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Welt

Friedensnobelpreisträger Tutu ist 80

Wie kaum ein anderer hat Erzbischof Desmond Tutu die Menschen Südafrikas und ihre Kultur geprägt. Von ihm stammt der berühmte Begriff von der Regenbogennation. Am 7. Oktober wurde Tutu 80 Jahre alt.

Desmond Tutu in einer Comiczeichnung von Jonathan Shapiro (Foto: Shapiro)

Desmond Tutu hat auch in der südafrikanischen Comicszene seinen festen Platz

"Desmond Tutu ist klein, aber er hat eine riesige Persönlichkeit. Er kann seine Augen und seinen Mund riesengroß aufreißen und seine Stimme ist schrill und spitz. All das ist wundervoll für einen Comiczeichner. Und gleichzeitig ist er jemand, der strenge Prinzipien hat, würdevoll ist, der keine Angst hat, seine Meinung zu sagen. Er ist ein fantastisches Gesamtpaket." Wenn Jonathan Shapiro über Desmond Tutu spricht, merkt man sofort, dass er ihn mag.

Shapiro ist Südafrikas berühmtester Comiczeichner und so wie Tutu wird auch er regelmäßig kritisiert. Aber Shapiro hat sich Tutu zum Vorbild genommen, beide spornt Kritik nur noch mehr an. Auch wenn Jonathan Shapiro in seinen Comics Desmond Tutu nicht wirklich hart kritisiert, so hält sich Erzbischof Tutu mit seiner Kritik am Zeichner nicht zurück: "Meine Nase ist so lang, die hängt mir ja im Mund," beschwerte sich der Erzbischof über sein gezeichnetes Ebenbild. Genau das ist es, was Künstler wie Shapiro so an Tutu mögen: seinen spontanen und ehrlichen Sinn für Humor.

Tutu gab Südafrika eine gemeinsame Sprache

Eine Tutu-Installation in der sich der Friedensnobelpreisträger von einem Kronleuchter in einer Kirche Südafrikas herabschwingt. (Foto: AlanTaylor)

Desmond Tutu ist in Südafrika eine Lichtfigur

Wie kaum ein anderer hat Desmond Tutu die Menschen Südafrikas und ihre Kultur geprägt. Der Begriff von der Regenbogennation, der die Vielseitigkeit der unterschiedlichen Völker Südafrikas symbolisiert, stammt von ihm. Obwohl Tutu auch dafür bis heute viel Kritik einstecken muss von Menschen, die sagen, dass es ja wohl weder schwarz noch weiß im Regenbogen gibt. Die Schriftstellerin Antjie Krog ist Desmond Tutu dankbar für seine Bemühungen, den Menschen Südafrikas eine gemeinsame Sprache zu geben. "Wir leben in einem Land, in dem ungefähr 90 Prozent der Menschen gezwungen sind, eine Sprache zu sprechen, die nicht ihre Muttersprache ist. Deshalb sind Begriffe wie die Regenbogennation wichtig, weil sich darauf ein Vokabular von Freiheit, Respekt und Menschlichkeit aufbaut. Tutu hat einen Wortschatz geschaffen, mit dem wir miteinander über uns reden konnten", sagt die Schriftstellerin.

Südafrika ist ein Land mit elf offiziellen Sprachen. Verständigung ist nach wie vor ein großes Problem, denn so unterschiedlich die Sprachen sind, so unterschiedlich sind auch die Kulturen der verschiedenen Volksgruppen. Worte wie "Wunder" und "außergewöhnliche Menschen" hat Desmond Tutu in den alltäglichen Sprachgebrauch überführt mit dem Ziel, die Menschen Südafrikas einander näher zu bringen.

Zulu-Lieder sind keine Lösung

Porträt von Antjie Krog (Foto: Karina Turok)

Autorin Antjie Krog

Für Antjie Krog ist es schwer, mit anzusehen, dass diese Bemühungen, eine einheitliche Sprache zu finden, heute in der Politik kaum noch eine Rolle spielen. Präsident Jacob Zuma spricht ein sehr schlechtes Englisch und anstatt zum Volk zu reden, singt er lieber Lieder auf Zulu, beschwert sie sich. Die Schriftstellerin stellt Tutu dagegen auf eine Stufe mit Nelson Mandela. Der war für die politischen Ideale zuständig und Tutu für die menschlichen, sagt sie. Für Krog ist es deshalb unmöglich, sich Südafrika ohne die Stimme von Tutu vorzustellen. "Wann immer Tutu spricht, geht es darum, wie man sich respektvoll und menschenwürdig verhält. Während der Zeit der Wahrheits- und Versöhnungskommission haben 2000 Menschen öffentlich ausgesagt. Bei ungefähr 1500 davon war Tutu persönlich anwesend." Tutu habe nach jeder Aussage immer noch ein paar persönliche Worte für den Betreffenden gefunden. Er habe den Menschen eine Botschaft gegeben, die sie hätten mitnehmen können, so Krog.

Friedensnobelpreis für Tutus Kampf gegen Rassentrennung

Egal ob religiös oder nicht - Erzbischof Desmond Tutu hat Menschen bewegt und beeinflusst. Er gilt als eine der Schlüsselfiguren im Kampf gegen die Apartheid. Während Freiheitskämpfer wie Nelson Mandela im Gefängnis saßen, übernahm er die führende Rolle im Kampf gegen die Rassentrennung. Immer und immer wieder predigte Tutu Versöhnung und Respekt. 1984 wurde er dafür mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Vor einem Jahr hat Desmond Tutu seinen Rücktritt aus der Öffentlichkeit erklärt. Stiller ist er deshalb aber nicht geworden. Vor ein paar Wochen erst hat er in Südafrika für Schlagzeilen gesorgt, als er die Einführung einer Reichensteuer forderte. Comiczeichner Jonathan Shapiro ist sich sicher: So lange Tutu reden kann, wird er genau dies tun. Laut und deutlich. "Tutu sagt permanent Sachen, die provozieren und anstacheln. Das hat er schon damals während der Apartheid gemacht, und das macht er genauso heute mit der Regierung, wenn sie korrupt oder faul ist oder vom rechten Weg abkommt. Tutu sagt, was gesagt werden muss – und das zur richtigen Zeit."

Autorin: Kerstin Poppendieck
Redaktion: Daniel Scheschkewitz