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Aktuell Europa

Friedliche Räumung des Flüchtlingslagers Idomeni

Bislang haben gut 2000 Flüchtlinge das wilde griechische Camp an der Grenze zu Mazedonien verlassen. Widerstand gab es nicht. Zeitgleich erörtern deutsche Politiker und Organisationen weitere Hilfsmaßnahmen.

Flüchtlinge in einem Bus in Idomeni (Foto: picture-alliance/dpa/S. Baltagiannis)

Aus der Traum von der Balkanroute: Flüchtlinge in einem Bus, der sie in ein anderes Lager in Griechenland bringt

Die Evakuierung des Camps, in dem sich zuletzt noch bis zu 9000 Menschen aufhielten, soll mehrere Tage dauern. Die lange angekündigte Räumung hatte Dienstagfrüh begonnen. Rund griechische 1400 Polizisten hielten sich in Bereitschaft und sperrten das Lager weiträumig ab. Polizeibeamte in Zivil kontrollierten jeden, der nach Idomeni fahren wollte. Sie ließen nur Einwohner der Region durch.

Neue Lager in der Region Thessaloniki

Am Nachmittag veröffentlichte die Polizei Videoaufnahmen, die von ihrem Hubschrauber aus gedreht worden waren. Deutlich zu sehen waren Migranten, die koordiniert und ohne Gewaltanwendung in Busse stiegen und das Lager verließen. Augenzeugen berichteten, Zelte und Plastikplanen sowie Müll seien mit einem Bagger beseitigt worden.

Reporter zählten bisher mindestens 40 Busse, die das Lager verließen und ins Landesinnere fuhren. Nach Angaben der Polizei fuhren bis zum Abend exakt 2024 Menschen aus Idomeni mit. Die Aktion soll an diesem Mittwoch fortgesetzt werden. "Alles wie am Schnürchen. Die Menschen kommen jetzt in bessere Lager", sagte der Sprecher des Stabes für die Flüchtlingskrise, Giorgos Kyritsis. Diese sind überwiegend in der Region der Hafenstadt Thessaloniki.

Griechische Polizisten führen Flüchtlinge in Idomeni zu den Bussen (Foto: Reuters/Y. Kolesidis)

Griechische Polizisten führen Flüchtlinge in Idomeni aus dem Camp

In Idomeni hatte sich nach der schrittweisen Schließung der Balkanroute im Februar und dem Bau eines Zauns seitens Mazedoniens ein wildes Lager gebildet. Bis zu 15.000 Menschen - unter ihnen viele Frauen und Kinder - harrten seit März trotz unwürdiger Zustände aus. Sie hofften, dass die Balkanroute wieder aufgemacht wird, damit sie nach Mittel- und Nordeuropa weiterreisen können. Immer wieder versuchten sie vergeblich, die Grenze zu passieren.

Zustände in anderen Lagern noch schlimmer?

Die Hilfsorganisation Medico international beklagte inzwischen, die Zustände in anderen Lagern seien teilweise noch schlechter als in Idomeni. Die versprochenen Zugänge zum Asylverfahren und Familiennachführung scheiterten zumeist an der mangelhaften Ausstattung, die auch eine Folge der EU-Sparpolitik sei. Auch die Linken-Innenexpertin Ulla Jelpke bezeichnete es als "armselig", dass die Flüchtlinge in andere Lager gebracht würden, wo noch schlimmere Zustände herrschten.

Flüchtlinge in Idomeni steigen in bereitstehende Busse ein (Foto: Reuters/O. Teofilovski)

Bisher nahmen 25 Busse Flüchtlinge aus dem Lager an der mazedonischen Grenze mit

Dagegen nannte die Grünen-Europaabgeordnete Barbara Lochbihler die Räumung von Idomeni mit Blick auf die unzumutbaren Verhältnisse dort richtig. Allerdings forderte sie wie auch Jelpke, dass Deutschland und andere EU-Staaten diese Flüchtlinge aufnehmen müssten. Dazu müsse "weiter an einem europaweiten und gerechten Verteilungssystem" gearbeitet werden, das die Wirtschaftsleistung der Aufnahmeländer und die Zahl der dort bereits aufgenommenen Flüchtlinge berücksichtige, sagte Lochbihler.

Mit dem Sonderzug nach Deutschland

Deutsche Flüchtlingsorganisationen forderten, einen Teil der Menschen aus Idomeni mit einem Sonderzug nach Deutschland zu holen. "Wir sind der Überzeugung, dass die Bundesrepublik in der Lage ist, sehr viel mehr Geflüchtete aufzunehmen", hieß es in einer Erklärung der federführenden Organisation "Zuflucht Wendland". Die Initiatoren wollen am Mittwoch am Rande der Kabinettsklausur der Bundesregierung in Meseberg 10.000 Unterstützer-Postkarten an Kanzlerin Angela Merkel übergeben.

sti/stu (afp, dpa, kna)

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