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Kultur

Friedenspreis für einen Grenzgänger

Wenn Europa zusammenwachsen soll, dann dürfen die einzelnen Länder nicht auf ihrer Andersartigkeit beharren - sagt der Autor Claudio Magris. Er erhielt an diesem Sonntag den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Porträt des Schriftstellers Claudio Magris (Foto: dpa)

Claudio Magris

Claudio Magris ist ein Mann, der sich einmischt. Er ist Philosoph, Schriftsteller, Wissenschaftler, Politiker und Kolumnist der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera". Mit Sorge betrachtet er die zunehmenden "Ängste und Mikronationalismen" in Europa. Die Angst vor einer Nivellierung sei zwar verständlich, doch sich abzuschotten sei ein Fehler, sagte er auf einem Pressetermin der Frankfurter Buchmesse. Er glaube vielmehr an die "Notwendigkeit eines europäischen Staates“.

Was ist geblieben von den Mythen des Abendlandes?

Diese Frage beschäftigt den italienischen Gelehrten in vielen seiner Texte. Das wohl bekannteste Werk ist "Donau. Biographie eines Flusses". Vier Jahre lang reiste er die Donau entlang und regt damit Jahre vor dem Mauerfall die Debatte um das verschwundene Mitteleuropa an.

Die Piazza dell'Unita d'Italia in Triest (Foto: dpa)

Schön ist es in Triest, Magris Heimatstadt. Und multinational...

Sein Interesse für Grenzen und Grenzgebiete sieht Magris in seiner Herkunft begründet. Er kommt aus Triest, einer Hafenstadt im Nordosten Italiens mit einer Vielzahl von Kulturen und Sprachen. In einem Grenzgebiet aufzuwachsen bringe einen "instinktiv und fast notwendig zu bestimmten Themen und zu einer bestimmten Art, diese Themen zu bearbeiten“, sagt er.

Für Europa und für die Vielfalt

Magris ist ein bescheidener Mann. Seine "Feder sei keine große Waffe“, sagt er. Er schreibe einfach, was ihm am Herzen liege. Und dafür zeichnet ihn der Börsenverein des deutschen Buchhandels nun aus. Die Begründung der Jury: Magris habe sich wie kaum ein anderer mit den Problemen des Zusammenlebens verschiedener Kulturen beschäftigt, er trete ein für ein Europa, das seine geschichtliche und kulturelle Tradition und Vielfalt bewahrt.

Claudio Magris (Foto: dpa)

Der Friedenspreis ist nicht die erste Auszeichnung für Magris, aber eine besondere

Mit Deutschland verbindet Magris vor allem die Literatur. Er war 14 Jahre alt, als sein "kauziger" Deutschlehrer ihn und seinen Mitschülern mit "genialer und ein bisschen verworrener Aggressivität" auf die deutsche Literatur aufmerksam machte. Später studierte er Germanistik in Turin und Freiburg und ist heute einer der bedeutendsten italienischen Germanisten. Als Professor für deutsche Sprache und Literatur an der Universität in Triest betreute er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2006 die Übersetzung zahlreicher deutschsprachiger Autoren ins Italienische, darunter Joseph Roth, Arthur Schnitzler und Georg Büchner.

Mit Eco gegen Berlusconi

In den 1990er Jahren saß Magris für eine Legislaturperiode als Abgeordneter im italienischen Senat. 2002 gründete er mit Umberto Eco und anderen Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur die Vereinigung "Freiheit und Gerechtigkeit", aus Enttäuschung über die Regierung unter Silvio Berlusconi. Die Hoffnung auf eine bessere Welt sei in der Krise, sagt der heute 70-jährige Magris. Das könne er nicht akzeptieren.

Autorin: Petra Lambeck

Redaktion: Marlis Schaum