur mit dicker Kleidung zu ertragen

Egal, wo ein Mensch lebt, ob im Süden oder im Norden, ob in der Sahara oder in Grönland - die durchschnittliche Körpertemperatur ist bei allen in etwa dieselbe. "Wir haben alle eine Körperwärme von 36,5 Grad. Das schwankt etwas je nach Mensch", erläutert Latsch. "Wenn diese Körperwärme 42 Grad überschreitet, wird es lebensgefährlich. Und wenn sie 30 Grad unterschreitet, wird es ebenfalls lebensgefährlich." Dann arbeiten unsere lebenswichtigen Organe wie Herz und Gehirn nicht mehr richtig. Es kommt zur Ohnmacht und im schlimmsten Fall zum Kältetod. Und so löst unser Körper sehr schnell Alarm aus, wenn seine Kernwärme sinkt: Wir frieren.

Als die Menschen noch Fell hatten

Schon ein kühler Luftzug kann ein Frösteln bewirken, und wir bekommen eine Gänsehaut. Die sei ein Überbleibsel aus Zeiten, zu denen die Menschen noch Fell hatten. "Letztendlich haben all unsere Haare einen kleinen Muskel", erklärt Latsch "und zwar an der Stelle, an der sie aus der Haut kommen. Dieser Muskel zieht sich bei Kälte zusammen und richtet die Haare am Körper auf." Das tut er, um zwischen den vermeintlichen Fell-Haaren eine wärmende Luftschicht zu schaffen. Und dort, wo keine Haare mehr sind, gibt es dann eine Gänsehaut.

Es wird noch eine weitere Schutzmaßnahme bei Kältegefühl aktiviert, fügt der Sportwissenschaftler hinzu: Muskelzittern und Zähneklappern: “Der Körper merkt: 'Aha! Hier ist Wärmebedarf. Hier muss ich was tun.' Und dann beginnt das Muskelzittern." Der Unterkiefer sitzt verhältnismäßig lose an zwei Gelenken am Rest des Kopfes und hat eine sehr starke Muskulatur zum Kauen. Diese Muskeln fangen bei Kälte an zu zittern und zu arbeiten. Dadurch, dass der Unterkiefer so beweglich ist, klappert er relativ schnell.

Mit Muskeln gegen das Frieren

Junges Paar bei einer Schneeballschlacht (Foto: © micromonkey)

Bewegung ist die beste Hilfe gegen Frieren

Durch dieses Zittern bewegen sich die Muskeln, werden besser durchblutet, und es wird uns wieder wärmer. Für Frauen ist die Körpertemperatur besonders wichtig, denn bei Kälte muss der weibliche Körper die inneren Organe mit Wärme versorgen, um so etwa ein Ungeborenes vor Kälte zu schützen. Relevant ist auch die Muskelmasse. Die macht bei Frauen etwa 25 Prozent des Körpers aus, bei Männern durchschnittlich 40 Prozent, und je mehr Muskelmasse es gibt, desto weniger friert man. Die landläufige Meinung aber, ein bisschen Speck auf den Rippen sei gut, um der Kälte zu trotzen, stimmt nicht. Mollige könnten vielleicht ein, zwei Grad mehr an Kälte aushalten als Dünne, mehr aber nicht, so Latsch. Für Menschen, die leicht frieren, hat der Sportmediziner einen ganz einfachen Tipp: "Nicht Fett anfuttern ist die Lösung, sondern sich bewegen!"

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