1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Asien

Friedliches Blutvergießen in Thailand

Seit Tagen demonstrieren tausende Menschen in der thailändischen Hauptstadt Bangkok, um Ministerpräsident Abhisit zur Auflösung des Parlaments zu bewegen. Ein symbolisches Blutopfer hat diese Forderung unterstrichen.

Thailändischer Demonstrant mit gefüllter Blut-Flasche (Foto: ap)

Insgesamt 275 Liter Blut wurden am Regierungssitz symbolisch vergossen

"Ohne Blutvergießen kam es in Thailand noch nie zu Veränderungen", Manat Tengmanee weiß, wieso er sich am Dienstag (16.03.2010) ein paar Teelöffel Blut abnehmen lässt. Der Mann aus der nordthailändischen Provinz Lampang ist nach Bangkok gekommen, um den Kampf der Opposition gegen die aktuelle Regierung zu unterstützen. Auch Rund Suramanee spendet sein Blut. "Ich bin bereit, alles für eine Rückkehr des Mehrheitsrechtes zu opfern", sagte der 76-Jährige, der bis zu seiner Pensionierung im öffentlichen Dienst gearbeitet hat.

Thailändische Mönche lassen sich Blut abnehmen (Foto: ap)

Auch thailändische Mönche beteiligten sich an der Blutspendenaktion

275 Liter Blut für Neuwahlen

Es ist eine ungewöhnliche Protestaktion, die sich hunderte Anhänger des ehemaligen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra überlegt haben, um Neuwahlen in Thailand durchzusetzen. Gut 275 Liter statt der geplanten 1000 Liter Blut kamen bei der Blutspendeaktion zusammen. Die Führer der Oppositionsbewegung vergossen das symbolische "Blutopfer" am Dienstag Abend (Ortszeit Bangkok) am Regierungssitz von Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva. Die Demonstranten schütteten rund 50 Container vor sechs Eingängen des Regierungssitzes aus.

"Wenn Abhisit zur Arbeit kommt, muss er über das Blut des Volkes fahren", sagte Protestanführer Nattawut Saikuer. Abhisit hatte sein Büro allerdings an einen Armeestützpunkt verlegt, um sich von den Demonstranten nicht umzingeln zu lassen. Obwohl der Regierungssitz schwer bewacht war, griffen die Sicherheitskräfte aber nicht ein. "Wenn es ein friedlicher Protest ist, muss man es zulassen", sagte ein Regierungssprecher. In der Stadt sind mehr als 40.000 Polizisten und Soldaten im Einsatz.

Nach wie vor friedliche Proteste

Die Blutabnahme wurde von Ärzten und Krankenschwestern geleitet, die die Bewegung der Rothemden unterstützen. Sie hatten mehrere improvisierte Stationen mit Spritzen, Röhrchen und Verbandsmaterial aufgebaut. Besorgt zeigte sich das Rote Kreuz über die Aktion. Ein Sprecher verwies auf die hygienischen Probleme. Zudem könne man mit dieser Menge Blut zahlreiche Menschenleben retten, statt sie nutzlos zu vergießen.

Thailänder mit rotem Hemd und rotem Stirnband, Anhänger von Thaksin (Foto: ap)

In der Warteschlange zur Blutabnahme steht dieser Rothemden-Anhänger. Auf seinem Stirnband steht: Die Rothemden-Kraft

Die Organisatoren bekräftigten, dass sie auch am vierten Tag friedlich protestieren wollten. Rund 100.000 Menschen hatten am Sonntag in Bangkok den Rücktritt von Ministerpräsident Abhisit gefordert. Bei den Demonstranten handelt es sich überwiegend um Anhänger des 2006 durch einem Militärputsch gestürzten Regierungschefs Thaksin. Sie werden Rothemden genannt, weil sie sich mit roten Hemden von der Regierungspartei abheben wollen. Die regierende "Volksallianz für Demokratie" von Ministerpräsident Abhisit gilt als königsnah und da die Farbe des Königs gelb ist, werden sie Gelbhemden genannt.

Abhisit lehnt Neuwahlen ab

Die Rothemden werfen Abhisit vor, illegal an die Macht gekommen zu sein. Sie fordern seinen Rücktritt und Neuwahlen, was Abhisit aber ablehnt . Wahlen müssten nach den allgemein gültigen Regeln und in "aller Ruhe" abgehalten werden, sagte der Regierungschef: "Wir dürfen nicht nur auf die Stimmen der Demonstranten hören."

Autorin: Marion Linnenbrink (apn, rtr, dpa, afp)
Redaktion: Martin Schrader/Thomas Kohlmann

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema