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Kultur

Friedenspreis für Istanbuler Autor

Der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk erhält dieses Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Der Autor gilt als gesellschaftskritisch, will aber selbst "völlig unpolitisch" sein.

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Orhan Pamuk

"Mit Orhan Pamuk wird ein Schriftsteller geehrt, der wie kein anderer Dichter unserer Zeit den historischen Spuren des Westens im Osten und des Ostens im Westen nachgeht", begründete der Stiftungsrat des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels seine Wahl. Er sei einem Begriff von Kultur verpflichtet, "der ganz auf Wissen und Respekt vor dem anderen gründet". Pamuk habe ein Werk geschaffen, "in dem Europa und die muslimische Türkei zusammenfinden".

Pamuk gilt als einer der begabtesten und erfolgreichsten Prosaschriftsteller der jüngeren Generation in der Türkei. Der in Istanbul lebende Autor wurde mit Romanen wie "Die weiße Festung", "Rot ist mein Name" oder zuletzt "Schnee" bekannt. Seine Werke wurden in 34 verschiedene Sprachen übersetzt und in über 100 Ländern veröffentlicht.

Kritisch, aber unpolitisch?

Zu brisanten politischen Themen und Problemen seines Landes, wie dem Kurdenkonflikt oder dem EU-Beitritt, hat Pamuk in der Öffentlichkeit stets klar Stellung bezogen. Seine Romane, aus denen manche Kritiker politische Brisanz lesen wollten und die wegen ihrer satirischen Behandlung des Atatürk-Kults und der Religion heftige Kontroversen in der Türkei auslösten, bezeichnet er selbst allerdings als völlig unpolitisch. Er versteht seinen Standpunkt als bewusste Abgrenzung zu Bertolt Brechts Haltung, dass Autoren, nach ihren politischen Überzeugungen befragt, ihre Bücher und nicht ihre Parteiausweise vorweisen sollten.

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels gehört zu den bedeutendsten Auszeichnungen in Deutschland. Seit 1950 werden mit dem Preis Persönlichkeiten aus dem In- oder Ausland geehrt, die auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen. Im vergangenen Jahr wurde der ungarische Schriftsteller Péter Esterházy ausgezeichnet, 2003 die amerikanische Intellektuelle Susan Sontag.

Umstrittene Preisträger

Um die Preisträger hat es wiederholt Auseinandersetzungen gegeben. So war 1995 das Votum für die Orientalistin Annemarie Schimmel umstritten, der Kritiker mangelnde Distanz zu fundamentalistischen Positionen des Islams vorwarfen. Eine Kontroverse löste der Schriftsteller Günter Grass 1997 aus, als er in seiner Laudatio auf den türkischen Preisträger Yasar Kemal die Kurdenpolitik der Bundesrepublik kritisierte. 1998 entbrannte nach der Rede des Preisträgers Martin Walser eine monatelange Diskussion über den Umgang mit der deutschen Vergangenheit.

Verliehen wird die Auszeichnung jedes Jahr zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse im Oktober vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, dem Dachverband der deutschen Buchbranche. Das Preisgeld wurde in diesem Jahr von 15.000 auf 25.000 Euro aufgestockt. Ort der Übergabe ist die Frankfurter Paulskirche. Dort tagte 1848 die Frankfurter Nationalversammlung, die für die demokratische Entwicklung Deutschlands von historischer Bedeutung war. (ert)

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