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Fußball

Friedrich: "Indiens Liga ist eine Wundertüte"

Manuel Friedrich ist der einzige Deutsche in Indiens neuer Profiliga ISL. Mit der DW spricht er über Training im Monsun, Fußball im Schatten von Cricket und die Unwägbarkeiten einer aus dem Boden gestampften Kunstliga.

DW: Manuel Friedrich, nach mehr als 250 Bundesligaspielen ist Mumbai Ihre erste Station im Ausland. Warum sind Sie ausgerechnet nach Indien gegangen?

Ich wollte schon vor anderthalb Jahren unbedingt nach Asien. Indien war allerdings die erste seriöse Geschichte, bei der sich alles sehr gut angehört hat und bei der ich auch das Gefühl hatte, dass die Leute auch wirklich dahinter stehen. Dazu kam die ganze Ausgangslage: eine komplett neue Liga, die in einer Art Turnierform stattfinden wird, und das Hauptziel hat, den Fußball hier in Indien attraktiver zu machen, weil der Fußball nun mal nicht der Nummer-1-Sport in dem Land ist. Das ganze Drumherum hat mich einfach beeindruckt. Ich war schon mal vor drei Jahren in Mumbai, deshalb wusste ich, was mich in dieser Stadt und in Indien erwartet. Wir selbst haben auch indische Freunde in Deutschland, deshalb haben wir uns auf das Abenteuer eingelassen.

Sie hatten also keine Probleme, sich einzuleben?

Nein. Ich bin auch ein sehr umgänglicher Typ, da gab‘s keine Probleme. Natürlich ist es eine riesengroße Umstellung aufgrund des Wetters und der Luftfeuchtigkeit. Wir trainieren im Moment aufgrund des Monsunregens nur auf Kunstrasen – auch das bin ich nicht gewohnt. Aber man kann sich an alles gewöhnen, und es macht tierisch Spaß hier einfach Fußball zu kicken. Und am Sonntag geht es endlich los.

In der Bundesliga ist alles hochprofessionell und perfekt organisiert. Wie sieht es in Indien aus?

Da darf man gar nicht anfangen zu vergleichen. Dadurch, dass es nicht Sport Nummer 1 ist, wird auf gewisse Sachen nicht so viel Wert gelegt. Die ganzen Einrichtungen gibt es so hier auch nicht. Vieles, was in Deutschland als selbstverständlich wahrgenommen wird, ist es hier eben nicht. Aber das war mir von vornherein klar. Wenn es irgendwo noch ein bisschen hakt, ist das für mich absolut in Ordnung. Aber man kann es nicht mit Deutschland vergleichen, weil es zwei verschiedene Paar Schuhe sind.

Haben Sie manchmal auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen, mit denen Sie überhaupt nicht gerechnet haben?

Fußball-Länderspiel zwischen Indien und den Vereinigten Arabischen Emiraten in Delhi (Foto: afp)

In Indien haben Fußballer oft nicht nur mit dem Gegner zu kämpfen, sondern auch mit dem Monsun

Nein, keine wirklichen Schwierigkeiten. Aber als ich hier ankam, da gab es den Verein noch gar nicht. Erst zwei Wochen später gab es die offizielle Eröffnungsfeier, bei der der Verein präsentiert wurde. Aber davor hatten wir noch keine Trainingsklamotten, wir hatten noch kein Logo, also haben wir in den ersten Tagen mit den eigenen Klamotten trainiert. Das wäre in Deutschland undenkbar, dass jeder in seinem eigenen T-Shirt und in seiner eigenen Hose kommt. Auch, dass wir uns zur gesamten Zeit im Hotel befinden, weil man in Mumbai aufgrund des Verkehrs eigentlich nicht weiter als fünf Kilometer auseinander wohnen darf. Wenn die Leute in der Stadt verstreut wohnen würden, würde das hinten und vorne nicht klappen. Deshalb wohnen wir alle zusammen im Hotel, fahren zum Trainingsplatz und duschen dann wieder im Hotel. In Deutschland hat jeder Verein sein Trainingszentrum, da hat jeder Spieler seinen Spind: Man kommt hin, zieht sich um, trainiert, und am nächsten Tag steht alles gemacht wieder auf seinem Platz. Das ist hier eben nicht so. Aber das war mir vorher schon klar und gehört eben mit zu dem großen Abenteuer dazu.

Die Liga wurde komplett neu aus dem Boden gestampft. Die Mannschaften sind voll mit internationalen Altstars. Die Vermarktung ist komplett durchorganisiert. Glauben Sie, das ist ein Konzept, mit dem man dem indischen Fußball dauerhaft auf die Beine helfen kann?

Ich hoffe es. Das ist natürlich nicht in den nächsten zwei, drei Wochen absehbar. Aber ich glaube, dass die Bosse der jeweiligen Vereine schon längerfristig planen und sagen, in den nächsten drei bis fünf Jahren wollen wir den Fußball schon weiterbringen. Aber es hängt natürlich viel davon ab, wie es angenommen wird, wie attraktiven Fußball wir bieten, ob wir die Menschen tagtäglich in die Stadien ziehen – denn in der ersten Phase ist jeden Tag ein Spiel. Das ist nicht wie in Deutschland, wo am Wochenende alle Spiele stattfinden, und in der Woche ist Ruhe. Das ist ein kurzes, knackiges Turnier. Und ich hoffe auch, dass wir mit dem Turnier viele Leute erreichen können und Sportarten wie Cricket und Kabaddi ein bisschen den Rang ablaufen.

Merken Sie denn schon den Zuspruch oder eine gewisse Vorfreude bei den Fans?

Wir sind immer ein bisschen außerhalb gewesen und nicht mitten im Trubel. Wir haben aber am Sonntag unser Eröffnungsspiel in Kolkata, und da werden dann direkt mal 120.000 Leute zugucken. Ich glaube schon, dass man da die Stimmung und Vorfreude merken wird, wenn man ins Stadion einläuft. Wir wollen einfach ein gutes, attraktives Turnier spielen, und ich bin sehr stolz darauf, mit dabei sein zu dürfen und der erste Deutsche sein zu dürfen, der hier spielen darf. Und wenn ich schon mal da bin, würde ich das Turnier auch gern gewinnen! Aber es ist eine komplett ungewöhnliche Konstellation: Ich glaube, das hat keiner von uns je mitgemacht, dass im Grunde acht Vereine neu entstehen und man keine Ahnung hat, wie stark die anderen Mannschaften sind. Es stehen pro Team immer fünf Inder und sechs Ausländer auf dem Platz, die so noch nie zusammen gespielt haben - und das ist eine klassische Wundertüte.

Die Meisterschaft in der indischen Liga dauert ja nur rund zwei Monate. Wie geht es für Sie danach weiter?

Das weiß ich noch nicht. Ich freu mich jetzt erstmal, dass es losgeht. Und dann ist Dezember, da hoffe ich dann mal, dass wir den Pokal oder die Schale oder was man auch immer kriegt, auch hochheben dürfen…

Nicht mal das steht fest?

Ich weiß nicht, da habe ich mich noch nicht mit befasst, aber ich würde das Ding gern gewinnen! Und ich bin mir sicher, dass wir da auch gute Chancen haben. Im Moment fühle ich mich sehr gut, ich habe richtig Lust, Fußball zu spielen. Und im Dezember werde ich mich kurzfristig entscheiden, wie es weitergeht.